Starkregen in Dortmund: So groß ist die Gefahr für Ihr Haus

rnStarkregengefahrenkarte

Die Starkregenereignisse von 2008 und 2014 sind den Dortmundern gut in Erinnerung. Jetzt gibt es eine Karte, die für jedes einzelne Haus zeigt, wie groß die Überflutungsgefahr ist.

Dortmund

, 09.07.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Überflutete Straßen und vollgelaufene Keller – fast jeder in Dortmund kann Opfer von Starkregen werden. Laut Statistik kommt es in Dortmund etwa alle 100 Jahre zu einem besonders heftigen Starkregen mit massiven Überschwemmungen. Der schlimmste war 2008, ein weiterer mit Landunter zuletzt 2014. Starkregenereignisse werden nach Ansicht von Experten als Folge des Klimawandels künftig immer häufiger.

Bei wem laufen dann die Keller am schnellsten voll? Auch wenn die meisten Hausbesitzer noch aus den vergangenen Ereignissen die Schwachstellen ihrer eigenen vier Wände am besten kennen dürften – die Stadt hat dazu eine Karte entwickelt, die haus- und grundstückscharf zeigt, wo das Wasser hinläuft, an welchen Wänden, Kellertreppen und Lichtschächten es sich sammelt und wo Hausbesitzer besonders aufpassen müssen. Der Rat hat die Karte jetzt abgesegnet. Das jetzt im Netz abrufbare Werk nennt sich Starkregengefahrenkarte und gibt Auskunft über Höchstwasserstände für ein Starkregenereignis.

Wasserstände von hellblau bis dunkelviolett

Gefährdete Gebiete sind auf der Karte in drei verschiedenen Blautönen eingezeichnet. Zu den Hotspots im Dortmunder Westen, die besonders von Starkregen gefährdet sind, gehören wie 2008 Marten und Dorstfeld. Hier sind Grundstücke und Straßen zum Teil dunkelviolett markiert. Soll heißen, hier fließt das Wasser in Tiefen von mehr als einem halben Meter.

Über das Stadtgebiet verteilt, sind viele Stellen ersichtlich, an denen bei Starkregen Wasser in Tiefen von mehr als 30 Zentimetern entlangfließt oder sich sammelt. Wohngebäude, kritische Infrastrukturen wie Straßen und Bahnlinien, Gewerbe und Industrie – unterschiedliche Nutzer sind betroffen.

Basis sind Geländemodell und Fließwegeanalyse

Die Starkregengefahrenkarte basiert auf dem aktuellen, 2012 erstellten digitalen Geländemodell des Stadtgebiets und der seit 2016 vorliegenden Fließwegeanalyse. Sie zeigt den Oberflächenabfluss bei Starkregen. Eine Ableitung durch die Kanalisation oder ein Überlaufen der Kanäle ist dabei nicht berücksichtigt.

Einen 100-Prozent-Schutz bei Starkregen gibt es nicht, stellt der Eigenbetrieb Stadtentwässerung in seiner schriftlichen Vorlage für den Rat fest. Daher stehe immer die Risikominimierung im Vordergrund. Doch alle müssten ihren Teil zur Überflutungsvorsorge beitragen – die Verwaltung, Grundstückseigentümer, Bürger, Gewerbetreibende und Unternehmer.

Stadtentwässerung berät bei Fragen

Die Starkregengefahrenkarte soll alle wassersensibler machen. Als erster Schritt der Informationsvorsorge wurde sie im Internet der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Bei Fragen von Grundstückseigentümern und Bürgern steht der Eigenbetrieb Stadtentwässerung für Beratungen zur Verfügung unter Telefon 0231 50-24 75 5 oder per E-Mail: grundstuecksentwaesserung@stadtdo.de.

Auch, wenn es kein Patentrezept gegen Starkregen gibt, hat die Stadtentwässerung hilfreiche Tipps zur Hand, wie man sich am besten schützen kann. Dazu zählen etwa Barrikaden für Kellerräume und Garagenzufahrten, die unter Straßenniveau liegen. Und wer neu baut: Ein paar Stufen zum Hauseingang sind im Kampf gegen Starkregen sicherlich sinnvoller als ein ebenerdiges Entrée.

Notwasserwege und Straßenprofilierung

Um die Maßnahmen umzusetzen, die sich aus der Starkregengefahrenkarte ergeben, werden vier neue Ingenieurstellen in der Verwaltung eingerichtet. Doch schon seit Jahren steuert die Stadt im Bereich des Städtebaus möglichen Überschwemmungen entgegen, etwa mit dem Bau von Rückhaltebecken, dem Emscherumbau, Notwasserwegen und bestimmter Profilierung von Straßen.

Um Starkregen handelt es sich – so eine von mehreren Definitionen –, wenn in einer Stunde mehr als 10 Millimeter Regen, sprich 10 Liter auf einen Quadratmeter prasseln, oder in sechs Stunden mehr als 20 Millimeter Niederschlag fallen. Der Deutsche Wetterdienst warnt bei absehbaren Bedrohungen. Allerdings können die Meteorologen bei einem Tiefdruckgebiet Starkregenereignisse nicht genau vorhersagen.
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