Asseln und Neuasseln: Ein Stadtteil mit starken Sportvereinen und wenig Kneipen

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Viele Vereine machen Asseln und Neuasseln nicht nur attraktiv für Sportler. Sie bieten auch die Treffpunkte, die durch mangelnde Gastronomie fehlen.

Asseln, Neuasseln

, 05.12.2018, 04:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Thorsten Musielak steht vor einer Bande, die am Spielfeld des TuRa Asseln angebracht ist. Rund zwei Dutzend Vereinsmitglieder haben sich dort verewigt, sie senden Grüße raus an ihre „Turaner“ und wünschen ihnen Glück im Spiel.

„Musi“, wie seine Vereinskollegen Musielak, den Vereinsvorsitzenden, nennen, steht zusammen mit ein paar anderen Namen neben Willi, dem längsten Vereinsmitglied und Fiete, dem ältesten Mitglied.

Musielak deutet auf ein paar weitere Namen: „Da stehen auch jüngere Mitglieder“, erklärt er. Viele spielen schon in der zweiten oder dritten Generation, bringen ihre Kinder mit in den Verein.

Asseln und Neuasseln: Ein Stadtteil mit starken Sportvereinen und wenig Kneipen

© Grafik Verena Hasken

Von zehn möglichen Punkten haben die Asselner und Neuasselner dem Sport acht Punkte gegeben, der Dortmunder Durchschnitt liegt bei sieben Punkten. Und für Asseln kann sich Musielak das Ergebnis leicht erklären.

Neben dem Fußballverein TuRa gibt es auch noch den TV Asseln, ein Turnverein, in dem auch Handball, Karate und Volleyball angeboten wird. Dann ist da noch der TTV Asseln, ein Tischtennisverein und der Freizeitfußballverein, bei dem auch die „Lairds of Tremonia“, ein Highland-Game-Clan, trainieren.

Mit Wickede und Sölde teilt sich Asseln zudem noch einen Reit- und Fahrverein. Das ist nicht nur für einen vergleichsweise kleinen Stadtteil wie Asseln ein stolzes Angebot.

Für Musielak hat die gute Bewertung aber auch mit Tradition zu tun. „Viele der Vereine gibt es schon sehr lange“, erklärt er. Der TuRa beispielsweise ist über 100 Jahre alt, den TV gibt es schon seit den 1880er Jahren.

Und der starke Zusammenhalt im Stadtteil sorge dafür, dass man den Vereinen treu bleibe. „Asseln ist an sich ein eigenes Dorf“, sagt er, nicht ohne Stolz. Man kennt sich hier.

„Wenn ich hier einkaufen gehe, brauche ich viel länger, als wenn ich woanders hinfahren würde“, sagt er lachend. Man trifft eben so einige Leute bei einem normalen Einkaufsbummel.

Seit etwa einem Jahr arbeiten der TuRa und der TV auch für Veranstaltungen zusammen, machen gemeinsam Werbung, um gemeinsam dem Nachwuchsmangel entgegen zu wirken.

Konkurrenz gibt es keine zwischen den Sportvereinen, erzählt Musielak. Und wenn sie Sponsoren brauchen, jemanden, der sie beim Neubau des Vereinsheims unterstützt, dann kann der TuRa sich auf die Asselner Geschäftsleute verlassen. Man komme sich entgegen in Asseln, helfe einander aus.

Das wurde noch positiv bewertet:

Verkehrsanbindung: Die volle Punktzahl für Asseln und Neuasseln bei der Verkehrsanbindung. Das verwundert zumindest im Fall von Asseln wenig: Vier Haltestellen fährt die Stadtbahn U43 im Stadtteil an, und auch einen S-Bahnhof gibt es hier.

Der Hellweg läuft ebenfalls durch Asseln und bringt Autofahrer direkt bis zum Borsigplatz. Der hat aber auch seine Schattenseiten: In der Kategorie „Verkehrsbelastung“ vergaben die Asselner und Neuasselner nur sechs Punkte.

Kinderbetreuung: Auch hier liegen Asseln und Neuasseln über dem Durchschnitt. Acht Punkte vergaben die Teilnehmer der Umfrage hier, im städtischen Durchschnitt kamen in der Kategorie nur sieben zusammen.

Das liegt vermutlich auch an den Eltern, die sich hier aktive für die Betreuung ihrer Kinder einsetzen. Im kleinen Neuasseln gibt es gleich zwei Elterninitiativen: „Ali Baba“ und den „Mini-Club“. Ergänzt werden die Initiativen noch von einem katholischen Kindergarten.

Sicherheit: Acht Punkte haben die Teilnehmer der Umfrage hier vergeben, womit Asseln und Neuasseln erneut mit einem Punkt vor dem städtischen Durchschnitt liegen.

