Hombruch: Lieblingsvorort mit nervigen Leerständen

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Ein lebendiger Vorort, der alles bietet, was man braucht. Falls was fehlt, fährt man schnell in die Stadt. Wer den Hombruchern zuhört, merkt: Gemeckert wird auch hier, aber auf hohem Niveau.

Hombruch

, 22.11.2018, 03:50 Uhr / Lesedauer: 4 min

„Mal eben.“ Für Familie Gisbertz ist es ein geflügeltes Wort, das ihr Leben im Stadtteil Hombruch passend beschreibt. Mal eben ein Käsebrötchen beim Bäcker holen. Mal eben zu Fuß zur Schule gehen. Mal eben mit der U-Bahn in die Stadt fahren.

Familie Gisbertz, das sind Melanie (37) und Frank (42) mit ihren Kindern Lotta (7) und Mats (4). Ihre Eigentumswohnung in Hombruch haben sie vor knapp sechs Jahren gekauft. Der Wunsch, in den Vorort im Süden Dortmunds zu ziehen, kam auf, „als klar wurde, dass wir Familie wollen“. Da wohnten Melanie und Frank Gisbertz noch in ihrer ersten gemeinsamen Wohnung im Klinikviertel. Ganz raus ins Grüne war für das Paar keine Option: „Wir sind schon Stadtmenschen.“ Deshalb sollte es ein Vorort mit einer guten Anbindung sein. Und da kam Hombruch direkt ins Gespräch.

Vom Balkon der Dachgeschosswohnung fällt der Blick hinunter auf die Haltestelle der U42. „In zehn Minuten ist man in der Stadt. Das ist toll“, sagt Melanie Gisbertz. Auch im Hinblick darauf, dass man die Kinder später nicht überall hin kutschieren müsse. Ein paar Schritte weiter fährt die S5 zum Wittener Hauptbahnhof und nach Hagen. Kurze Wege auch zu den Autobahnen A40, A45 und A1. Die Verkehrsanbindung Hombruchs bewerteten die Teilnehmer unserer Umfrage mit 10 von 10 Punkten.

Hombruch: Lieblingsvorort mit nervigen Leerständen

Die gute Verkehrsanbindung ist für Familie Gisbertz ein Pfund, mit dem Hombruch wuchern kann. © Jörg Bauerfeld

Etwas Passendes im Stadtteil der Wahl zu finden, war allerdings nicht so einfach. „Wir haben relativ lange gesucht“, sagt Melanie Gisbertz. Am Ende half der Zufall mit. Enge Freunde kauften ein kleines Häuschen im Hinterhof des Mehrfamilienhauses, in dem die Familie nun lebt. Der Eigentümer stockte eine Etage auf und Melanie und Frank Gisbertz konnten die Wohnung erwerben. „Ansonsten ist es in Hombruch schon schwierig“, sagen die beiden einhellig.

Ein möglicher Grund, warum die Hombrucher in unserem Stadtteilcheck das Wohnen in ihrem Vorort nur mit 5 Punkten bewertet haben (stadtweit 6). Bezirksbürgermeister Hans Semmler sagt: „Der Mangel an Wohnungen im Ortskern ist enorm.“ Doch gerade diese seien besonders gefragt, weil man in Hombruch alles vor Ort hat. Genossenschaften wie die Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft Hombruch (GWG) und Vonovia hätten so gut wie keine Leerstände.

Neue Wohnflächen entstehen gerade auf dem Grundstück des ehemaligen Fertigbetonwerks am Luisenglück. Dort sind im neuen, 70 Hektar großen Stadtquartier Mehrfamilienhäuser und Seniorenwohnungen, Seniorenheim und eine achtzügige Kindertagesstätte geplant. Und gefragt.

Streit gibt es dagegen über den Bebauungsplan „Hom 252-Am Lennhofe“. Der sieht Wohnbebauung auf dem Stück Grabeland und der Pferdekoppel zwischen der Menglinghauser Straße und der Straße Hellenbank vor. Aber die Anwohner wehren sich.

