Stripclub ohne Striptease und ohne Musik: „Für mich war das reine Willkür“

rnTable-Dance-Club

Bars und Restaurants sind im November in ganz Deutschland geschlossen. Dortmunder Discos und Clubs bereits seit März. Ganz spezielle Probleme erlebt das Team des Kir Royal am Hohen Wall.

Dortmund

, 19.11.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Team des Table-Dance-Clubs Kir Royal hatte schon im Frühjahr kaum noch Hoffnungen, die Corona-Pandemie zu überstehen. „Die Reserven sind aufgebraucht und wir haben keinerlei weitere Unterstützung“, ist seit April auf der Facebook-Seite des Ladens zu lesen.

„Wir wollen aber nicht aufgeben“, heißt es im selben Text - und das hat sich zwischenzeitlich gelohnt. Seit dem 14. August (Freitag) war der Stripclub am Hohen Wall gegenüber der Thier Galerie wieder geöffnet - bis zum November-Lockdown. Eine Spendenaktion und der Verkauf von bedruckten Shirts, Pullis und Taschen haben einen Beitrag zur Rettung geleistet.

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Besitzerin Bianca hat alles gegeben, um zügig wieder die Türen öffnen zu können. Ihren vollen Namen möchte sie nicht nennen, weil sie tagsüber in einem anderen Job arbeitet und sie nicht jeder mit Table-Dance verbinden soll. „Wir haben umgebaut, es gab einen Eingang und einen gesonderten Ausgang und alle Stühle, die direkt um die Bühne herum stehen, wurden entfernt“, sagt sie: „Plexiglas wurde großzügig verarbeitet und Mundschutz wie auch Handschuhe lagen bereit.“

Kir Royal am Hohen Wall in Dortmund

Am Hohen Wall, gegenüber der Thier Galerie, bleiben die Türen im November geschlossen. © Kevin Kindel

Trotzdem kam Mitte Juni eine Absage der Stadt Dortmund: Weil getanzt werde, sei der Laden mit einer Discothek gleichgestellt, hieß es. Und die dürfen seit März nicht öffnen. „Dass nur eine Person tanzt, die zu den Sitzplätzen mindestens einen Abstand von vier Metern hat, interessierte da nicht“, sagt Bianca.

Als der Umbau fertig war, kam die Sperrstunde

Sie hat weiter umgebaut, Abstände ausgemessen und neue Konzepte eingereicht. Was folgte, war aber ein Nackenschlag nach dem anderen: Erst hieß es, man könne als reine Gastronomie öffnen, allerdings ohne Tänzerinnen und sogar ganz ohne Musik. Vor allem letzteres versteht Bianca nicht. In allen anderen Kneipen der Stadt durfte schließlich Musik laufen. „Für mich war das reine Willkür“, sagt die Chefin.

Um Musik erlaubt zu bekommen, mussten weitere Abstände her, dafür wurde der Vip-Bereich im Kir Royal abgerissen. Knapp zwei Monate lang konnte der Laden öffnen, aber: „Als das fertig war, musste ich schon wieder schließen“, sagt Bianca niedergeschlagen. Erst kam die 23-Uhr-Sperrstunde und dann der neue November-Lockdown.

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„Ich war lange zuversichtlich“, sagt die Betreiberin: „Aber jetzt habe ich Angst.“ Immerhin habe sie noch ihren regulären Job unter der Woche - doch für das Kir Royal werden mehr als 5000 Euro Miete fällig. Wie sehr die sogenannte November-Hilfe in Höhe von 75 Prozent des Umsatzes im Vorjahresmonat etwas bringt, weiß sie noch nicht. Die Tänzerinnen und andere Mitarbeiter sind Minijobber und Freiberufler, denen die Einnahmen komplett fehlen.

Eine Klage war bereits eingereicht

Wie es ihr aktuell geht? „Schlecht“, sagt Bianca: „Man hängt so in den Seilen.“ Schließlich wisse bislang niemand, ob die aktuellen Maßnahmen wirklich nur für den November gelten und ob man im Dezember wieder öffnen kann. Für einen Nachtclub sind außerdem die möglicherweise weiter bestehenden Themen Alkoholverbot und Sperrstunde zentral.

Zusammen mit etwa 15 anderen Gastronomen hatte Bianca Ende Oktober Klage gegen die 23-Uhr-Sperrstunde eingereicht. Als dann der bundesweite „Lockdown Light“ verkündet wurde, hat die Gruppe die Beschwerde aber zurückgezogen. „Ich sehe wenig Sinn, dagegen zu klagen“, sagt Bianca konsterniert. Jetzt kann sie nur abwarten und möglichst viele Kosten einsparen.

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