Starthilfe für behinderte Existenzgründer

03.07.2007, 18:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Bettina Giesler (32) genügt ein Blick: «Sehen Sie, wenn Frau Bilstein sich zum Laptop dreht, hebt sie die Schultern - typische Fehlhaltung.»

Ute Bilstein sitzt am Arbeitsplatz ihres Geschäfts «Maison Décor» und klagt über die gängigen «Schreibtisch-Erkrankungen»: Verspannungen, Kopf- und Rückenschmerzen. Bettina Giesler sitzt daneben, analysiert die Körperhaltung, gibt Tipps und zeigt leichte Übungen mit großer Wirkung fürs Wohlbefinden.

Man sieht es ihr nicht an - die Heilpraktikerin ist schwer gehbehindert, nach vier Knieoperationen drohte sogar die Amputation. Die gelernte Krankenschwester kämpfte, zuerst gegen die Krankheit, dann für ihre Umschulung zur Physiotherapeutin. Dass sie als solche praktizieren kann, verdankt sie dem Sozialamt, genauer gesagt: einem zinslosen Darlehen über 10 000 Euro der örtlichen Fürsorgestelle.

Denn einen Kampf konnte Giesler nicht gewinnen: den gegen die Vorurteile vieler Arbeitgeber, die behinderte Menschen nicht einstellen wollen.

Die Gründe sind schwer nachvollziehbar. Nach ihrer Umschulung auf Physiotherapie schrieb Giesler über 40 Bewerbungen: «Alle waren begeistert, bis sie von meinem Behinderten-Ausweis erfuhren. Ich erklärte ihnen die finanziellen Vorteile, ohne Erfolg. Eine richtige Begründung für die Absagen gab es nie», schildert sie ihren schweren Start ins neue Berufsfeld.

282 «Maßnahmen zur Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen» für Schwerbehinderte förderte die Stelle 2006 mit 540 000 Euro.

Bei mehr als 20 Mitarbeitern müssen Arbeitgeber, die weniger als fünf Prozent Schwerbehinderte beschäftigen, eine so genannte Ausgleichsabgabe entrichten.

Damit bezuschusst die Fürsorgestelle neben finanziellen Starthilfen wie bei Bettina Giesler auch den behindertengerechten Umbau von Arbeitsplätzen, der vom höhenverstellbaren Bürostuhl bis zum kompletten Blindenarbeitsplatz für 15 000 Euro reichen kann.

Infos und konkrete Beratung bietet die Fürsorgestelle unter Tel. 5 02 33 40 (Christa Buszewski) oder im Netz unter

www.fuersorgestelle.dortmund.de

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