Südtribünen-Sperrung: Was Sie jetzt wissen müssen

Borussia Dortmund

Die Südtribüne bleibt am Samstag beim Heimspiel des BVB gegen den VfL Wolfsburg (Anpfiff 15.30 Uhr) leer. Das hat der Deutsche Fußball-Bund so entschieden, vor allem als Strafe für die Schmäh-Plakate beim Leipzig-Spiel. Der BVB hat die Strafe akzeptiert. Für die Fans, den Verein, die Polizei und die Gastronomen in der Stadt hat das Konsequenzen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

DORTMUND

, 17.02.2017, 02:45 Uhr / Lesedauer: 3 min
Südtribünen-Sperrung: Was Sie jetzt wissen müssen

Die Südtribüne bleibt am Samstag leer.

Wie stellt sich die Polizei auf das Spiel ein?

Die Situation, sagt Polizeisprecher Kim Ben Freigang, sei auch für die Polizei neu. Normalerweise wäre die Begegnung mit dem VfL Wolfsburg ein „normales“ Bundesligaspiel. Weil aber unsicher ist, wie sich einige Fans, die sonst auf der Süd stehen, am Samstag verhalten, wird die Partie als Risikospiel gewertet. Es sind mehr Polizisten im Einsatz. Man wolle auf mögliche Eventualitäten vorbereitet sein, sagt Freigang. Der BVB reagiert ebenfalls und setzt deutlich mehr Ordner als üblich ein, sagt BVB-Stadionchef Dr. Christian Hockenjos.

Gibt es Hinweise auf Proteste?

Aktuell nicht, sagt Freigang. Die Polizei sei aber aufmerksam und wachsam.

Wie sperrt der BVB die Südtribüne?

Die Südtribüne lässt sich nicht einfach abschließen. Deshalb werden Ordner den Zugang versperren. Zudem gebe aus auch temporäre bauliche Absperrungen, sagt Hockenjos. Einschränkungen für die Stadionbesucher gibt es dadurch keine. Alle Eingänge, auch der Süd-Ost-Eingang, sind geöffnet. 

Gab es für die Fans, die sonst auf der Südtribüne stehen, noch die Möglichkeit an Karten zu kommen?

Für ein paar zumindest. Weil der VfL Wolfsburg nur wenige Fans mit nach Dortmund bringt, hat der BVB Gästeplätze, unter anderem die Stehplätze auf der Nordtribüne, für die eigenen Fans freigegeben. So können zum Beispiel Dirk Haslinde und ein paar weitere Mitglieder vom Fanclub Totale Offensive, doch noch im Stadion dabei sein. Das Gros der Süd-Fans bleibt aber draußen.

Was ist mit den Südstehern von außerhalb. Kommen diese trotzdem nach Dortmund?

Viele wollen trotzdem nah dran sein und kommen in die Stadt. Thilo Danielsmeyer vom Fanprojekt Dortmund berichtet zum Beispiel von Fanclubs aus dem Sauerland. Sie haben ihre Busse längst gebucht, fahren jedes Spiel nach Dortmund. Manche haben Steh-, manche Sitzplätze. Sie wollen auch Samstag nicht auf ihre gemeinsamen Rituale verzichten.

Wo können BVB-Fans das Spiel schauen, wenn nicht im Stadion?

Eine große Alternative, etwa ein Rudelgucken, ist nicht organisiert. Viele Fanclubs wollen in ihren Vereinsheimen schauen. Andere Fans können auf die Kneipen im Stadion-Umfeld ausweichen. Allerdings sind die auch ohne Süd-Sperre meist voll, vor allem im Kreuzviertel und in der City. Zwei Möglichkeiten:

  • Der Fanclub Totale Offensive nutzt an der Hirtenstraße 2 in der Nordstadt – ganz nah am Borsigplatz – Räume des Vereins „Stern im Norden“. Hier können 500 Fans zusammengucken. „Jeder ist willkommen“, sagt der Fanclub-Vorsitzende Dirk Haslinde. Bei dem Rudelgucken wird allerdings kein Alkohol ausgeschenkt. Darauf, sagt Haslinde, würde ganz bewusst verzichtet.
  • Im FZW, Ritterstraße 20 ist Platz für 150 Fans. Um Reservierung wird vorab gebeten: gastro@fzw.de

Wie bereiten sich die Gastronomen auf den möglichen Ansturm vor?

Das große Problem: Die Kneipen können sich nicht größer machen. Für Außengastronomie ist es noch zu kalt. „Voll ist voll“, sagt Hartmut Eicher vom Wenkers am Alten Markt, man werde sich aber personell auf mehr Gäste einstellen. So ähnlich sehen es auch die Kneipiers im Kreuzviertel. „Wir empfehlen, möglichst früh zu kommen“, sagt Jan Möller vom Balke an der Hohen Straße. Ab 13 Uhr ist offen.

In Kevin Großkreutz’ Kneipe „Mit Schmackes“ werden mehr Speisen und Getränke bereitgehalten. „Wir sehen uns gut aufgestellt“, sagt Mit-Betreiber Christopher Reinecke. Wolfgang Gärtner vom B-trieb an der Kreuzstraße sagt: „Wir haben leider nur 65 Quadratmeter, also werden bei uns nur Stammgäste gucken können. Das ist schade aber anders geht’s nicht.“

Besonders beliebt dürfte das Strobels direkt neben dem Stadion sein. „Es ist wahrlich eine besondere Situation, jedoch ändert sich für uns an diesem Spieltag nichts“, sagt Betriebsleiter Walter Stephan. Gäste sollen früh kommen, ab 11 Uhr ist das Strobels geöffnet.

Wenn weniger Fans im Stadion sind, fahren dann auch weniger Bahnen?

Nein. Bei den Stadtbahnen gibt es keine Änderungen. „Wir fahren unser ganz normales Bundesliga-Programm“, sagt DSW21-Sprecherin Britta Heydenbluth.

Wie ist die Stimmung bei den Fans?

Die meisten fühlen sich ungerecht behandelt. „Wir als Fanclub, der sich gegen Gewalt wendet, finden eine Kollektivstrafe schlimm“, sagt Hans-Jürgen Vormweg, Vorsitzender des Fanclubs Anno 94. „Der DFB macht es sich sehr einfach. Wir als Fanclub bezweifeln den Erfolg einer solchen Aktion.“ Dennis Vieth vom Fanclub Einigkeit glaubt, dass durch die Strafe noch mehr Gewaltpotenzial geschaffen wird. Er ist aber auch der Meinung, dass die BVB-Vereinsführung den Ultra-Gruppen zu lange zu viele Freiheiten gegeben hat.

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