Straßenlaternen bekommen Steckdosen für E-Autos und Panik-Knöpfe

rnSmart City

Straßenlaternen können mehr als nur leuchten. In Dortmund sollen sie als Lade- und Notrufsäulen zum Einsatz kommen. Erste Stadtviertel für Pilotprojekte sind bereits ausgeguckt.

Dortmund

, 27.11.2018, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist mit der Elektromobilität wie mit der Henne und dem Ei. Braucht man erst mehr Ladepunkte, damit die Leute Elektroautos kaufen oder müssen erst mehr Elektroautos auf die Straße, damit Ladesäulen gebaut werden? Die Stadt Dortmund löst jetzt dieses Problem. Sie will 400 Straßenlaternen – vornehmlich im Kreuz-, Klinik- und Kaiserstraßenviertel – zu Ladepunkten aufrüsten. Start soll im nächsten Frühjahr sein.

Adressaten sind dabei insbesondere Laternenparker, die keine Möglichkeit zum Laden eines E-Autos auf dem eigenen Grundstück haben, aber gern auf ein Elektro-Fahrzeug umsteigen würden. Weil gerade diese Klientel vor allem in den oben genannten Innenstadt-Vierteln lebe, habe man diese für den Start ausgesucht, erklärt Dr. Fritz Rettberg vom Chief Information/Innovation Office der Stadt auf Anfrage.

Smartes Kabel mit integriertem Stromzähler

Die Stadt arbeitet dabei unter anderem mit dem Berliner Start-up Ubitricity zusammen, das bereits Straßenlaternen in Berlin und London entsprechend aufgerüstet hat. Dazu wird eine Steckdose in die jeweilige, zur Wartung vorgesehene Mastklappe der Straßenlaterne eingesetzt. Wer dann Strom tanken will, benötigt ein smartes Kabel mit integriertem Strompreiszähler, über das gleichzeitig die Abrechnung erfolgt – und dies beim Stromlieferanten eigener Wahl, sofern dieser Mobilstrom anbietet.

„Das ist so, als ob man seinen eigenen Stromtarif mitbringt“, erläutert Alexa Thiele, Unternehmenssprecherin von Ubitricity. Nur eines ist vorgegeben: Es muss Ökostrom sein. Bei den bisherigen öffentlichen Ladesäulen muss man den Strom des Anbieters laden, der draufsteht.

Parkzeiten sind Ladezeiten

Das Ladekabel muss man kaufen, der Strom selbst kostet eine monatliche Grundgebühr und einen Verbrauchspreis pro Kilowattstunde. Das Laden an Straßenlaternen ist für lange Standzeiten geplant, die Ladegeschwindigkeit reglementiert. Wer sein Fahrzeug wieder voll aufladen will, muss schon die ganze Nacht unter der Laterne parken.

Dafür aber hat das Laden an Laternen den Vorteil, dass man die Stadt nicht mit weiterem Mobiliar zupflastern muss. Das macht die Investition in die Ladeinfrastruktur deutlich günstiger. Die Suche nach geeigneten Laternen müsse abgestimmt werden mit der ohnehin laufenden Erneuerung der Straßenbeleuchtung, sagt Dr. Rettberg: „Wir müssen zusehen, dass wir das auf die Straße bringen, damit sich die Bürger das anschauen können.“ Im nächsten Schritt wolle man ihre Meinung dazu hören.

Bürger können Wünsche äußern

Aktuell sei man in der Abstimmung mit dem Betreiberkonsortium und dem Tiefbauamt, welche Laternen die technischen Voraussetzungen für eine Aufrüstung haben. „Wir haben genügend Laternen, bei denen das geht.“ Doch die Stadt wolle auch auf Wünsche der Bürger eingehen. Wer also ein E-Auto hat oder eines kaufen möchte und eine öffentliche Ladesäule benötigt, kann sich mit seinem Vorschlag bei der Stadt melden unter der E-Mail-Adresse cio@stadt.de. Rettberg: „Wir können keinem versprechen, dass genau an seiner Laterne eine Ladestation integriert werden kann, aber wir nehmen das mit auf.“

Das Pilotvorhaben wird im Rahmen des „Sofortprogramms Saubere Luft 2017-2020“ finanziert, für das der Bund insgesamt 100 Millionen Euro zur Schaffung örtlicher Lade-Infrastrukturen für Elektro-Mobilität zur Verfügung stellt. Weitere hundert Straßenlaternen sollen in den Städten Schwerte und Iserlohn aufgerüstet werden, die über starke Pendlerverkehre mit Dortmund verbunden sind. So will man die Stickoxid-Belastungen senken und die Luftqualität verbessern.

Rat entscheidet im Dezember

Der finale Zuschlag für das Sofortprogramm Saubere Stadt durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie wird in diesen Tagen erwartet. Auch der Rat muss das Vorhaben in seiner Sitzung am 13. Dezember absegnen. Dann könnte es losgehen.

Strom liefern ist das eine, was eine smarte Laterne kann. Bei der Parkplatzsuche helfen das andere. Dazu lassen sich kleine Kästchen an den Mast anbringen. Das radarbasierte System darin erkennt durch Bewegung von Autos, wo und wie viele Parkplätze noch frei sind und meldet das an eine App. „Wir wollen damit den Parkraumsuchverkehr verhindern, das ist keine Videoüberwachung“, betont der CIO-Mann.

Erprobung in der Münsterstraße

Und damit ist noch nicht das Ende der Laternenstange erreicht. Weitere Einsatzmöglichkeiten sollen an 250 Laternen im Stadtgebiet, unter anderem auf der Münsterstraße – in der Fußgängerzone und der befahrbaren Geschäftsstraße – getestet werden. Neben der Parkraumerkennung haben Firmen ihr Interesse an der Erprobung ihrer Sensorik zur Verkehrs- und Lärmerfassung angemeldet.

Weiterer Mehrwert eine Straßenlaterne: Sogenannte Panic-Buttons, Notrufknöpfe, können im Dunkeln Angsträume entschärfen. Rettberg: „Wenn man nachts dort herläuft, kann man den Button drücken und sofort die umliegenden Laternen heller aufdrehen.“

Panikknopf mit Schaltung zur Leitwarte

Gleichzeitig werde die Frage durchgespielt, ob nicht auch Kinder und Jugendliche ihren Spaß an solchen Knöpfen hätten. Um das möglichst zu vermeiden, könnte man den Panik-Knopf auch direkt auf eine Leitwarte schalten, um über Lautsprecher um Hilfe zu rufen. „Wir müssen es einfach mal ausprobieren“, sagt Rettberg.

Aktuell ist die Stadt dabei, Gestaltungsverträge mit dem Konsortium Straßenbeleuchtung als Betreiber auszuhandeln. Es gelte zu klären, was genau man an eine Laterne schrauben dürfe und was passiere, wenn so etwas beschädigt wird, erläutert Rettberg.

Lesen Sie jetzt