Suizidabsicht? Psychiatrie erklärt, warum Mouhamed D. schnell entlassen wurde

Demo für Mouhamed D.
Hunderte Menschen haben bei Demos "Gerechtigkeit" für Mouhamed D. gefordert. Die Schreibweise seines Namens ist erst am Tag nach dieser Demo öffentlich bekannt geworden. © Kevin Kindel
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Im Fall Mouhamed D. gibt es neue Angaben zu seiner psychischen Verfassung. Laut einem vertraulichen Bericht an den Landtag hatte sich der 16-Jährige am Tag vor seinem Tod in einer Klinik von Selbstmordgedanken, die er vorher geäußert hatte, „klar“ distanziert.

Es habe keine Anzeichen für eine „Eigen- oder Fremdgefährdung“ gegeben, heißt es. Der unbegleitete Flüchtling aus dem Senegal hatte sich zuvor in der Nacht zum 7. August (Sonntag) gegen 0.30 Uhr in der Polizeiwache Nord gemeldet und gesagt, er wolle sich eventuell etwas antun.

Französisch-Dolmetscher in der Klinik

Die Beamten ließen den 16-Jährigen mit einem Rettungswagen in die LWL-Klinik für Jugendpsychiatrie bringen. Am Morgen des 7. August kam ein Französisch-Dolmetscher dazu, durch den eine „vertiefte“ Untersuchung möglich gewesen sei, so der Bericht.

Da der Jugendliche glaubwürdig gesagt habe, dass er doch keinen Suizid begehen wolle, habe es keine rechtlichen Voraussetzungen für eine zwangsweise Unterbringung gegeben. Der Dolmetscher habe ihm Unterstützungsangebote vermittelt.

Der Flüchtling habe noch gesagt, er wolle wieder in seine Heimat zurück. Dazu seien ihm Tipps gegeben worden, dann wurde er entlassen. Am folgenden Tag (8.8.) hielt sich der 16-Jährige ein Messer an den Bauch. Nach dem polizeilichen Einsatz von Pfefferspray und Elektro-Tasern erschoss ein Polizist den Jugendlichen.