Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Lütgendortmund: Ein engagierter Stadtteil mit besonders günstigen Wohnungen

rnStadtteilcheck

Tief im Westen der Stadt liegt Lütgendortmund. Über die B1 und die A45 rauscht ununterbrochen der Verkehr. Und dennoch wohnt man hier richtig gut, sagen die Teilnehmer der Online-Befragung.

Lütgendortmund

, 06.11.2018 / Lesedauer: 6 min

Einer der es wissen muss, ist Michael Schneider. Er ist Vorsitzender der Siedlergemeinschaft Idastraße, und das, obwohl er fast noch ein Zugezogener ist: „Wir sind erst vor sechs Jahren hierhergezogen, wir haben vorher in Altenbochum gewohnt.“

Wir, das sind Michael Schneider (42), seine Frau und ihre beiden Kinder. Gekauft haben sie damals aber nicht ein Einfamilienhaus, sondern eines, das Raum für mehrere Generationen bietet. Denn der Großvater wohnt unter dem selben Dach, er zog aus Ahlen nach Lütgendortmund. Und nebenan ist nun auch die Tante aus Wattenscheid eingezogen. Noch eine, die von Lütgendortmund überzeugt ist.

Jetzt lesen

Gute Gründe sahen die Schneiders vor sechs Jahren für einen Umzug nach Lütgendortmund. „Uns hat die Idastraße sofort gefallen, auch wegen der Nähe zu Schloss Dellwig und zum Volksgarten. Da wir ein Mehrgenerationenhaus gesucht haben, war es auch wichtig, dass Ärzte vor Ort sind, der Indupark und auch der Ruhrpark sind in der Nähe. Da bekommt man alles, was man braucht.“

Und das beschreibt auch den Wermutstropfen im positiven Lebensgefühl: „Im Dorf gibt es nicht alles für den täglichen Bedarf“, sagt Schneider. Das findet er schade. Seine Frau vermisse zu Beispiel einen Drogeriemarkt. Doch Schneider sieht auch Chancen: Er befasst sich beruflich mit Forschung und Entwicklung rund um die E-Mobilität, eine Zukunftstechnologie. Für ihn ist der derzeitige Strukturwandel, der den örtlichen Einzelhandel beutelt, auch eine Chance.

Ein virtuelles Kaufhaus könne er sich vorstellen, einen regionalisierten Online-Handel. „Da könnte Lütgendortmund doch Vorreiter sein“, sagt Schneider.

Eine Vision, die Uli Neidl, dem Vorsitzenden der Händlergemeinschaft „Aktiv im Ort“ nicht fremd ist: „Wir versuchen als Gemeinschaft auch zukunftsweisende Projekte voranzutreiben“, sagt er. Die Hindernisse seien allerdings groß und vielschichtig: „Online-Handel ist schon vor Jahren von uns angedacht worden, da gibt es auch eine gute Unterstützung durch die Wirtschaftsförderung, die Seminare dazu anbietet. Aber die Angebote von den Produkten müssten ständig aktualisiert werden, das können die kleinen Einzelhändler hier im Ort gar nicht leisten. Und alle müssten mitmachen“, sagt Neidl.

Und um die Ansiedlung eines Drogeriemarktes habe man sich sehr bemüht und Kontakt zu dm und Roßmann aufgenommen: „Die haben den Standort geprüft und abgelehnt. Da sind uns die Hände gebunden.“ Doch es gebe auch Hoffnung: „Der Markt für gewerbliche Immobilien ändert sich, man kann ja nicht ewig neu bauen. Da geht es dann doch auch wieder um die Nutzung bestehender Ladenlokale. Und wenn wir tatsächlich einen Investor für das alte Konze-Kaufhaus finden würden, dann wäre das eine wichtiger Anker an der Verbindung zum neuen Rewe an der Lütgendortmunder Straße“, so Neidl. In diesen Bemühungen würde Aktiv im Ort auch nicht nachlassen, denn der Zusammenhalt der Akteure in Lütgendortmund sei nach wie vor groß.

