Stadt will Leinenzwang für Hunde lockern – Scharfer Protest von Naturschützern

rnNeuregelung in Naturschutzgebieten

Das Dortmunder Umweltamt will Hunde in Naturschutzgebieten von der Leine lassen. Was als Vereinfachung einer komplizierten Regel gedacht ist, sorgt bei Naturschützern für heftigen Widerstand.

Dortmund

, 14.09.2019, 05:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein altes Streitthema flammt wieder auf, entfacht ausgerechnet vom Umweltamt. Es will Hunde auf den Wegen in allen 26 Naturschutzgebieten von der Leine lassen; denn in Dortmund gibt es dazu seit Jahren eine zweigeteilte Regelung, die vereinheitlicht werden soll.

Nach dem Gesetz dürfen Hunde in Wäldern auf den Wegen ohne Leine laufen. Allerdings nicht in Naturschutzgebieten; denn für die gelten besonders strenge Regeln zum Schutz von Tieren und Pflanzen. So weit, so klar.

Weil aber vor 14 Jahren viele Wälder in Dortmund zu Naturschutzgebieten erklärt wurden, herrschen hier unterschiedliche Vorschriften: In den 14 alten Naturschutzgebieten müssen Hunde immer an die Leine, in den neuen Wald-Naturschutzgebieten dürfen sie auf den Wegen unangeleint laufen.

Komplizierte Leinenregelung ist nicht bürgerfreundlich

Das Umweltamt hält diese komplizierte Regelung für nicht bürgerfreundlich. Im Entwurf des neuen Landschaftsplans schlägt es deshalb vor, den Leinenzwang für alle Naturschutzgebiete zu lockern.

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Der Naturschutzbeirat und die Naturschutzverbände laufen dagegen Sturm. „Diese Regelung würde zu einer Verschlechterung der Situation in einem Großteil der vor 2002 unter Schutz gestellten Naturschutzgebiete führen, in denen bislang ein strenger Leinenzwang gilt“, kritisiert der Naturschutzbeirat. Solche Naturschutzgebiete sind unter anderem Alte Körne, Auf dem Brink, Beerenbruch, Dellwiger Bachtal, An der Panne, die Ruhrsteilhänge unterhalb der Hohensyburg und Mengeder Heide.

Gegen das Freilaufen von Hunden auf Wegen in Naturschutzgebieten sprechen nach Ansicht der Naturschützer gleich mehrere Gründe. So seien die zugelassenen Wege als solche häufig nicht erkennbar, und schon einzelne Hunde könnten in der Brut- und Setzzeit erhebliche Schäden beim Wild verursachen. „Landschaftswächter berichten, dass Vorfälle mit Hunden in Dortmund das mit Abstand häufigste Problem in den Schutzgebieten sind“, heißt es in einer Stellungnahme des Naturschutzbeirats.

Anleinpflicht generelle Praxis

Zudem habe die Verwaltung keine Übersicht über die Einhaltung des Wegegebots und strenge auch keine Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen Hundehalter an, argumentiert der Naturschutzbeirat. Auch in den Nachbargemeinden Witten und Bochum – und nicht nur dort – sei eine generelle Anleinpflicht gängige Praxis.

Rückendeckung erhalten die Naturschützer vom Dortmunder Tierschutzverein. „Mit Erschrecken“ habe man zur Kenntnis genommen, dass der Leinenzwang in einem Großteil der Naturschutzgebiete aufgehoben werden soll, stellt die Vorsitzende Erika Scheffer fest. Niemand könne für seinen Hund die Garantie übernehmen, dass er auf den Wegen bleibe, wenn er eine Witterung aufgenommen habe. „Hier haben die freilebenden Waldbewohner Vorrang.“

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