Streit um Sauberkeit – mit möglichen Folgen für über 15.000 Mieter

rnEDG-Reinigungsservice

Zwischen EDG und Groß-Vermietern bahnt sich handfester Zoff an. Es geht um Veränderungen beim Reinigungsservice. Ohne uns, sagen Wohnungsunternehmen – und verweisen auf Folgen für die Mieter.

Dortmund

, 09.07.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Schreiben an die Geschäftsführer der Entsorgung Dortmund (EDG) war an Deutlichkeit nicht zu überbieten. Absender: Franz-Bernd Große-Wilde, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dortmunder Wohnungsunternehmen (ADW). Ihr gehören 13 Gesellschaften mit rund 90.000 Mietwohnungen an. Ein Teil der ADW-Mitglieder geht nun auf Konfrontationskurs zum Entsorger.

Grund: Die EDG hat den Gesellschaften angekündigt, sie werde die Verträge für die Sonder-Reinigung besonders verschmutzter Mülltonen-Standorte Ende 2020 beenden. Es soll neue Verträge geben - aber zu anderen Konditionen: Der Service wird teurer. Was den Wohnungsunternehmen überhaupt nicht schmeckt. Sie fürchten steigende Betriebskosten, die sie ihren Mietern in Rechnung stellen müssten.

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Zwar haben EDG und Wohnungsgesellschaften inzwischen eine Reihe von Gesprächen geführt. Einen Durchbruch gab es nicht. Stattdessen haben sich die Fronten mehr und mehr verhärtet. Welche Eskalationsstufe der Streit erreicht hat, wird in dem Schreiben vom 23. Juni an die EDG-Spitzen deutlich: Unmissverständlich fordert ADW-Vorsitzender Große-Wilde den Entsorger auf, bis Ende der zweiten Juli-Woche ein „neues, belastbares“ Angebot vorzulegen.

„Partnerschaft ernsthaft in Gefahr“

Andernfalls, so die Botschaft, sähen sich die Unternehmen gezwungen, eine eigene Ausschreibung zu starten und einen Konkurrenten mit dem Reinigungs-Service zu beauftragen. „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir die langjährige partnerschaftliche Zusammenarbeit ... ernsthaft in Gefahr sehen“, heißt es.

"Wir benötigen Klarheit", sagt ADW-Vorsitzender Franz-Bernd Große-Wilde.

"Wir benötigen Klarheit", sagt ADW-Vorsitzender Franz-Bernd Große-Wilde. © Beushausen

Dabei dreht sich der Streit um jene Mehrfamilienhäuser und Wohnkomplexe, deren Bewohner es mit dem Müllsortieren und der Sauberkeit nicht sonderlich ernst nehmen. Dem wollten EDG und Vermieter gegensteuern, indem sie Mülltonnen für jeweils rund 20 bis 30 Wohnungen zusammengefasst und an einem Sammelplatz gebündelt haben.

Zäune sollen verhindern, dass Auswärtige ihren Müll ablagern. 729 solcher Behälterplätze hält die EDG aktuell sauber. Der Abfall aus 15 574 Haushalten landet dort.

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Damit das Wohnumfeld auf Dauer ansehnlich bleibt, haben EDG und Vermieter vor Jahren Sonder-Reinigungen vereinbart. Dabei werden die Standorte neben der Müllabfuhr einmal wöchentlich von Extra-Teams aufgesucht. Dort sammlen sie beispielsweise Abfall vom Boden auf, prüfen den Inhalt der Mülltonnen und sortieren Fehlwürfe um.

EDG: Es gibt kein neues Angebot

Folge: Behälter, die nicht mehr überquellen, müssen auch weniger häufig außer der Reihe geleert werden. Das senkt die Betriebskosten und hält die Müllgebühren im Zaum. „Der Bedarf nach einer solchen Dienstleistung ist da“, schreibt Große-Wilde. Das hätten gerade die vergangenen Wochen gezeigt. Er weiß, worüber er spricht: Neben seinem Amt in der ADW ist Große-Wilde Vorstandschef beim Spar- und Bauverein.

Auch die Genossenschaft hat 2300 ihrer insgesamt 12.000 Wohnungen an die Sonder-Reinigung gekoppelt. Dafür zahle sie 27.000 Euro/Jahr. „Der Service hat uns viel gebracht“, sagt Große-Wilde auf Anfrage. „Wir hatten Ruhe an den Standorten.“

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Seit dem Preisangebot der EDG vom 18. März scheint es damit vorbei. Große-Wilde spricht von einer “Erhöhung um rund 300 Prozent“. Das sei nicht akzeptabel - und der Unmut innerhalb der Wohnungswirtschaft groß.

Er könnte noch größer werden: „Es wird kein weiteres Angebot geben“, stellt EDG-Geschäftsführer Frank Hengstenberg auf Anfrage der Redaktion klar. Das Angebot aus März sei bereits ein nachgebessertes.

Dabei macht Hengstenberg folgende Rechnung auf: Haushalte, die von der Extra-Reinigung profitieren, zahlten über ihre Betriebskosten im Schnitt 4 bis 5 Cent pro Quadratmeter und Monat. Macht für eine 60 Quadratmeter-Wohnung umgerechnet bis zu 3 Euro monatlich. „Diese Preise sind nicht mehr zu halten und in keiner Weise kostendeckend“, sagt der EDG-Geschäftsführer.

Vermieter erwägen Ausschreibung

Inzwischen habe sich das Arbeitsaufkommen „vervielfacht“. Manche Sammelplätze seien so stark verschmutzt, dass die Trupps deutlich mehr Zeit benötigten. Der höhere Aufwand müsse sich in der Preisgestaltung niederschlagen.

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Das Angebot sehe vor, die Preise pro Wohneinheit um rund einen Euro monatlich zu erhöhen. Hinzu komme eine Anfahrtspauschale von je 20 Euro. Die falle aber nicht pro Haushalt an. Sie werde auf alle Wohnungen umgelegt, die der jeweiligen Sonderreinigung angeschlossen seien.

„Wir überziehen nicht“, sagt Hengstenberg. Das Thema sei sowohl mit dem EDG-Aufsichtsrat als auch mit den Gesellschaftern (Stadt und Dortmunder Stadtwerke) abgestimmt.

Die Zeit läuft davon

Die Wohnungswirtschaft beeindruckt das nur mäßig. Große-Wilde setzt darauf, dass beide Seiten noch mal ins Gespräch kommen – während für Hengstenberg die Angelegenheit mehr oder weniger abgeschlossen ist.

Den Wohnungsgesellschaften läuft die Zeit davon. „Wir benötigen langsam Klarheit, wie es 2021 weitergeht", gibt Große-Wilde zu bedenken. „Die Unternehmen müssen wissen, wie sie planen sollen.“ Bleibe es bei dem Angebot, werde man die Dienstleistung wohl ausschreiben. Mit dem Risiko, dass der Lokalmatador EDG im heimischen Revier den Auftrag los ist.

Und wie sieht der Mieterverein den Streit? Im Einzelnen betrachtet, handele es sich sicher nicht um Riesenbeträge, findet Tobias Scholz, wohnungspolitischer Sprecher. Das Problem sei, dass sich bei den Betriebskosten viele kleine Posten summierten. „Insgesamt betrachtet kommt da ganz schön was zusammen.“

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