Kirchhörde: Ein Paradies für Freunde der Natur

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Kirchhörde hat viel Natur, aber auch allerlei Supermärkte, Ärzte und schnelle Verbindungen in die Innenstadt. Für Jugendliche eignet sich der Stadtteil dennoch nicht so gut.

Kirchhörde

, 08.11.2018, 04:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Wenn es um das Thema Nahversorgung in Kirchhörde geht, blühen Dominik und Kristin Jürgens wahrlich auf: „Wir haben hier diverse Supermärkte, die relativ gut zu erreichen sind, auch fußläufig“, erklärt Dominik Jürgens: „Dazu mehr als ausreichend Bäcker in bester Qualität, Pizzerien, Burger-Buden, Griechen und alles, was das Herz der schnellen internationalen Küche begehrt. Zudem gibt es noch den einen oder anderen Feinkostladen. Immer wenn wir mal was anderes als die gängigen Gerichte essen möchten, gibt es dort eine sehr gute Auswahl. Getränkemärkte gibt es auch genügend.“ Jürgens macht eine kurze Pause und fügt dann mit einem Grinsen hinzu: „Hier muss wirklich niemand verhungern oder verdursten.“

Diese Ansicht teilt nicht nur Pfarrer Michael Nitzke. Er ist seit mehr als 25 Jahren Pfarrer in Kirchhörde und betont, dass die Nahversorgung stetig besser werde: „Der Anteil steigt, es gibt auch immer mehr kleine Läden, sowohl die Qualität als auch die Quantität wird immer besser.“ Auch die Teilnehmer der Befragung für den Stadtteilcheck stimmen mit den Jürgens überein: Volle Punktzahl, 10 von 10 gab es bei der Nahversorgung.

Die Pulsader Kirchhördes ist die Hagener Straße: Dort gibt es alles, was das Herz begehrt, von Getränkehändlern über eine Fleischerei und einen Bäcker mit veganen und laktose-freien Brötchen bis hin zu einem Reformhaus. Auch im Zentrum sind alle Dinge des täglichen Bedarfs zu bekommen.

Das wurde positiv bewertet:

Gesundheit: Ebenso zahlreich wie die Lebensmittelläden sind auch die Ärzte in Kirchhörde. Im Bereich Gesundheit gab es bei der Umfrage 9 von 10 Punkten für Kirchhörde. Diesem Stimmungsbild kann sich Kristin Jürgens nur anschließen: „Ärzte jeglicher Fachrichtung sind in Kirchhörde ansässig und super zentral gelegen. Besonders an der Hagener Straße und an der Kirchhörder Straße, da ist in jeder Fachrichtung etwas dabei.“ Pfarrer Nitzke sieht das für eine Altersgruppe besonders positiv: „Dass immer mehr Ärzte nach Kirchhörde kommen, ist vor allem für die älteren Menschen sehr hilfreich, sie müssen nicht weit fahren, sind schnell da.“

Dominik und Kristin Jürgens und Tochter Mathilda genießen die gemeinsame Zeit im Grünen.

Dominik und Kristin Jürgens und Tochter Mathilda genießen die gemeinsame Zeit im Grünen. © Rüdiger Barz

Verkehrsanbindung: Ebenfalls neun Punkte vergaben die Teilnehmer der Umfrage für die Verkehrsanbindung. Insbesondere mit Bus und Bahn gelange man schnell in die Innenstadt, sagt Dominik Jürgens: „Die Busse fahren hier, wie ich das bisher empfunden habe, sehr regelmäßig. Damit kommt man schnell in die Innenstadt oder auch nach Herdecke zum Einkaufen. Und es gibt auch reichlich Taxis, die alle sehr zentral am Ärzte-Zentrum am Kirchhörder Berg stehen.“ Der Bahnhof ist direkt an der Hagener Straße: „Die Züge fahren auch sehr regelmäßig“, betont Jürgens. Nitzke fügt für alle Spätfahrer hinzu: „Die Züge fahren sogar noch Nachts.“ Mit dem Auto sei die Situation trotz der B54 in der Nähe schwieriger: „Der Autoverkehr ist hier sehr speziell“, meint Jürgens: „Wenn man aus Kirchhörde raus möchte oder nach Kirchhörde rein, gibt es nur drei Zufahrtswege. Da tummeln sich jeden Morgen natürlich alle Kirchhörder und jeder, der aus dem Süden raus oder rein will. Die B54, die ist relativ nah, zu diesen Uhrzeiten aber nicht gut zu erreichen.“ Und noch ein weiterer Aspekt komme erschwerend hinzu: „Es gibt teilweise extrem viele Baustellen und die Baustellen, die wir in letzter Zeit hatten, haben zu einem immensen Verkehrschaos geführt.“ So sei es auf den Straßen in Kirchhörde vor allem zu bestimmten Uhrzeiten sehr voll, doch Dominik Jürgens betont auch: „Man muss über all das nur Bescheid wissen, wir können uns da mittlerweile darauf einstellen und kommen mit der Situation ganz gut zurecht.“

Kirchhörde: Ein Paradies für Freunde der Natur

Das wurde negativ bewertet:

