Stalking-Opfer Uwe Kisker hofft auf ein Urteil

Amtsgericht Dortmund

Wie das ist, wenn man über einen Zeitraum von annähernd 30 Jahren mit Telefonanrufen terrorisiert wird? Wenn man gestalkt wird? Teilweise 24 Stunden am Tag? Wenn Urteile gefällt, aber nur phasenweise Ruhe bringen? Uwe Kisker sagt, es sei die Hölle. Er hofft am Montag auf ein neues Urteil. Eines, das langfristig Frieden bringen soll.

DORTMUND

, 10.07.2017, 02:34 Uhr / Lesedauer: 2 min
Stalking-Opfer Uwe Kisker hofft auf ein Urteil

Trafen im Oktober 2016 bereits aufeinander: Uwe Kisker (l.) und der Angeklagte.

Wenn es am Montag im Dortmunder Amtsgericht zu einem Urteil kommt, wäre das der dritte Prozess, der in der Sache zu Ende geht. 1992 wurde die Sache bereits in Recklinghausen verhandelt, damals wurde der Mann, der Kiskers Familie per Telefon terrorisierte, zu neun Monaten auf Bewährung verurteilt. Ein Sachverständiger attestierte dem Verurteilten eine Persönlichkeitsstörung, die zu einer erheblichen Beeinträchtigung seiner Steuerungsfähigkeit führte. In der Bewährungsphase, sagt Kisker heute, stand das Telefon still, kurz darauf ging es wieder los. 

Mann wurde verurteilt

Acht Jahre später, im Jahr 2000, verurteilte das Amtsgericht Recklinghausen dann den Mann wegen vorsätzlicher Körperverletzung im Zustand verminderter Schuldfähigkeit zu einem Jahr und sechs Monaten, erneut auf Bewährung. Das Gericht begründete die Bewährung damals damit, dass der Angeklagte mittlerweile „die Vollstreckung einer ganz empfindlichen Freiheitsstrafe vor sich hat, so dass unter diesem Druck zunächst noch einmal davon ausgegangen werden kann, dass sich derartige Verhaltensweisen nicht wiederholen“. Sie wiederholten sich tatsächlich nicht – erneut aber nur bis zum Ablauf der Bewährungsfrist.

Warum der Mann aus Recklinghausen über Jahrzehnte immer wieder angerufen hat, hat er Uwe Kiskers Schwiegervater mal am Telefon gesagt. Er wolle „die Tina“ haben, Kiskers Frau. Kiskers spätere Frau und der Angeklagte hatten sich als Kinder mal in den Ferien kennengelernt. Und eine Geheimnummer hat Kisker zwar seit vielen Jahren. Doch er arbeitet unter anderem auch als Moderator. Einstweilige Verfügungen wurden über die Jahre ignoriert, Schmerzensgeld mangels Vermögen nur teilweise oder gar nicht bezahlt, sagt Kisker. Und als im Jahr 2014 erneut ein Verfahren gegen den Mann angestrebt wurde, stellte die Staatsanwaltschaft Dortmund das zunächst ein. Um es dann, nach einer Berichterstattung unserer Redaktion, wieder aufzunehmen.

Das dritte Verfahren 

Ende Oktober also begann das dritte Verfahren, diesmal in Dortmund. Der Verteidiger des Angeklagten, Siegmund Benneken, sagte damals vor Gericht: „Wir bestreiten alles.“ Und weiter: „Es ist überhaupt nicht erwiesen, dass die Anrufe von meinem Mandanten stammen.“ Für Kisker als auch dessen Anwalt Thorsten Brockhoff indes ist eindeutig klar, dass es erneut dieser Mann ist, der speziell seit 2014 erneut bis zu 60 Mal am Tag anrief. Das Gericht ließ den Mann nach dem Prozessauftakt erneut psychiatrisch untersuchen, das Gutachten liegt inzwischen vor. Seitdem der Prozess begonnen hat, steht das Telefon bei Kisker wieder still.Und muss eben auch erreichbar sein.

Anwalt Brockhoff sagt: „Wir brauchen kein Geld, das wir eh nicht bekommen würden, wir brauchen endlich Ruhe.“ Kisker sagt schlicht: „Es muss aufhören.“ Vielleicht geschieht das am Montag. Vor dem Dortmunder Amtsgericht.

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