Studie in Dortmund: Hepatitis-Viren in Leberwurst nachgewiesen

rnLebensmittel-Kontrolle

Ein Team der Universität Tübingen hat unter anderem in Dortmund Schweinefleisch aus Supermärkten und Metzgereien untersucht. Dies ist das Ergebnis.

Dortmund

, 09.09.2020, 09:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Tübingen haben bundesweit in mehreren kommerziellen Schweinefleischprodukten Hepatitis-E-Viren (HEV) nachgewiesen - unter anderem wurden 14 Leberwurst- und Leberpasteten-Proben aus Dortmund untersucht.

Die Proben vom Schwein habe man in Metzgereien und Supermarktketten, darunter Netto und Real, gekauft, teilte der Leiter der Studie, Prof. Thirumalaisamy Velavan auf Anfrage dieser Redaktion mit.

Während bundesweit mehr als zehn Prozent aller getesteten Proben mit Hepatitis-Viren kontaminiert gewesen seien, sei in Dortmund nur eine Probe betroffen (7 Prozent). Die untersuchte Leberwurst wurde zwischen dem 7. und 16. Januar 2020 in einem Real-Supermarkt gekauft.

Neben Dortmund untersuchten die Forscher um Thirumalaisamy Velavan Produkte aus Supermärkten und Metzgereien in Tübingen, Reutlingen und Stuttgart. Zwischen Oktober und Februar entnahmen die Wissenschaftler insgesamt 41 Proben von Schweinelebern, 40 von streichfähigen Leberwürsten, 40 von Leberpasteten und zehn von Rohwürsten ohne Leber.

Die Proben selbst stammten vor allem aus West- und Südwestdeutschland, einige aus europäischen Ländern wie Polen, Österreich, Belgien und den Niederlanden.

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Die Untersuchung habe gezeigt, dass Schweinefleischprodukte deutlich stärker betroffen seien als Schweineleber, sagte Velavan weiter. Die Proben der Schweinelebern wiesen einen Anteil von 5 Prozent auf, bei Leberwürsten waren es 13 Prozent. 7 Prozent betroffener Proben in Dortmund seien noch in Ordnung, sagte Velavan.

Der Vergleich mit früheren Studien habe zudem ergeben, dass das Vorkommen von Hepatitis-E-Viren in Lebensmitteln mit Schweineleber seit zehn Jahren relativ unverändert und sehr hoch sei.

Nicht untersucht wurde nach Angaben der Wissenschaftler jedoch, wie infektiös die Viren sind - sie könnten daher bereits inaktiv sein, wenn die Lebensmittel bei ihrer Herstellung entsprechend erhitzt wurden. „Erhitzt man das Fleisch für 20 Minuten auf 71 Grad, ist das Virus beseitigt“, so der Leiter der Studie.

Übertragung über unzureichend gegartes Fleisch

Hepatitis E wird hierzulande hauptsächlich über unzureichend gegartes, infiziertes Schweinefleisch und Wild übertragen. Nur in Einzelfällen wird sie als Reisekrankheit importiert. Mit Hepatitis A, B, C, D und E sind insgesamt fünf Arten der Leberentzündung bekannt.

Hepatitis A und E können der Behörde zufolge unbemerkt verlaufen oder für einige Wochen zu Übelkeit, Erbrechen und Oberbauchbeschwerden führen. Hepatitis B, C und D können dagegen schwere Leberschäden verursachen, die auch zum Tode führen können.

2019 wurden nach Angaben des Tübinger Instituts in Deutschland 3727 Fälle gemeldet. Im August 2020 lag die Zahl für das laufende Jahr bereits bei 2280 bekannten Fällen.

An der Untersuchung waren auch das Robert-Koch-Institut, das Bundesinstitut für Risikobewertung und die Medizinische Hochschule Hannover beteiligt. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im „Journal of Viral Hepatitis“.


Mit Material von dpa

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