Das wurde noch gut bewertet:

Lebensqualität:

Wer in Hombruch ein Zuhause findet, ist glücklich. Die Lebensqualität in Hombruch haben die Teilnehmer unseres Stadtteilchecks sehr gut bewertet: mit 9 von 10 Punkten. Damit liegt die Lebensqualität in Hombruch höher als der stadtweite Schnitt (8). Allgemein ist die Zufriedenheit in den südlichen Stadtteilen groß. „Ich möchte für kein Geld der Welt aus Hombruch wegziehen“, schreibt ein Teilnehmer der Umfrage.

Familienfreundlichkeit:

Im Stadtteil und der unmittelbaren Nähe gibt es ein großes Angebot zur Freizeitgestaltung, das Familie Gisbertz gerne nutzt. Mutter Melanie zählt Zoo und Schultenhof, Rombergpark und Hallenbad auf. Die Eltern freuen sich schon auf die Zeit, wenn Lotta und ihr Bruder diverse Einrichtungen und Möglichkeiten auch alleine nutzen können. „Bücherei, Freibad, Eis essen – bald kann Lotta sich dazu mit ihren Freundinnen verabreden“, sagt Mutter Melanie. Bei Familienfreundlichkeit und bei Angeboten für Jugendliche bekommt Hombruch im Stadtteilcheck 7 Punkte. Einzig die Spielplätze im Stadtteil gefallen der Familie nicht so gut. „Keiner ist so richtig schön und so richtig zentral.“ Dafür nutzen sie öfter die Spielmöglichkeiten auf den Schulhöfen. Gut gefallen ihnen auch die zahlreichen Stadtfeste.

Hombruch: Lieblingsvorort mit nervigen Leerständen

Zur Familienfreundlichkeit im Stadtteil zählen viele auch die zahlreichen Stadtfeste auf dem Marktplatz. © Rüdiger Barz

Nahversorgung:

Frank Gisbertz geht mit seinen Kindern gern in die Fußgängerzone. „Die Spielmöglichkeiten dort sind klasse. Unsere Kinder lieben das“, sagt er. Wippe, Brunnen, Kletter-Schiff: Es sei kein Problem, mit ihnen einkaufen zu gehen. „Es dauert nur gegebenenfalls etwas länger“, sagt der 42-Jährige schmunzelnd. Ihre Lebensmittel-Einkäufe erledigt die Familie nahezu ausnahmslos im Stadtteil, auch kleine Geschenke gibt es hier. Zwei Mal in der Woche ist Markttag. Dazu kommen diverse Ärzte, Banken, Apotheken.

In unserem Stadtteilcheck erhält Hombruch für die Nahversorgung die Höchstnote 10. „Nur für Kleidung fahren wir in die Stadt oder in den Ruhrpark“, sagt Melanie Gisbertz. Das deckt sich mit Anmerkungen anderer aus dem Stadtteilcheck. „Wenig Geschäfte für junge Leute, keine Mode und keine Sportgeschäfte“, schreibt jemand.

Das wurde negativ bewertet:

Was zu einem Aspekt führt, der viele in Hombruch stört - trotz der hohen Punktzahl beim Thema Nahversorgung. „Leider gibt es viele Leerstände und es fehlen gute Fachgeschäfte“, kritisieren die Eheleute Gisbertz. Vor allem der untere Teil der Harkortstraße ab der U-Bahn-Haltestelle sei tot. Der Leerstand ist eine Thematik, mit der sich auch die Politik und das Hombruch-Forum, Plattform der unternehmerisch Tätigen im Stadtteil, immer wieder auseinandersetzen muss.

