Stadt will Prostituierten-Hilfe neu regeln - Zank unter Helfern

Schwierige Verhandlungen

Der Straßenstrich ist seit dem 16. Mai 2011 geschlossen - aber auf der Straße, in Kneipen und Teestuben blüht die Prostitution in Dortmund weiter. Die Stadt will deshalb die Prostituierten-Hilfe neu regeln. Doch die beiden Haupt-Hilfsorganisationen zanken sich. Für eine geht es um ihre Existenz.

DORTMUND

von Von Ulrike Böhm-Heffels

, 26.02.2013, 01:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Eine Prostituierte auf dem Dortmunder Straßenstrich - seit 2011 gehört dieses Bild in Dortmund der Vergangenheit an. Trotzdem floriert die Prostitution in Dortmund weiter.

Eine Prostituierte auf dem Dortmunder Straßenstrich - seit 2011 gehört dieses Bild in Dortmund der Vergangenheit an. Trotzdem floriert die Prostitution in Dortmund weiter.

 Seit Beginn des Jahres laufen die Verhandlungen der Stadt mit den Wohlfahrtsverbänden über Zuwendungsverträge. Diese enden nämlich Ende 2013 – turnusgemäß nach vier Jahren. Das betrifft auch den Bereich der Prostituierten-Hilfe. Dort sind die Beratungsstelle Kober und die Mitternachtsmission über ihre Dachverbände Caritas und Diakonie Vertragspartnerinnen der Stadt.

Die Hilfen waren von je her aufgeteilt. Kober kümmerte sich um den ehemaligen legalen Straßenstrich Ravensberger Straße, Julius- und Mindener Straße, die Mitternachtsmission um bordellähnliche Betriebe und die Linienstraße.Die Stadt will ein einheitliches Konzept, weil sich die Gegebenheiten stark verändert haben: Der gesamte Bereich Beschaffungsprostitution und Prostitution von Zuwanderinnen ist förmlich explodiert vor dem Hintergrund der anhaltenden Armuts-Zuwanderung aus Bulgarien und Rumänen.

Andrea Hitzke, Chefin der Mitternachtsmission, sieht ein einheitliches Konzept skeptisch und verweist auf die unterschiedliche Trägerschaft beider Prostituierten-Hilfen. Im übrigen sei Stillschweigen vereinbart worden über den Stand der Verhandlungen. Hildegard Drywa und Elke Rehpöhler von Kober beteuern, es habe ihrerseits mehrere Vorschlägen zur Kooperation gegeben, die aber allesamt von der Mitternachtsmission abgelehnt worden seien.  

Kober selbst fürchtet ums Überleben der Beratungsstelle. In ihrem Büro an der Nordstraße 50 betreuen die Frauen im Monat 100 Prostituierte mit ihren Familien, auf den Straßen der Nordstadt und in den Kneipen sind es 80 bis 120.  Fast drei Viertel kommen aus Bulgarien und Rumänien mit mannigfachen sozialen Problemen. Kober beschäftigt eine Dolmetscherin (20 Wochenstunden) für diesen Bereich. Scheitern die Verhandlungen mit der Stadt, sind zwei Vollzeitstellen und der Job der Dolmetscherin passé.

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