Das hat Michael Schneider schon als Neubürger so erlebt: „Wir haben hier schnell in der Siedlergemeinschaft Anschluss gefunden.“ Ehrenamtliches Engagement im Lebensumfeld ist ihm und seiner Familie wichtig. Und da fand er auch über die Siedlung hinaus im Dorf Kontakt. Denn in Lütgendortmund gäbe es aufgrund der gewachsenen Strukturen einen starken Zusammenhalt, der aber nicht zur Abschottung führe. Und so ist Schneider für die Siedlergemeinschaft Mitglied in der Interessengemeinschaft Lütgendortmunder Vereine und Verbände (IGLVV), unterstützt mit den Siedlern das Dorffest, engagiert sich beim Tag für Lütgen.

Michael Schneider schätzt das rege gesellige Leben im Dorf, sieht es aber auch bedroht. „Ehrenamtliche Arbeit leisten ja vor allem die Älteren“, sagt er. Die Jüngeren seien eingebunden in familiäre und berufliche Pflichten, da bleibe wenig Zeit.

An der Siedlergemeinschaft schätzt er den nachbarschaftlichen Zusammenhalt, den geselligen Kontakt und die Hilfe untereinander. Die erwies sich zum Beispiel, als ein Sturm auch in der Idastraße erhebliche Spuren hinterließ: „Da standen dann alle mit der Kettensäge bereit und halfen“, sagt er.

Doch in Lütgendortmund bekommt nicht nur eine traditionelle Siedlergemeinschaft ein zeitgemäßes Gesicht: Gegenüber wird gebaut, im Ida-Carré baut die Bonova 42 Eigentums-Einheiten. Und auch an der Holtestraße entsteht neuer geförderter Wohnraum, der gerade einkommensschwächeren Familien zugute kommt. Insgesamt ist der Mietwohnungs-Markt in Lütgendortmund immer noch günstiger als im stadtweiten Durchschnitt, wie der Wohnungsmarktbericht 2018 der Stadt Dortmund belegt. Basis dafür sind Immobilienanzeigen aus den Jahren 2016 und 2017. Und der Bericht gibt an, dass die Kaltmiete in diesem Zeitraum in und um den Stadtteil Lütgendortmund unter 6,50 Euro pro Quadratmeter liegt.

Das wurde auch noch positiv bewertet:

Senioren: Besonders wohl fühlen sich in Lütgendortmund Senioren. Hier liegen

die Gründe für Natalia Rahm vom Seniorenbüro Lütgendortmund auf der Hand:

„Ich glaube, dass es für die Zufriedenheit der Senioren wichtig ist, dass es hier im Ort ein städtisches Begegnungszentrum gibt, das hauptamtlich geleitet wird. Da wird intensive Arbeit geleistet, es gibt jeden Tag Angebote, darunter Kurse und Vorträge. Wir überlegen vom Seniorenbüro jedes Jahr, welche Bedarfe da sind und richten danach das Angebot aus.“

Und auch, wenn die Gesundheit nachlässt und der Pflegebedarf steigt, wird man in Lütgendortmund aufgefangen: „Mit Pflegeeinrichtungen sind wir gut versorgt. Es gibt im Stadtbezirk vier Pflegeheime, dazu eine Tagespflege beim DRK. Da sind zurzeit nicht alle Plätze belegt, aber das kommt, weil durch das neue Pflegestärkungsgesetz die Tagespflege auch anerkannt ist. Und der Bedarf ist da, im nächsten Jahr soll noch eine Tagespflege bei St. Barbara entstehen“, sagt Natalia Rahm.

Lütgendortmund: Ein engagierter Stadtteil mit besonders günstigen Wohnungen

Das Lesecafé in der Stadtteilbücherei ist eines der Angebote, die das Leben für Senioren in Lütgendortmund attraktiv machen. © Stephan Schütze

Verkehrsanbindung: Dass Lütgendortmund beste Verkehrsanbindungen hat, steht außer Frage. A45 und B1 sind in unmittelbarerer Nähe, dazu kommt die gute Vernetzung im öffentlichen Personennahverkehr mit der S-Bahn-Anbindung im Ortskern, die Lütgendortmund ohne Umstieg mit der Innenstadt und darüber hinaus bis Unna verbindet. Dazu bündeln sich am Busbahnhof die Buslinien, die den Ortsteil sogar mit dem südlichen Vorort Aplerbeck verbinden.

