Syburg und Buchholz: Fantastisches Naturerlebnis mit Schwächen in der Infrastruktur

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Einer der wohlhabendsten Vororte erhält überraschend viele schlechte Werte. Syburg und Buchholz bestechen durch hohe Lebensqualität und Grünflächen. Aber die Infrastruktur ist schlecht.

Syburg

, 05.12.2018, 04:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Der Stadtteil Syburg ist vieles gleichzeitig: der Südlichste, der Höchste, dazu einer der Einkommensstärksten und einer der Kleinsten. Hier gibt es zwei Steinbrüche, Häuser aus Ruhrsandstein, ein Spielcasino, Hotels, einen Golfplatz, einen historisch bedeutsamen Ausflugspark und ein Bergwerk. In den 1920er-Jahren fanden hier Autorennen statt. Hierher zieht es immer wieder BVB-Profis, zuletzt Pierre-Emerick-Aubameyang oder Marco Reus. Aber wie lebt es sich hier?

Die 31 Stadtteilcheck-Teilnehmer (bei rund 1500 Einwohnern) stellen ihrem Wohnort ein gemischtes Zeugnis aus. In vielen für die Infrastruktur wichtigen Dingen setzt es schlechte Werte. Dafür sind die Ergebnisse bei Fragen der Lebensqualität hoch. Buchholz ist ein statistischer Unterbezirk des Stadtteils Syburg und stellt rund ein Drittel der Einwohner.

Axel Weigert ist 30 Jahre alt, Koch und Mitinhaber des Gasthofs Haus Hunke an der Syburger Straße 84 und zeit seines Lebens ein Buchholzer. Er sagt: „Es gibt ein Dorfleben hier und in Syburg. Aber es sind eher lockere Siedlungen ohne Ortkern oder festen Platz.“

Er möchte seinen Wohnort aber nicht missen – nicht nur, weil er sich dafür entschieden hat, im Familienbetrieb mehr Verantwortung zu übernehmen. „Ich habe mich freiwillig hier gebunden und kann das Familienunternehmen hoffentlich noch lange weiterführen. Mich zieht es nicht in die Stadt“, sagt Axel Weigert.

Altes Fachwerk, kurvige Straßen: der Ortskern von Syburg

Altes Fachwerk, kurvige Straßen: der Ortskern von Syburg © Dieter Menne

Die 9 Punkte für die Lebensqualität im Stadtteilcheck hält er für absolut angemessen. Denn, was das Gebiet rund um die zahlreichen Einfamilienhäuser an Natur zu bieten hat, sucht in der Region seinesgleichen. Als Jogger und Mountainbiker nutzt er die Vorzüge der Natur vor der Haustür heute regelmäßig. „Du kommst hier mit dem Fahrrad von jedem Wald zum nächsten“, sagt er über das Leben im Ardeygebirge. Rund um die Ruhrsteilhänge Hohensyburg gibt es seit 1990 ein rund 40 Hektar großes Naturschutzgebiet.

„In meiner Jugend gab es hier viele Gleichaltrige und wir waren immer viel draußen. Es gab immer etwas zu finden oder zu spielen.“ Ab 16 war ein Mofaführerschein Pflicht, um den Schulweg nach Hörde zu meistern. Bei Feier-Ausflügen in die Stadt mussten Axel Weigert und seine Freunde den ein oder anderen Kilometer Fußmarsch durch den Wald einplanen, weil die Nachtbusse nur bis Holzen kamen. „Das hat bestimmt den einen oder anderen Kater verhindert“, sagt der 30-Jährige rückblickend.

Das wurde positiv bewertet

Grünflächen: Die pure Natur bekommt die volle Punktzahl. Als Ausflugsziel hat der Stadtteil dabei in diesem Jahr eine Aufwertung erfahren. Durch eine private Initiative sind der Vincketurm inklusive Kiosk und die Minigolfanlage wieder in Betrieb genommen worden. Im ersten Sommer haben das viele Besucher als Belebung empfunden. Wanderer und Mountainbiker nutzen die Wälder. Hinzu kommt noch der Hengsteysee hinter den markanten Serpentinen in Richtung Hagen.

Gastronomie: Das gastronomische Angebot erhält die volle Punktzahl (10 von 10) und liegt damit drei Punkte über dem Stadtdurchschnitt. Axel Weigert und seine Familie dürfen das durchaus auch als Lob für ihre eigene Arbeit in Haus Hunke verstehen. Aber der hohe Wert ergibt sich durch ein insgesamt bemerkenswertes Verhältnis von Gastronomiebetrieben zur Einwohnerzahl. Road Stop, Palmgarden in der Spielbank, Wirtshaus Krämer, Alt-Syburg, Dieckmann‘s, dazu verschiedene internationale Restaurants – die Auswahl ist riesig. Hinzu kommt laut Axel Weigert ein großes Einzugsgebiet, trotz der vermeintlich abgeschiedenen Lage. „Das Publikum kommt aus mehreren Richtungen, etwa aus Westhofen oder Holzen.“

Viele Einfamilienhäuser, lockere Siedlungen, aber kein zentraler Platz für das Dorfleben: Das prägt Syburg und Buchholz.

