Existenzvernichter Faßstraße? Hörder Geschäftsleute in großer Sorge

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Verzweiflung klingt aus den Worten zahlreicher Geschäftsinhaber. Der Umbau der Faßstraße droht Existenzen zu zerstören. Viele Autofahrer meiden Hörde inzwischen. Lösungen gibt es kaum.

Hörde

, 05.03.2020, 15:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Mitarbeiter des Tiefbauamtes verkauften sich tapfer während der Bürgerinformationsveranstaltung am Mittwochabend (4.3.) in der Verwaltungsstelle. Es ging um den Ausbau der Hörder Faßstraße, der noch gut ein Jahr dauern wird. Es ging um Probleme bei der Baustelle und um eventuelle Nachjustierungen.

Der Versuch, die Bürger mit ins Boot zu holen, war aller Ehren wert. Nur bekam die Informationsveranstaltung in der Hörder Bezirksverwaltungsstelle schnell einen ganz anderen Dreh als gewünscht.

Mitarbeiter des Tiefbauamtes informierten am Mittwochabend über den Baufortschritt an der Faßstraße.

Mitarbeiter des Tiefbauamtes informierten am Mittwochabend über den Baufortschritt an der Faßstraße. © Jörg Bauerfeld

Es ging weniger um die Fortschritte an der Großbaustelle als um nackte Existenzangst. Und die haben mittlerweile zahlreiche Geschäftsleute in Hörde. Denn die Kunden kommen nicht mehr durch. Die Staus, die die Baustelle im Ortskern hervorruft, bedrohen die Hörder Wirtschaft. Aber, was tun?

Hilflosigkeit war zu spüren

Gerhard Kappert, Bereichsleiter des Tiefbauamtes, wirkte hilflos. „Da kann ich nichts für Sie tun“, war die ehrliche Antwort auf die Frage, was denn passiere, wenn der Laden pleite geht und von wo Hilfe zu erwarten sei. Sonja Martin war der Verzweiflung nah. Sie suchte – wie viele andere Geschäftsinhaber auch – im Rahmen der Bürgerinformationsveranstaltung Hilfe. Aber von offizieller Seite war da niemand, der helfen konnte.

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Im Juli 2019 hatten sie und ihr Mann Bayran Sahan an der Alfred-Trappen-Straße 42 ein Geschäft eröffnet und sich selbstständig gemacht. „Die Werkzeugverleiher“ heißt das Geschäft, das nun unter der Baustelle zu leiden hat. „Bis Oktober lief es richtig gut“, sagt Bayram Sahan.

Regelmäßig staut sich der Verkehr in Hörde

Das Zentrum von Hörde ist regelmäßig dicht. Wer kann, meidet Hörde wohl derzeit © Jörg Bauerfeld

Der Geschäftsmann steht in den modernen Räumen und blickt in das Auftragsbuch. „Dann, als die Baustelle kam, ging es schlagartig bergab.“ Das lag aber nicht an fehlenden Reservierungen, sondern eben an den Abbestellungen. „Die Leute können uns nicht mehr erreichen. Die stellen sich doch nicht für 30 Minuten oder mehr in den Stau, um bei uns ein Werkzeug auszuleihen.“

In den Stoßzeiten ist kein Durchkommen mehr

Und Stau gibt es rund um die Faßstraße reichlich. In den Stoßzeiten ist kein Durchkommen in Hörde. Da brauche man von der Einmündung der Semerteichstraße bis zur Einmündung der Seekante schon mal 30 Minuten - für 500 Meter. „Wir haben es schon mit Angeboten versucht. Aber die Leute hören nur Faßstraße und lassen es dann sein“, so Sahan.

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Wie lange kann das noch gut gehen? „Vielleicht noch drei Monate, dann müssen wir wieder schließen“, sagt Bayram Sahan. Dabei hängt da so viel mehr dran. „Wir sind Firmengründer. Da gibt es Darlehen und eben auch die Miete. Wie sollen wir da rauskommen“, fragt Sahan. Fünf Jahre sind die Geschäftsräume angemietet. Hoffnung hat Sahan kaum noch. Die Veranstaltung hätte man doch nur durchgeführt, um bei einigen Personen den Blutdruck zu senken.

Auch das Gymnasium ist betroffen

Ins gleiche Horn stößt auch Thomas Romanski. Der ist Mitarbeiter im Dental-Labor Caninus an der Alfred-Trappen-Straße 36. „Ich brauche morgens 20 Minuten für die 300 Meter bis auf den Hof“, so Romanski. „Und nachmittags und mittags ist das dasselbe.“ Er habe erst den Bunkerabriss mitgemacht, da hätten die Tische getanzt. Dann den Bau des Media-Marktes und jetzt komme er mit dem Auto weder rein noch raus.

Und nicht nur die Geschäftsinhaber haben nach bisher fünf Monaten Bauzeit die Nase voll. Auch eine Vertreterin des Phoenix-Gymnasiums machte die Folgen der Großbaustelle für die Schule noch einmal deutlich. Der Busverkehr käme zum Erliegen und wenn jemand versuche, die Sporthalle zu einer Veranstaltung zu erreichen, der müsse schon sehr früh losfahren.

Viele Emotionen, aber auch Positives

Bei all den Emotionen traten die Versprechen der Mitarbeiter der Verwaltung in den Hintergrund. Man wolle noch einmal versuchen, an den neuralgischen Punkten der Baustelle, wie die Einmündung der Seekante, nachzubessern. Auch würden Ende März 2020 wieder mehr Fahrspuren auf der Willem-van-Vloten-Straße zur Verfügung stehen, was den Verkehr entzerren würde. Das Bemühen im Bereich der Baustelle etwas zu verändern, konnte den städtischen Mitarbeitern, die sich den Fragen der Bürger mit viel Geduld stellten, niemand absprechen.

Aber was am Ende des Infoabends hängen blieb, war der Satz einer Bürgerin: „Für wen wird hier alles schön gemacht, wenn am Ende keiner mehr da ist?“

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