Stadt verbietet Bau: Kein Wetterhaus für den Ponyhof Menglinghausen

rnPonyhof kassiert Absage

Kopfschütteln bei den Nutzern der Reitanlage: Ihr Gelände soll ein Wetterhaus sowie behindertengerechte Toiletten bekommen. Warum die Stadt erstmal nein sagt.

Menglinghausen

, 06.02.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Peter Regener, Ex-Jugendpfleger in Diensten der Stadt Dortmund, versteht die Welt nicht mehr. Als Miteigentümer des 18,5 Hektar großen Geländes der früheren Zeche Kaiser Friedrich „Am Sturmwald“ in Menglinghausen erlebt er, wie jährlich hunderte Kinder die Angebote der ansässigen Organisationen nutzen: Die Palette reicht von Reitunterricht über therapeutisches Reiten bis zu erlebnispädagogischen Angeboten in der Natur, etwa ökologisches Gärtnern. Schulen, Kitas und andere soziale Einrichtungen sind häufig zu Gast.

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„Hier haben Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, Natur auch unter inklusiven Aspekten zu erfahren und wertzuschätzen“, sagt Regener mit Blick auf das UN-Thema „Soziale Natur – Natur für alle“.

Für die Angebote sei es dringend notwendig, die als „Ponyhof“ bekannt gewordene Erlebniswelt zu einem „Natur-Sport-Park“ zu erweitern. Prompt gerät die über Pferdekoppeln, Wiesen und Weiden liegende Harmonie aus der Balance.

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Regener möchte auf dem Gelände ein multifunktionales „Wetterhaus“ und Sanitäranlagen mit behindertengerechten Toiletten bauen, läuft damit bei der Stadt aber vorerst auf Grund. Seine Bauvoranfrage ging negativ aus, die Verwaltung lehnt das Vorhaben ab.

Bald Landschaftsschutzgebiet?

Das Problem: Das Grundstück liegt auf der Grenze im Außenbereich und ist im Flächennutzungsplan als „Grünfläche“ festgeschrieben. Nach Fertigstellung des neuen Landschaftsplans soll es sogar zum „Landschaftsschutzgebiet“ werden. Lasse man das Bauvorhaben jetzt zu, könne ein „Erweiterungsanspruch entstehen“, der sich später nicht mehr zurückdrehen lasse, argumentiert das Bauordnungsamt.

Die Folge sei eine „stärkere Belastung des Außenbereichs“. Kurzum: „Die Errichtung einer Wetterhütte als Seminar- und Eventgebäude wird versagt.“

Stadt verbietet Bau: Kein Wetterhaus für den Ponyhof Menglinghausen

Das rote Rechteck zeigt, an welcher Stelle das Häuschen inklusive behindertengerechter Toilette stehen soll – wenn es nach Peter Regener geht. © Foto Beushausen / Grafik Dittgen

Regener kann das nicht verstehen. „Wir schaden der Natur nicht“, sagt er. Ganz im Gegenteil: Es seien die Kinder und Jugendlichen, die im Rahmen der pädagogischen Aktivitäten mit den Organisationen in den vergangenen 30 Jahren Fauna und Flora angelegt und hergerichtet hätten.

Mit einem 350 Quadratmeter großen Häuschen inklusive behindertengerechter Ausstattung für rund 55 Personen ließen sich mehrere Fliegen mit einer Klasse schlagen.

Multifunktionales Gebäude

Nicht allein, dass damit ein Rückzugsraum bei schlechtem Wetter geboten werde. Das in Teilen überdachte Gebäude könne ebenso als Begegnungsstätte, Seminar-, Lern- und Veranstaltungsort genutzt werden. „So etwas brauchen wir dringend“, sagt Regener mit Blick auf den Besuch von Schulklassen und Gruppen mit teilweise mehr als 20 Personen.

Ebenso als Schlag ins Kontor empfindet er das „Nein“ der Verwaltung zum Bau von Sanitäranlagen mit behindertengerechten Toiletten. Er bekomme langsam das Gefühl, dass sich die pädagogische Arbeit auf der Anlage in Menglinghausen bei der Verwaltung keiner all zu hohen Wertschätzung erfreue.

„Was soll ich davon halten, dass mir während des Abstimmungsgesprächs mit der Verwaltung gesagt wird, der Ablehnungsbescheid sei schon raus?“, fragt Regener. Er verweist auf Städte wie etwa Bochum und Herne. Dort würden extra „Wildnis-Grünflächen“ zum Entdecken und Spielen vorgehalten.

Hilfe aus der Politik?

Sein Vorschlag: Die Stadt möge zugunsten der Kinder ein kleines Stückchen Land (0,1 Prozent des Landschaftsschutzgebietes) für die Wetterhütte freigeben. „Gern auch mit fachlicher Begleitung des Umweltamtes.“ Solche Projekte, wie sie im Natur-Sport-Park in Menglinghausen gelebt würden, seien im November 2019 in Berlin bei der Fachtagung „Soziale Natur – Natur für alle“ diskutiert worden, einer Veranstaltung des Bundesumweltministeriums mit dem Bundesamt für Naturschutz. Regener: „Was bundesweit geht, sollte auch für Dortmunder Bürger möglich sein.“ Er will weiter kämpfen – und in Kürze auf die Politik zugehen.

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