Mit Zahlen zur Kriminalstatistik nur in Asseln und Neuasseln kann die Polizei das nicht belegen. Wie Polizeisprecher Sven Schönberg erklärt, werden die Zahlen der Straftaten, die für das Sicherheitsempfinden der Bürger relevant sind – Einbrüche, Taschendiebstahl, Raub und so weiter – nur pro Wache erhoben.

Das heißt, dass die Statistik der Polizeiwache Asseln auch Straftaten in beispielsweise Brackel und Wickede einschließt. Diese Zahlen zeigen jedoch tatsächlich, dass die Kriminalität, die das Sicherheitsempfinden beeinflusst, im Wachbereich Asseln „sukzessive rückläufig sind“, wie Schönberg erklärt.

Das bestätigt auch der Leiter der Polizeiwache Asseln, Thomas Sparla: „Gerade im Bereich der Wohnungseinbruchs- und der Gewaltkriminalität sind starke Rückgänge zu verzeichnen, was auch aus polizeilicher Sicht zum positiven Bild der Stadtteile im Zuständigkeitsbereich der Polizeiwache Asseln beiträgt“, sagt er.

Das wurde negativ bewertet:

Gastronomie: Von zehn möglichen Punkten vergaben die Asselner und Neuasselner in dieser Kategorie nur sechs Punkte, womit die Stadtteile unterdurchschnittlich abschneiden: Der Dortmunder Mittelwert liegt bei sieben Punkten. Mit Freunden habe er neulich mal gezählt, sagt Musielak: Von zehn Kneipen und Restaurants, die es vor 20 Jahren noch in Asseln gab, sind nur zwei übrig geblieben: Das Restaurant „Zum Bürgerkrug“ und das Bistro „3 mal 6“. Ergänzt wird die Gastronomie in Asseln nur von ein paar Imbissen.

Das Haus Theilke in Asseln steht wie viele Kneipen und Restaurants im Stadtteil leer.

Das Haus Theilke in Asseln steht wie viele Kneipen und Restaurants im Stadtteil leer. © Oliver Schaper

Musielak macht zwei Faktoren dafür verantwortlich, dass das Kneipensterben auch vor Asseln nicht Halt macht: Einerseits habe die jüngere Generation mit traditionellen Kneipen nicht mehr viel am Hut. Aber auch das Nichtraucherschutzgesetz habe gerade kleineren Kneipen in Asseln geschadet.

In Neuasseln ist die Lage ein wenig besser: Ein Blick auf die Karte zeigt eine Handvoll Restaurants und Imbisse, außerdem zwei Kneipen.

Jugendliche: Die niedrigste Bewertung haben die Asselner und Neuasselner in der Kategorie Jugendliche vergeben. Mit fünf Punkten liegen die Stadtteile damit allerdings genau im Dortmunder Mittelwert. Musielak kann sich erinnern, dass in seiner Jugend nahezu jeder Stadtteil einen städtischen Jugendtreff hatte.

Heute gibt es hier zwar den Treff „KoN“ im Evangelischen Gemeindehaus, Neuasseln hingegen geht leer aus. Für Musielak und den TuRa war das ein Grund, in ein neues Vereinsheim zu investieren. Der Verein möchte den jungen Spielern einen Treffpunkt bieten.

„Es wird immer nur gemeckert, dass Jugendliche Mist bauen“, sagt er. „Aber die kriegen eben Langeweile, wenn sie keine Anlaufstelle haben.“ Auch deshalb engagiere er sich im Verein, vor seiner Zeit im Vorstand auch als Jugendwart.

Aber es sei schade, dass in den letzten Jahren immer mehr Zuschüsse der Stadt gekürzt würden, gerade für die Jugendarbeit.

Alle Ergebnisse unseres Stadtteilchecks auf einen Blick in unserer Übersichtskarte:

HISTORIE

DIE ZECHE HOLSTEIN

  • Im Jahr 1877 ging im heutigen Asseln die Zeche Holstein in Betrieb.
  • Angefangen mit etwa 450 Mitarbeitern, waren dort 30 Jahre später über 2000 Menschen tätig.
  • Dementsprechend stieg die Zahl der Asselner Bürger bis Anfang des 20. Jahrhunderts um 5000 Personen an. Von rund 1600 zu Gründungszeiten auf über 6000 im Jahr 1910.
  • Das Ende des Bergbaus war in Asseln schon 1928 erreicht. Da schloss die Zeche Holstein.
  • Die zugehörige Kolonie Holstein ist heute noch erhalten. Sie steht unter Denkmalschutz

    Von 1877 bis 1928 war in Asseln die Zeche Holstein in Betrieb.

    Von 1877 bis 1928 war in Asseln die Zeche Holstein in Betrieb. © Archiv

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