Tempo 30 auf zwei zentralen Wegen in die City kommt schon bald – auch Umweltspur geplant

rnKampf gegen Schadstoffe

Dieselfahrverbote in Dortmund sind vom Tisch. Stattdessen will die Stadt in Absprache mit der Deutschen Umwelthilfe den Autoverkehr eindämmen. Die Pläne sind weitreichend.

Dortmund

, 22.01.2020, 18:14 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Ruhrallee gehört mit Blick auf die Schadstoffbelastung der Luft zu den Brennpunkten in Dortmund. Hier gibt es eine von drei Messstellen, an denen die Stickstoffdioxid-Werte seit Jahren über den erlaubten Grenzwerten liegen. Mit 47 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft - maximal 40 Mikrogramm sind im Jahresmittel erlaubt - wurde an der Einfallstraße ins Dortmunder Zentrum sogar die höchste Belastung gemessen.

Deshalb nimmt die Ruhrallee im Vergleich, auf den sich Umwelthilfe, Land und Stadt vor dem Oberverwaltungsgericht Münster in der vergangenen Woche verständigt haben, eine besondere Rolle ein. Am Mittwoch (22.1.) wurden die Pläne vorgestellt, auf die man sich geeinigt hat und mit denen die Klage der Umwelthilfe gegen den Luftreinhalteplan für Dortmund vom Tisch ist.

Tempo 30 an der Ruhrallee

Einer der wichtigsten Punkte: Künftig gilt auf der Ruhrallee zwischen B1 und Wallring Tempo 30. Und die Ampel unmittelbar hinter der B1-Abfahrt wird neu geschaltet und damit zu einer „Pförtnerampel“. Das Ziel: Durch längere Rot-Phasen soll weniger Verkehr in Richtung Stadtzentrum fließen. Umgesetzt werden sollen die Maßnahmen spätestens bis Ende Mai.

Ähnlich sieht es an der Brackeler Straße aus, wo an der Messstation in der Nähe des Borsigplatzes die Schadstoffwerte ebenfalls über dem erlaubten Wert liegen. Auch hier gilt künftig Tempo 30.

Erste Dortmunder Umweltspur

Und schon bis März wird eine Fahrspur auf der Brackeler Straße stadteinwärts zur ersten Umweltspur in Dortmund. Sie darf nur von Bussen, E-Autos und Fahrrädern genutzt werden. Um Platz dafür zu schaffen, wird es stadtauswärts nur noch eine statt zwei Fahrspuren geben.

An der Brackeler Straße, wo kurz vor dem Borsigplatz eine Luftmessstation steht, soll eine Umweltspur für Busse, Fahrräder und E-Fahrzeuge eingerichtet werden.

An der Brackeler Straße, wo kurz vor dem Borsigplatz eine Luftmessstation steht, soll eine Umweltspur für Busse, Fahrräder und E-Fahrzeuge eingerichtet werden. © Oliver Schaper

Die Hoffnung ist, den Autoverkehr an beiden kritischen Stellen um mindestens 20 Prozent zu reduzieren. Damit könne es gelingen, die Schadstoffwerte unter die Grenze von 40 Mikrogramm zu senken, zeigt sich Umweltdezernent Ludger Wilde überzeugt.

Regelmäßige Messungen

Ob es wirklich klappt, soll durch Verkehrszählungen und weitere Schadstoff-Messungen regelmäßig kontrolliert werden. Im Zweifelsfall soll dann nachgesteuert und zum Beispiel die Steuerung des Verkehrs durch die „Pförtnerampel“-Schaltung an Ruhrallee und an der Brackeler Straße verschärft werden.

Eine wichtige Rolle spielt auch die B1, wo es am Rheinlanddamm nahe der Ophoff-Kreuzung die dritte Messstelle mit kritischen Werten gibt. Hier, an der Auffahrt auf die B1, gilt künftig Tempo 40.

Mit diesem Sammelgefäß an der Laterne wird die Luftqualität am Rheinlanddamm gemessen. Für die B1-Auffahrt gilt künftig Tempo 40.

Mit diesem Sammelgefäß an der Laterne wird die Luftqualität am Rheinlanddamm gemessen. Für die B1-Auffahrt gilt künftig Tempo 40. © Oliver Volmerich

Vor allem aber wird das ganztägige LKW-Fahrverbot für die B1 festgeschrieben. Die Politik hatte es bereits beschlossen. Es gilt zunächst für LKW mit mehr als 7,5 Tonnen Gewicht. Sollten die Schadstoffwerte nicht sinken, ist eine Ausdehnung auf LKW ab 3,5 Tonnen vorgesehen.

Verschärfung möglich

Um über eine mögliche Verschärfung zu entscheiden, wird eigens eine Schiedsstelle eingerichtet. Die muss aber gar nicht erst in Aktion treten, kündigt Oberbürgermeister Ullrich Sierau an. Wenn die Werte weiter kritisch bleiben, werde man schon vor Ablauf des Jahres nachsteuern, kündigte er am Mittwoch an.

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Obendrein gibt es eine ganze Reihe an teilweise schon länger geplanten Maßnahmen, die mittel- und langfristig wirken sollen. Das Maßnahmenpaket umfasst insgesamt 17 Seiten. Dazu gehört die weitere Umrüstung von Linien-Bussen von DSW21 und Fahrzeugen des städtischen Fuhrparks, die schon beschlossenen Programme zur Förderung des Radverkehrs und der E-Mobilität und verstärkte Werbung für Park-and-Ride-Angebote.

Anwohner-Parkzonen kommen schneller

Beschleunigt werden soll auch die Ausweitung von Anwohner-Parkzonen in der Innenstadt. Zwei Zonen im Bereich Gutenbergstraße und Löwenstraße sollen noch in diesem Jahr eingerichtet werden, ab 2021 dann mindestens drei weitere Zonen pro Jahr.

Dazu gehören in der ersten Stufe etwa das Union-Viertel und die Bereiche Hainallee und Markgrafenstraße, später auch das Kreuzviertel und die Wohnquartiere nahe der Märkischen Straße.

So sollen die Bewohnerparkzonen in der Innenstadt in den nächsten Jahren ausgeweitet werden.

So sollen die Bewohnerparkzonen in der Innenstadt in den nächsten Jahren ausgeweitet werden. © Stadt Dortmund

Per Dringlichkeitsvorlage wird das Konzept jetzt dem Rat vorgelegt, kündigte Sierau an. Am Mittwoch gab es von verschiedenen Seiten erst einmal viel Lob für den Vergleich. „Wir freuen uns, mit unserer Klage die notwendige Verkehrswende in Dortmund hin zu weniger Pkw und mehr Bus, Bahn und Fahrrad beschleunigt und verbindlich festgeschrieben zu haben“, sagte Umwelthilfe-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.

Erleichterung in der Wirtschaft

Vertreter der Wirtschaft - von IHK und Handwerkskammer bis Handelsverband und City-Ring - zeigten sich vor allem erleichtert und zufrieden, dass ein Dieselfahrverbot in Dortmund vom Tisch ist.

Mit den beschlossenen Maßnahmen könne die Wirtschaft, die selbst viele Beiträge zur Verbesserung der Luftqualität leiste, umgehen, sagte IHK-Geschäftsführer Wulf-Christian Ehrich. Wichtig sei für die Unternehmen die Planungssicherheit.

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