Steuerzahler-Bund prangert U-Turm-Kosten an

Kritik an der Kostenexplosion

Der Bund der Steuerzahler rechnet mit dem U-Turm ab. Ein Artikel in der April-Ausgabe seines Monats-Magazins kreidet der Stadt an, sie sei „mit halbgaren Plänen und Konzepten zu Werke gegangen“, die den Umbau zu einem „Abenteuer für die Steuerzahler“ machen. Das Fazit lautet: „U wie unberechenbar“.

DORTMUND

von Von Tilman Abegg

, 30.03.2012, 08:54 Uhr / Lesedauer: 1 min
Mehrere Jahre lang hat Andrea Defeld die Kosten-Entwicklung des U verfolgt. Besucht habe sie den U-Turm bisher nicht, sagt Defeld, um ihren neutralen Blick nicht zu verlieren.

Mehrere Jahre lang hat Andrea Defeld die Kosten-Entwicklung des U verfolgt. Besucht habe sie den U-Turm bisher nicht, sagt Defeld, um ihren neutralen Blick nicht zu verlieren.

Wie bekannt, haben die Kosten des U eine konstante und steile Tendenz in die Höhe. 2008 rechnete die Stadt mit 3,2 Millionen Euro Betriebskosten pro Jahr, 2010 waren es 4,9 Millionen. 6,1 Millionen im Jahr 2011. 9,6 Millionen im Wirtschaftsplan für 2012. 2013 bis 2015 plant die Stadt jährlich knapp 10,2 Millionen Euro ein.

Einen Grund sieht die Journalistin Andrea Defeld, die Autorin des Artikels, im Mietverhältnis. Die Wirtschaftskrise habe die Stadt 2009 dazu gezwungen, die 50 Millionen auszugeben, die sie für den Kauf des Turms gespart hatte. Jetzt zahlt die Stadt Miete – allein für 2012 sind das 3,8 Millionen Euro. Zweite Kostenpumpe sei die Erweiterung des U vom reinen Museumsstandort zum „Zentrum für Kunst und Kreativität“ mit Hartware Medienkunstverein, Hochschulen und kultureller Bildung. Das erfordere einen publikumsgerechten Ausbau aller Etagen, erhöhe die Energiekosten und die Miete.

Unterm Strich habe die Stadt den Kardinalfehler begangen, sich selbst dem Druck auszusetzen, das U unbedingt rechtzeitig zum Kulturhauptstadtjahr 2010 zu eröffnen, sagt Defeld. Die Stadt argumentierte damals mit den Fördergeldern, die sie für das Projekt nicht erhalten hätte, wenn der U-Turm später eröffnet worden wäre. Fatale Entscheidung, sagt Defeld. Denn so war nicht genug Zeit, um den gesamten Umbau seriös durchzuplanen und zu -rechnen. „Die Stadt hat sehenden Auges in Kauf genommen, dass das U unberechenbar wird.“  Eine Haltung, die Defeld auch aus anderen NRW-Städten kennt, zum Beispiel aus Hagen mit dem Emil-Schumacher-Museum. „Immer wird versucht, solche Leuchtturm-Projekte durchzuboxen. Mit den immer gleichen Argumenten: Mehr Arbeitsplätze, mehr Attraktivität.“ Und immer bleibe der Verdacht: Da ist doch was schöngerechnet worden.

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