Viele Einfamilienhäuser, lockere Siedlungen, aber kein zentraler Platz für das Dorfleben: Das prägt Syburg und Buchholz. © Dieter Menne

Verkehrsbelastung: Die überwiegende Zahl der Stadtteilcheck-Teilnehmer schätzt die geringe Belastung durch Verkehrslärm. „Es ist vor allem nachts überhaupt kein Problem“, sagt Axel Weigert. Auch die Parkplatzsituation ist in Syburg und Buchholz im Unterschied zu vielen anderen Stadtteilen entspannt.

In einer Anmerkung zur Abstimmung heißt es allerdings: „Verkehr ist an schönen Tagen ein großes und lautes Problem. Es gibt regelmäßig Rennen und Geschwindigkeitsfahrten von aufgemotzten Fahrzeugen.“

Das wurde negativ bewertet

Verkehrsanbindung: Für die Verkehrsanbindung gibt es nur 4 von 10 Punkten. Der öffentliche Nahverkehr beschränkt sich hier auf die Buslinien 432 und 442, die viermal in der Stunde fahren. Wer in Syburg und Buchholz groß geworden ist, der kennt viele Bus-Odyssee-Geschichten oder ist über die lange Fahrtzeit in seiner Jugend zum Bücherwurm geworden. „Der letzte Bus fährt um 20.45 Uhr. Das ist ein Problem – auch wenn es darum geht, Mitarbeiter für unseren Betrieb zu bekommen, die kein Auto haben“, sagt Axel Weigert.

Seit Jahren wünschen sich die Anwohner andere Fahrtzeiten. DSW21-Sprecherin Britta Heydenbluth sagt dazu: „Das Potenzial für klassischen Linienverkehr ist eigentlich zu niedrig. Wir möchten aber natürlich trotzdem was anbieten, denn es gibt Schülerverkehr und einige wenige Stammkunden.“ Doch es ist eine Lösung in Sicht. In Kürze erprobt DSW21 in der Innenstadt ein System mit Bestellbussen. „Dafür wären solche Bereiche wie Syburg prädestiniert“, sagt Britta Heydenbluth. Sie stellt in Aussicht, dass Syburg zu den ersten Gebieten gehöre, das für solche „Taxi-Busse“ in Frage käme. „Ob wir es über eine App machen oder ob es in einem Gebiet wie diesem mit vielen älteren Bewohnern auch andere Möglichkeiten geben wird, werden wir besprechen“, sagt Britta Heydenbluth.

Nahversorgung: Innerhalb des Stadtteils gibt es keinen Nahversorger. Die Tante-Emma-Läden, die selbst in Buchholz noch bis in die 80er-Jahre existierten, sind längst Geschichte. Dafür gibt es im drei Minuten Autofahrt entfernten Zentrum von Holzen alles, was es für einen Einkauf braucht. Axel Weigert sagt: „Wer ein Auto hat, kommt hier wunderbar klar.“ Die Fahrt in die Innenstadt dauert außerhalb der Stoßzeiten weniger als 15 Minuten.

Syburg und Buchholz: Fantastisches Naturerlebnis mit Schwächen in der Infrastruktur

© Grafik Martin Klose

Senioren: Hier erhält Syburg nur 4 von 10 Punkten. Beim Einkaufen gibt es ein Problem für Menschen, die nicht mobil sind – so wie einige Nachbarn der Familie Weigert, die nicht mehr über ein Auto verfügen und nun umdenken müssen. Es gibt kein Seniorenheim, kaum Seniorenwohnungen und viele alte Häuser, die nicht barrierefrei sind. Dabei sind statistisch gesehen 35 von 100 Syburgern älter als 65 Jahre. Die Awo Syburg/Buchholz organisiert regelmäßige Treffen für ältere Menschen im Stadtteil.

Familienfreundlichkeit: Eine Schule gibt es nicht, die nächsten Möglichkeiten finden sich in Holzen oder Wichlinghofen. Der evangelische Kindergarten ist dafür wieder voll belegt – ein Anzeichen dafür, dass ein Generationswechsel im Gange ist. Für die Interessen von Familien setzen sich seit über zehn Jahren die Ehrenamtlichen aus dem Bürgerhaus Syburg ein. An der Westhofener Straße gibt es Krabbel- und Spielgruppen, Kinderkleiderbörsen sowie verschiedene Veranstaltungen.

Alle Ergebnisse unseres Stadtteilchecks auf einen Blick in unserer Übersichtskarte:

Staddteilchronik

Buchholz kam erst 50 Jahre später dazu

Eine historische Ansicht der Kirche St. Peter Syburg ohne die Bebauung rundum.

Eine historische Ansicht der Kirche St. Peter Syburg ohne die Bebauung rundum. © Archiv Jochen Klöpper

Erst seit 1975 gehört Buchholz zu Dortmund. Zuvor gehört es zur Gemeinde Westhofen. Nachdem diese an die Stadt Schwerte überging, wurde Buchholz Teil des Stadtbezirks Hörde in Dortmund. Syburg gehört bereits seit der Eingemeindung Hördes 1928 zu Dortmund. An der Syburger Kirchstraße steht die älteste Kirche Westfalens, St. Peter zu Syburg. Ihre Geschichte geht zurück bis ins Jahr 776.
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