Familienfreundlichkeit: Für die Familienfreundlichkeit gab es von den Teilnehmern der Umfrage nur sechs Punkte, was Kristin Jürgens nicht ganz nachvollziehen kann: „Das sehen wir nur bedingt so, wir können den Punkt aber auch noch nicht besonders gut beurteilen, da unsere Tochter Mathilda erst zwei Jahre ist und wir aus diesem Grund noch nicht viele Angebote in Anspruch genommen haben. Was uns aber aufgefallen ist: Es gibt hier nur wenige Freizeitangebote für Kinder und zum Beispiel nicht so viele Spielplätze.“ Einen um genau zu sein, wie Bezirksbürgermeister Hans Semmler weiß: „Es gibt einen an der Goerderlerstraße.“ Angebote, die sich an Familien richten, kennt Kristin Jürgens von der Awo in der Bittermark: „Die organisieren zum Beispiel einen Kinder-St. Martinszug, Sommerfeste und Spielkreise“ und direkt in Kirchhörde die evangelische Kirche: „Dort werden unter anderem Gottesdienste speziell für Kinder angeboten.“ Auch Pfarrer Michael Nitzke betont, dass bei den Angeboten alle Familien willkommen sind: „Wir bieten Krabbelkurse für Kleinkinder von 0 bis 4 mit ihren Eltern und gerne auch den Großeltern an. Der Gottesdienst für Kleinkinder dauert nur eine halbe Stunde, dabei spielen Kirchenmusiker und die Kinder können zu mir auf einen Krabbelteppich kommen. Auf dem Teppich liegen greifbare Spielsachen wie Bausteine, und ich erzähle den Kindern eine Geschichte. Am Ende beten wir alle gemeinsam, da sind die Kinder immer ganz leise und machen große Augen, sie scheinen zu merken, dass das ein besonderer Moment ist.“ Zudem gebe es ein gemeinsames Kaffeetrinken, bei dem sich die Eltern kennenlernen und austauschen können. Auch längere Reisen werden für Familien angeboten. Zum einen eine Vater-Kinder-Freizeit: „Die richtet sich an Kinder im Grundschulalter und ihre Väter. Es wird zusammen gebastelt, gewandert, es gibt Besichtigungen und Gottesdienste“, sagt Nitzke. Zum anderen eine Freizeit für die ganze Familie: „Da fahren wir in den Herbstferien meistens auf eine Nordseeinsel.“ Kristin und Dominik selbst sind mit Mathilda im Turnverein aktiv: „Da kann man jeden Tag etliche Aktionen in Anspruch nehmen, das ist echt super“, so Kristin Jürgens.

Familie Jürgens mit Pferden in der Natur

Familie Jürgens mit Pferden in der Natur © Rüdiger Barz

Jugendliche: Der Aspekt „Jugendliche“ schneidet nicht gut ab. Kirchhörde ist kein junger Stadtteil, das weiß auch Dominik Jürgens aus eigener Erfahrung: „Wenn wir abends durch Kirchhörde gehen, sehen wir selten Jugendliche. Es ist hier alles sehr ruhig.“ Auch Nitzke betont, dass sich das junge Partyleben eher in der Innenstadt abspielt: „Discos und andere Lokale für Jugendliche sind in Kirchhörde nicht wirklich vertreten. Mit Bus und Bahn sind die Jugendlichen aber schnell in der Innenstadt.“ Ein weiterer Grund für die wenigen Jugendlichen in Kirchhörde sind wohl die hohen Preise der Wohnungen und Häuser: „Die Wohnungen richten sich nicht gerade an Jugendliche und Studenten und die meisten von ihnen wollen zudem auch lieber näher an der Universität wohnen“, meint Nitzke. Die evangelische Kirchengemeinde selbst bietet Freizeiten auch direkt für Jugendliche an: „Es gibt Segelfreizeiten und Zeltlager, zum Beispiel an der Ardèche.

Wohnen: Mit der Wohnsituation in Kirchhörde sind viele Teilnehmer anscheinend nicht zufrieden, hier gaben sie nur vier Punkte. Der Hauptgrund sind auch hier wohl die hohen Preise. „Die Mietpreise in Kirchhörde gehören zu den teuersten der Stadt“, betont Nitzke. Ein männlicher Teilnehmer der Umfrage beschwert sich, dass es: „zu viele Neubauten auf jeder Lücke – zu viele Neureiche“ gebe. Das Wohnen an sich gefällt Dominik Jürgens: „Meine Frau und ich finden, dass wir in Kirchhörde wunderschön wohnen. Es gibt viel Wald und es ist rundum sehr grün. Wir können direkt von der Haustür aus in der Natur spazieren gehen. Ich finde es auch für Kinder super, hier aufzuwachsen.“ Dem schließt sich Pfarrer Michael Nitzke an: „Es gibt in Kirchhörde viele Grünflächen, was auch super für die Gesundheit ist.“

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Historie
Die Patrokluskirche – die Mitte Kirchhördes

  • Rund um die über 1000 Jahre alte Patroklus-Kirche hat sich ein geschlossen besiedelter, industriefreier Vorort entwickelt: Kirchehörde. 1929 wurde die ehemals selbstständige Landgemeinde eingemeindet.
  • In alten Urkunden wird Kirchhörde Hourthe oder Hurde genannt. Zur Unterscheidung zum Hurde an der Emscher (Hörde) entstand die Bezeichnung Kirchhörde. Denn: Eine Kirche wurde in Hörde erst später errichtet.
  • Zum ersten Mal erwähnt wurde „Kirchhurde“ im Jahr 1253 in einer vom Erzbischof Konrad von Köln ausgestellten Urkunde.
  • Die Zeche Gottessegen in Kirchhörde ist ein ehemaliges Steinkohlebergwerk.
  • Heute befinden sich auf dem Gelände der Zeche Gottessegen Behindertenwerkstätten.
Von 1743 bis 1963 wurde die Zeche Gottessegen betrieben.

Von 1743 bis 1963 wurde die Zeche Gottessegen betrieben. © Repro: Annette Hudemann


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