Lütgendortmund: Ein engagierter Stadtteil mit besonders günstigen Wohnungen

Lütgendortmund ist auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut angebunden, zum Beispiel mit der S-Bahn-Station auf dem Heinrich-Sondermann-Platz. © Michael Nickel

Das wurde negativ bewertet

Radverkehr: Verbesserungsfähig ist die Verkehrssituation für Fahrradfahrer in der Tat. Günter Lentner war lange Bezirksverwaltungsstellenleiter in Lütgendortmund, nun organisiert er Touren durch den Stadtbezirk, zu Fuß und per Rad. Er weiß, wo den Radfahrern der Schuh drückt. „Es gibt in der Tat zu wenig richtige Radwege, zum Teil gibt es nur Schutzstreifen auf der Straße oder Radwege auf dem Bürgersteig, wo sich dann die Radfahrer den Platz teilen mit den schwächsten Verkehrsteilnehmern, den Fußgängern. Ein schlechtes Beispiel ist hier der Radweg zum Beispiel am Busbahnhof.“

Günter Lentner plädiert für eine klare Trennung von Radfahrern, Autoverkehr und Fußgängern: „Hervorragend gelungen ist das an der Provinzialstraße, hier hat man die Autofahrer auf eine Spur gebracht, die Radfahrer haben ihren eigenen Radweg. Denn Fahrradfahrer gehören auf die Straße, sie sollten sich nicht auf dem Gehweg mit den Fußgängern streiten.“

Lütgendortmund: Ein engagierter Stadtteil mit besonders günstigen Wohnungen

Am Busbahnhof kann man eine Regelung sehen, die nach Meinung von Günter Lentner nicht günstig ist: Radfahrer sollen auf dem rot gepflasterten Streifen neben dem Gehweg fahren. Das ist für die Radler und die Fußgänger, die zum Bus eilen, eine gefährliche Situation. © Irene Steiner

Familienfreundlichkeit: Obwohl nach unserer Online-Befragung die Kinderbetreuung im Ort genauso gut ist wie im Rest der Stadt, liegt Lütgendortmund in puncto Familienfreundlichkeit etwas hinten. Andreas Rey, der jahrzehntelang die Jugendarbeit im Stadtbezirk Lütgendortmund für die Stadt Dortmund verantwortet hat, sucht nach Gründen: „Wir haben hier mit dem Park der Generationen einen Ort geschaffen, der vor allem Kindern und Jugendlichen zugute kommt“, sagt er. In den vergangenen Sommermonaten sei der Freiraum von den Familien auch gern und gut genutzt worden.

Dazu kämen viele Angebote in Vereinen von Mädchenfußball bis Discgolf. „Aber nicht jeder nutzt die Angebote“, weiß Andreas Rey aus langjähriger Erfahrung. „Und da frage ich mich auch: Was könnte man mehr machen?“ Ein Stück weit läge die negative Wertung auch an den Akteuren. „Was die digitale Vernetzung betrifft: Das ist in Lütgendortmund sicher noch ausbaufähig.“

Gleichzeitig appelliert Rey gerade an die Jugendlichen, die sich relativ unzufrieden mit dem Angebot für ihre Bedürfnisse zeigen, sich einzusetzen. „Wir haben zum Beispiel das Jugendforum, das sich bei der Planung des Parks der Generationen eingebracht hat. Und auch bei der Neugestaltung des evangelischen Jugendheims können die künftigen Besucher ihre Bedürfnisse und Wünsche einbringen.“

►►► Hier gehts zur großen Stadtteilcheck-Übersichtskarte

Historie

Lütgendortmund erstmals 1150 erwähnt

Lütgendortmund: Ein engagierter Stadtteil mit besonders günstigen Wohnungen

Die Ansicht zeigt die Limbecker Strasse und die Wilhelmstrasse um 1910. © Archiv Mohrenstecher

Lütgendortmund wurde schon früh erstmals erwähnt, noch unter einem anderen Namen, 1150 im Heberegister der Abtei Essen-Werden, der Name geht darauf zurück, dass der Ort schon früh als das „kleine Dortmund“ empfunden wurde. Im 19. Jahrhundert wuchs Lütgendortmund durch die Industrialisierung stark, die Zeche Zollern I wurde 1858 in Betrieb genommen. Am 1. April 1928 wurde Lütgendortmund in die Stadt Dortmund eingemeindet.
Lesen Sie jetzt