Straßenlaternen stehen seit 2003 ohne Lampen herum, weil Anwohner es sich wünschten

rnKurioses in Holzen

Im Dortmunder Stadtteil Holzen gibt es eine Straße mit sechs Laternen ohne Lampen. Das ist kein Versehen, sondern seit 16 Jahren von Anwohnern und vom heutigen Oberbürgermeister so gewollt.

Holzen

, 16.05.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

In der Straße „Am Stucken“ stehen auf einer Länge von gut 300 Metern sechs Laternenmasten. Das ist an sich zwar recht gewöhnlich, doch beim Blick Richtung Himmel wird‘s kurios. Denn an keinem der sechs Laternenmasten hängt auch nur eine einzige Glühbirne. 2003 hat die Stadt Dortmund auf Anregung der einzigen Anwohner die ersten drei Glühbirnen rausgeschraubt, 2007 folgten die letzten drei. Seitdem stehen die Masten nutzlos in der Gegend herum. Und ob sich an dem Zustand demnächst etwas ändert, steht in den Sternen.

Peter Adomaitis wohnt seit 1971 in Holzen, er geht regelmäßig mit seiner Frau spazieren und nutzt die Straße „Am Stucken“, um auf den Schwerter Kirchweg und von da aus auf die Felder oder nach Schwerte zu kommen. Die fehlenden Lampen störten ihn, und so ging er im Februar 2019 in die Sitzung der Bezirksvertretung Hörde. „Sieht die Bezirksvertretung die Möglichkeit, da Dampf zu machen?“, fragte Peter Adomaitis.

Nach der ersten Demontage gab es keine Beschwerden

Nun ja, Dampf gemacht hat die Bezirksvertretung dahingehend, dass deren Geschäftsführung sich die alten Verwaltungsunterlagen angesehen, veröffentlicht und damit die Frage beantwortet hat, ob die Lampen bald wieder eingeschraubt werden. Das werden sie nämlich nicht. Von Januar 2008 bis April 2009 gab es ein Hin und Her zwischen der Bezirksvertretung und der Stadtverwaltung. Die SPD hatte Anfang 2008 gefordert, dass die Beleuchtung wieder komplettiert wird. Die Leuchten seien ohne Vorinformation demontiert worden, zudem sei die Strecke viel befahren, die Dunkelheit mache es für alle Verkehrsteilnehmer gefährlich.

Einen Monat später folgte die schriftliche Antwort aus der Verwaltung, unterzeichnet vom damaligen Stadtdirektor Dortmunds und heutigen Oberbürgermeister Ullrich Sierau. Auf Anregung des einzigen Anliegers sei 2003 zunächst jede zweite Leuchte außer Betrieb genommen worden. „Beschwerden hat es aufgrund dessen nicht gegeben außer dem Hinweis des Anliegers, dass der Rest ebenso entfallen könne. Darauf hin hat die Verwaltung im Oktober 2007 auch die verbliebenen drei Leuchten demontieren lassen.“

Straßenlaternen stehen seit 2003 ohne Lampen herum, weil Anwohner es sich wünschten

Peter Adomaitis steht in der Straße "Am Stucken" in Holzen. Die sechs Laternenmasten stehen hier seit Jahren ohne Lampen herum. © Michael Nickel

Gesagt, getan. Sierau begründete die Entscheidung damals damit, dass es keine generelle Beleuchtungspflicht für Straßen gebe. Eine Gefährdung für Fußgänger liege nicht vor, da es einen Gehweg gebe. Radfahrer seien ohnehin dazu angehalten, selbst für Licht an ihrem Rad zu sorgen. „Da der einzige Anlieger der Straße ‚Am Stucken‘ die Beleuchtung nicht wünscht, ist sie als grundsätzlich entbehrlich anzusehen“, so Sierau weiter. Die Anwohner bestätigten auf Anfrage, dass die Entfernung der Beleuchtung auf deren Anregung erfolgte.

„Bei allem Komfortverlust“, schrieb Sierau damals, „bitte ich auch die finanziellen Auswirkungen nicht außer Acht zu lassen.“

2008 kündigte Sierau an, die Masten „in Kürze“ entfernen zu lassen

Die Hörder Bezirksvertretung hakte ein Jahr später nach und forderte eine weitere Prüfung von der Verwaltung mit dem Ziel, dass die Lampen wieder eingeschraubt werden. Im April 2009 antwortete Sierau, dass „die erneute Prüfung des Sachverhaltes zu keinem neuen Ergebnis in der Sache“ geführt habe. Seitdem stehen die sechs Masten entlang der Straße „Am Stucken“ nutzlos rum. Dabei sollten sie schon längst entfernt worden sein.

Ullrich Sierau hatte im März 2008 schriftlich angekündigt, dass er beabsichtige, „die ‚kopflosen‘ Lichtmasten in Kürze entfernen zu lassen“. Das ist jetzt elf Jahre her. Auf Anfrage erklärte Christian Schön, Pressesprecher der Stadt, dass die zuständigen Mitarbeiter im Tiefbauamt sich die Situation vor Ort angesehen haben: „Allerdings hat das an der Einschätzung der Stadt aus dem Jahr 2008 nichts geändert.“ Die Verwaltung habe jedenfalls angeordnet, die sechs nutzlosen Masten zu entfernen. Die Frage nach dem Zeitpunkt der Demontage blieb allerdings unbeantwortet.

Laut Tiefbauamtleiterin Sylvia Uehlendahl würden nach einem Ratsbeschluss von 2016 „alle zu erneuernden Lichtpunkte einer kritischen Überprüfung hinsichtlich der Einsparung von Leuchtenstandorten“ unterzogen. Und die sechs Standorte in Holzen gehören dazu.

Für Peter Adomaitis bleibt nichts weiter übrig, als den Status quo hinzunehmen. Er ärgert sich. „Schließlich sind die Beleuchtungen doch mal aus gutem Grund aufgestellt worden.“

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