Die Unruhe in der Belegschaft der EDG könnte auch Verdi zum Verhängnis werden. Denn als Gewerkschaft hat sie inzwischen Konkurrenz. © picture alliance/dpa
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Stress in der EDG-Belegschaft: Verdi verliert Mitglieder

Aufmüpfige Mitarbeiter per Videokamera überführen? Die Ankündigung der EDG könnte der Gewerkschaft Verdi auf die Füße fallen – und am Ende sogar noch der Konkurrenz die Tür zum Stadt-Betrieb öffnen.

Anonyme Schreiben, die vermeintliche Missstände bei der EDG aufzeigen und als „Hilferuf“ an die SPD-Fraktion adressiert sind. Ein Betriebsrat, der Ruhe in den Laden bringen will. Und seinen Segen gibt, „Aufmüpfige“ per Video beim Verteilen von Flyern auf dem Betriebsgelände zu überführen: Seit der Abberufung von Ex-Arbeitsdirektor Wolfgang Birk 2018 kommen die Müllwerker nicht zur Ruhe.

Rund 750 gewerbliche Mitarbeiter stehen bei der EDG in Lohn und Brot. Wie groß der Anteil der „Aufmüpfigen“ ist? „Verschwindend gering“, sagt Birks Nachfolger Bastian Prange, EDG-Geschäftsführer und früherer Verdi-Sekretär.

Prange fürchtet, dass die Unruhe in Kreisen der EDG-Beschäftigten handfeste Folgen haben könnte: Voraussichtlich im ersten Quartal 2022 stehen im Hause EDG Betriebsratswahlen an. Die „Konkurrenz“ klopft bereits an die Tür.

Die Gewerkschaft Komba sieht ihre Stunde gekommen – und will sich der Belegschaft als Alternative zu Verdi empfehlen. „Meine Sorge ist, dass die Unruhe durchschlägt und die Betriebsratswahlen beeinflusst“, sagt Prange.

Komba bietet sich Beschäftigen an

Seit Monaten wird kolportiert, zahlreiche Müllwerker hätten sich bereits von Verdi verabschiedet und seien zu Komba gewechselt. Mal ist die Rede von „rund 100 Austritten“, mal sollen es gleich „mehrere hundert“ sein. Genaue Zahlen sind nicht zu erhalten. EDG-Arbeitsdirektor Prange bestätigt, dass es zu Austritten gekommen sei. Als ehemaliger Verdi-Sekretär wisse er, dass es immer mal wieder zu Schwankungen kommen könne. „Das ist aber ganz normal“, sagt Prange.

Lachender Dritter könnte die Gewerkschaft Komba sein. Komba präsentiert sich als Fachgewerkschaft nicht nur für kommunale Beamte, sondern auch für Beschäftigte in städtischen Betrieben. Vom Organisationsgrad, den Verdi aufweist, ist Komba allerdings weit entfernt. In Dortmund kommt Komba aktuell auf knapp 1200 Mitglieder.

Die Übermacht von Verdi wird an vielen Stellen deutlich: Von 25 Mitgliedern im Personalrat der Dortmunder Stadtverwaltung halten vier die Komba-Fahne hoch. Verdi kommt auf 19, die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft (DfeuG) auf zwei. Komba mischt auch im Klinikum sowie bei der Klinikums-Tochter ServiceDo mit, sieht sich aber auch dort in der Minderheit.

Bei der EDG hat das bislang nicht funktioniert: Kein einziger der 13 Betriebsräte ist Komba-Mitglied. Das soll sich 2022 ändern.

„Nicht unter die Gürtelinie zielen“

Und Komba geht auch schon auf Stimmenfang: In einem „Offenen Brief“, unterzeichnet von Komba-Vize Friedhelm Borgstädt, geht die Gewerkschaft auf Distanz zum EDG-Betriebsrat. Es sei „höchst befremdlich, dass der Betriebsrat … einer Auswertung von Videoaufzeichnungen aus dem Betrieb zugestimmt hat“, heißt es. Das stehe weder im Einklang mit dem Datenschutz noch mit dem Betriebsverfassungsgesetz.

„Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir bei den Betriebsratswahlen erstmals eine Liste mit eigenen Kandidaten aufstellen können“, kündigt Borgstädt auf Anfrage an. Der Organisationsgrad von Komba in der EDG-Belegschaft sei „mittlerweile beträchtlich.“ Wie zu erfahren war, sollen die Gewerkschaft rund 100 Müllwerker auf ihrer Seite haben.

EDG-Geschäftsführer Prange ahnt, dass im nächsten Betriebsrat Vertreter zweier Gewerkschaften Platz nehmen könnten. Kein Problem, sagt Prange. Er wünsche sich sogar ein streitbares Gremium. Prange. „Wichtig ist, dass alle die Regeln einhalten und nicht unter die Gürtellinie zielen.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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