Um Arbeiten im Freibad Volkspark gibt es Ärger. Unter anderem geht es um diese Säulen - derzeit ruht die Baustelle. © RN
Sportwelt Dortmund

Stress um Bauarbeiten im Freibad Volkspark: Stadt ist überrascht von Problemen

Wie geht’s weiter mit den Arbeiten im Freibad Volkspark? Die Sportwelt Dortmund als Betreiber fühlt sich von der Stadt ausgebremst. Deren Antwort ist bemerkenswert - die Akteure der Sportwelt sind baff.

Hängen im Schacht im Freibad Volkspark: Die Arbeiten für die Neuplattierung des Freibades im Bereich der früheren Umkleiden sind gestoppt. Der Badbetreiber Sportwelt Dortmund wartet erst auf eine Ansage der Stadt, was mit den sanierungsbedürftigen Stützen im Bereich der Umkleiden passieren soll.

Erst die Stützen, dann die weiteren Pflasterarbeiten und zuletzt der Wiederaufbau der Umkleiden – so sieht der Fahrplan des Badbetreibers aus. Problem: Von der Stadt, Eigentümerin der Anlagen, komme einfach keine Ansage, kritisiert die Sportwelt Dortmund.

Doch, sie kommt: Allerdings anders, als sich der Badbetreiber das wünscht. Auf Anfrage dieser Redaktion hat nun die Stadt ihre Stellungnahme abgegeben. Und die fällt bemerkenswert aus: „Die Problematik der Umkleiden beziehungsweise der bauliche Zustand der Gebäude ist den Sport- und Freizeitbetrieben nicht bekannt“, heißt es darin wörtlich.

Und: Es sei Aufgabe des Badbetreibers, der Stadt ein Sanierungskonzept inklusive Kostenschätzung vorzulegen. Das sei „die elementare Grundlage für eine Finanzierungsentscheidung und eine Bauerlaubnis“. Fundierte Unterlagen, die den Sport- und Freizeitbetrieben „eine Befassung und Entscheidung ermöglichen, liegen jedoch nicht vor“.

Badbetreiber hält dagegen: „Das kann nicht sein“

Die Akteure der Sportwelt Dortmund gGmbH sind baff. „Bei den Sport- und Freizeitbetrieben hat man keine Kenntnis über den Zustand der Anlagen?“, wundert sich Geschäftsführer Jörg Husemann. Und sagt prompt: „Das kann nicht sein.“

Die Sportwelt bleibt bei ihrer Darstellung: Im April 2021 habe man die Sport- und Freizeitbetriebe erstmals auf die maroden Säulen im Umkleidebereich aufmerksam gemacht. In der Folge habe man mehrfach versucht, Verantwortliche zu einer „Besichtigung“ einzuladen. „Vergebens“, so Husemann. „Es gab keine Reaktion.“ Dann habe die Sportwelt auf eigene Kosten einen Statiker beauftragt.

Das Freibad Volkspark ist fast vollständig neu plattiert. Nur am Umkleidebereich geht's nicht weiter.
Das Freibad Volkspark ist fast vollständig neu plattiert. Nur am Umkleidebereich geht’s nicht weiter. © RN © RN

Der sei zu dem Ergebnis gekommen: Zwar bestehe für den Verbindungstrakt über den Säulen keine akute Einsturzgefahr. Das nicht. Dennoch habe der Statiker „dringenden Handlungsbedarf“ angemahnt.

Und: Sollte es nicht gelingen, die Sportverwaltung kurzfristig zu einer Entscheidung zu bewegen, so seine Empfehlung, seien „zusätzliche Sicherungsmaßnahmen anzuordnen“.

Im Freibad Volkspark liegt noch weit mehr im Argen

Diese Stellungahme liege den Sport- und Freizeitbetrieben vor, sagt Sportwelt-Chef Husemann. Aber nicht nur das: Er halte es für „schlechterdings unmöglich“, dass die Verwaltung über den Zustand der Anlagen nicht im Bilde sei. Das betrifft nicht nur die maroden Säulen und die Fußbodenplatten. Es liegt weit mehr im Argen im Freibad Volkspark.

Auch das Gebäude mit dem Kiosk und dem früheren, längst stillgelegten Restaurant ist sanierungsbedürftig. Der Boden des Kiosks wird von der darunter liegenden Kellerdecke getragen. Und das offenbar mehr schlecht als recht: Die Kellerdecke wird ihrerseits mit einer Vielzahl an hölzernen Pfählen gestützt – und ist laut Feststellung eines weiteren Gutachters ebenfalls „zu sanieren“.

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt der Gutachter auch für die Räume des früheren Restaurants im Obergeschoss. Auch diese Flächen seien „sanierungsbedürftig“ und „in Abstimmung mit dem Denkmalschutz zu sanieren“ heißt es.

DSBG-Papier sieht Sanierungsbedarf von 20,68 Millionen Euro

Wo das alles steht? In der 52 Folien starken Analyse der „Deutsche Sportstättenbetriebs- und Planungsgesellschaft“ (DSBG Herne) zur Dortmunder Bäderlandschaft, dokumentiert mit entsprechenden Fotos. Sie war von der Stadt in Auftrag gegeben und den Vereinen im Mai 2021 bei der „Informationsveranstaltung Schwimmbadlandschaft Dortmund“ umfassend vorgestellt worden.

Die Untersuchung, die als Fundament für das Bäderkonzept der Stadt Dortmund dient, beziffert den Sanierungsaufwand allein für das Freibad Volkspark mit mehr als 20,68 Millionen Euro. Das Problem mit den maroden Stützen ist da noch gar nicht mitgerechnet.

Wie könne es sein, dass die Sport- und Freizeitbetriebe der Stadt sagen, sie kennen den baulichen Zustand der Anlagen nicht?, fragen sich die Sportwelt-Akteure, die mit ihrem Latein langsam am Ende sind.

Es bleibt vorerst dabei: Die Arbeiten vor den Umkleiden im Freibad Volkspark sind ausgesetzt und können nach Meinung der Sportwelt erst nach einer Entscheidung der Stadt fortgeführt werden. Von daher bleibt vorläufig offen, ob Badbesucher auch 2022 auf Umkleiden verzichten müssen.

Sportwelt: „Für eine Sanierung brauchen wir mehr Geld“

Der Rat der Stadt hat zwar im Juni 2020 Investitionszuschüsse in Höhe von 1,594 Millionen Euro für die Sportwelt Dortmund beschlossen. Allerdings nicht nur für das Freibad Volkspark: Darin enthalten sind in erster Linie Baumaßnahmen für Hallenbäder – etwa für die Anlagen in Hombruch, Lütgendortmund und Mengede.

Die Kosten für die maroden Säulen im Volkspark, die erst später entdeckt wurden, sind in der Summe nicht aufgeführt.

Und nun? Die Sportwelt hält an ihrer Maßgabe fest: „Wenn die Stadt uns mit der Sanierung der Stützen beauftragt, lassen wir das machen.“ In dem Fall benötige man allerdings mehr Geld als die zur Verfügung gestellten Mittel, sagt Husemann. Die Anlagen stünden schließlich im Eigentum der Stadt. „Wir“, sagt Husemann, „sind der Betreiber“.

Über den Autor
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Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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