Straßenmusik soll vom Westenhellweg verbannt werden

Pläne der Stadtverwaltung

„Let it be“ oder „No woman no cry“ in Dauerschleife – bei Straßenmusik feiert die Vielfalt nicht unbedingt Hochkultur, zum Leidwesen der Anlieger. Neue Spielregeln sollen die City und Gemüter beruhigen. Die Verwaltung will die Straßenmusiker vom Westenhellweg vertreiben.

Dortmund

, 23.01.2018, 16:41 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Straßenmusiker auf dem Westenhellweg - dieses Bild soll nach dem Willen der Stadtverwaltung bald der Vergangenheit angehören.

Ein Straßenmusiker auf dem Westenhellweg - dieses Bild soll nach dem Willen der Stadtverwaltung bald der Vergangenheit angehören. © Oliver Schaper (Archivbild)

Ob Popsongs mit der Schrammelgitarre, Gypsy-Swing á la Django Reinhardt, russische Folklore oder transzendentale Didgeridoo-Töne – es ist manchmal schräg und deshalb anstrengend zu hören, was sich auf dem Westen- und Ostenhellweg musikalisch abspielt. Nachdem die Stadt im Jahr 2015 neue Spielregeln aufgestellt hatte, ist die Zahl der Beschwerden zwar zurückgegangen, aber mit 170 Unterzeichnern einer Petition gegen den „Musikterror“ immer noch hoch.

Deshalb hat die Stadtverwaltung ihr Regelwerk der Straßenmusik noch einmal überarbeitet. Die Verwaltungsspitze schlägt der Politik vor, den Westenhellweg nebst Seitengassen und Passagen von der Kreuzung Brückstraße bis zur Martinstraße zu einer straßenmusikfreien Zone zu erklären. Außerhalb dieses Bereichs sollen die aktuellen Regeln (siehe Infokasten) weiter gelten. Auf den City-Plätzen wie dem Hansaplatz und dem Friedensplatz darf weiter gespielt werden.

Straßenmusik, so Umweltdezernent Ludger Wilde, sei in einer Großstadt wie Dortmund „in angemessener Lautstärke und gut vorgetragen“ ein belebendes Element. Doch der Westenhellweg habe aufgrund fast lückenloser, hoher beidseitiger Bebauung einen Effekt wie ein Schalltrichter.

Darüber hinaus werde er wegen des starken Passantenaufkommens und der zu erwartenden Geldspenden besonders häufig von Straßenmusikern aufgesucht. Deshalb werde sich die Beschwerdelage dort mit den bestehenden Spielregeln allein nicht verringern lassen, stellte Wilde gestern nach der Sitzung des Verwaltungsvorstands fest.

Gilt auch für Klavieraktion „Spiel mich“


Ordnungs- und Umweltverwaltung hatten zuvor sieben denkbare Regelungsvarianten zur Straßenmusik eingehend geprüft und abgewogen – mit dem Ergebnis und der rechtlich vertretbaren Lösung, die Straßenmusik weitestgehend vom Westenhellweg zu verbannen. Das Verbot soll auch für die Klavier-Mitmach-Aktion „Spiel mich“ des Cityrings gelten.

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Die Verwaltung will beobachten, ob das Straßenmusikgeschehen durch die Verbotszone zu anderen Standorten verdrängt wird und damit dort zu einer Überlastung der Anlieger-Ohren führt. Auch ob die Verbannung der Straßenmusiker von der für sie attraktivsten „Meile“ überhaupt von diesen akzeptiert wird, sollen die gemeinsamen Streifen von Polizei und Ordnungsamt kontrollieren.

Dortmund gehört zu den Großstädten, wo Straßenmusikanten noch ohne Genehmigung spielen dürfen. In einem Drittel der größten deutschen Städte müssen sich Straßenmusiker beim Ordnungsamt eine Erlaubnis holen.

In München vorsingen

Wie berichtet, gibt es die größte Hürde für Straßenmusiker in München. Dort müssen sie erst drei verschiedene Stücke bei der Münchner Stadtinformation vorspielen. Der Mitarbeiter, der Frühdienst hat, entscheidet dann „nach gesundem Menschenverstand“, ob die Musik anderen auf Dauer zuzumuten ist. Zu dem werden nur zehn Lizenzen pro Tag vergeben.

Musiziert werden darf nur eine halbe Stunde am Stück, aber nur ab Beginn einer vollen Stunde, also die ersten 30 Minuten, zum Beispiel von 13 bis 13.30 Uhr. Nach der Aufführung muss der Musikant seinen Standort wechseln, und sich mindestens 150 Meter vom alten entfernen. Also außer Hörweite. Elektronische Verstärker oder Radio, Rekorder, CD-Spieler dürfen die Musikanten nicht benutzen.
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