Hombruch: Lieblingsvorort mit nervigen Leerständen

Der Leerstand im Stadtteil, vor allem im Bereich der unteren Harkortstraße, bereitet vielen Hombruchern Kopfzerbrechen. © Rüdiger Barz

Zuletzt ließen deutsche und spanische Studierende im Sommer ihrer Kreativität freien Lauf. Als Teil eines länderübergreifenden Projektes erarbeiteten sie Konzepte, die vor allem die untere Harkortstraße beleben sollten. Eine ihrer Ideen: Die Geschäfte in der Fußgängerzone einheitlich mit einer Farbe zu kennzeichnen. Das erzeuge einen größeren Zusammenhalt.

Auch der neu gegründete Verein Hombruch Marketing hat das Problem „Leerstand“ erkannt. Gerade laufe eine Bestandsaufnahme, erklärt Marcus Besler, der mit seiner Werbeagentur seit drei Jahren in Hombruch ansässig ist. Geplant sei, über das Netzwerk auch an Filialisten heranzutreten, die „Hombruch vielleicht so nicht auf der Karte haben.“ Ein möglicher Knackpunkt: Laut dem Gewerbemietspiegel der Industrie- und Handelskammer Dortmund liegt die Miete für Gewerbeobjekte in Hombruch zwischen 8 und 15 Euro – und damit höher als in jedem anderen Dortmunder Stadtteilzentrum.

Verkehrsbelastung:
Die Verkehrsbelastung bewerten die Teilnehmer unserer Umfrage mit 7. Vor allem die (nicht vorhandenen) Parkplätze nennen viele als Problem. „Parkplätze sind in Hombruch, schlicht gesagt, Mangelware“, schreibt ein junger Mann. Auch Melanie und Frank Gisbertz kennen das Problem. „An Markttagen überlege ich mir schon, ob ich mein Auto morgens wegfahre oder nicht“, sagt die 37-Jährige. Dabei gibt es mehrere größere öffentliche Parkplätze im Bereich Hombruch. „Aber vielleicht kennen die nicht alle“, mutmaßt das Ehepaar. Derzeit gibt es keine Planungen, Bewohnerparkzonen einzurichten, heißt es von der Stadt. Es fehle hierzu der erforderliche politische Beschluss der Bezirksvertretung Hombruch.

Alle Ergebnisse unseres Stadtteilchecks auf einen Blick in unserer Übersichtskarte


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Historie

Hombruch ist der jüngste Stadtteil
Hombruch: Lieblingsvorort mit nervigen Leerständen

Der Hombrucher Marktplatz um die Jahrhundertwende. Die evangelische Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg komplett zerstört. In der ersten Etage des Hauses am linken Bildrand war damals das vornehmste Café des Vorortes beheimatet. Heute ist dort im Erdgeschoss eine Bäckerei. © Repro: Hans Tibbe (Hombrucher Geschichtsverein)

  • Die eigentliche Geschichte Hombruchs setzt mit dem Verkauf des Hombrucher Domänenwaldes im Jahre 1827 an Friedrich Harkort ein. Mit seiner Kesselschmiede begann die Industrialisierung im Barop-Hombrucher Raum.
  • 1847 musste Harkort einen Großteil seiner Ländereien an den Freiherrn Gisbert von Romberg verkaufen. Dieser legte auf den neu erworbenen Flächen 1865 die Schachtanlage „Giesbert“ an. Viele Arbeiter strebten mit ihren Familien in die Nähe der Zechen und Metallverarbeitungsbetriebe in Barop und Hombruch.
  • Die jetzige Harkortstraße entwickelte sich schon vor dem Ersten Weltkrieg zu einer Geschäftsstraße mit einer Zweigstelle der Stadtsparkasse, die 1875 eröffnet wurde, und der evangelischen Kirche, die seit 1896 errichtet und 1898 eingeweiht wurde.
  • Nach dem Krieg hat sich das Stadtbild Hombruchs stark verändert. Viele Häuser wurden neu gebaut. Ende der 1970er-Jahre wurde die Harkortstraße umgestaltet und zwischen der Singerhoffstraße und der Löttringhauser Straße in eine Fußgängerzone umgewandelt.
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