Super-Blitzer lauert Rasern in Dortmund auf

Neue Lasertechnik

Höhere Unfallzahlen und mehr Todesopfer auf den Autobahnen: Die Polizei will in Baustellen und auf freier Strecke die Raser stoppen. Dafür setzt sie jetzt auch in Nordrhein-Westfalen mobile Laserscanner, die permanent den Verkehr abtasten. Die Technik kommt fünf Tage lang ohne Personal aus - und wird zuerst in und um Dortmund eingesetzt.

DORTMUND

, 01.09.2017, 03:23 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auf den 1000 Autobahn-Kilometern im Regierungsbezirk Arnsberg ist die Zahl der getöteten Unfallopfer in der ersten Jahreshälfte 2017 auf 16 angestiegen - in der ersten Jahreshälfte damit mehr als im gesamten Jahr 2016, in dem 13 Auto-, LKW- und Motorradfahrer auf der Straße ihr Leben ließen. Mit deutlich mehr Tempo-Kontrollen auf den Autobahnen konnte die Polizei die Zahl der erkannten Geschwindigkeitsverstöße um 86 Prozent auf fast 108.000 Fälle steigern.

Ab Oktober 2017 setzt die Dortmunder Polizei auf den Autobahnen im Regierungsbezirk Arnsberg und anderen Strecken einen mobilen Laserscanner ein, der dank leistungsstarker Batterien fünf Tage lang autark arbeiten kann. Die Polizei muss den Anhänger nur in Postion bringen - und dann seine Arbeit machen lassen. Die Technik arbeitet rund um die Uhr und kann die Raser-Daten über ein sicheres Modem an die Polizei senden.

Laser tasten permanent den Verkehr ab

Die Laser der laut Hersteller ungefährlichen Klasse 1 tasten permanent die entgegen kommenden Fahrzeuge ab. Dabei erfassen sie mehrere Messpunkte an den Fahrzeug-Fronten, damit der Bordcomputer die Geschwindigkeiten berechnen und bei einem Tempo-Verstoß die Kamera aktivieren kann. Der Super-Blitzer erfasst - auch in dichtem Verkehr - auf mehreren Spuren nebeneinander fahrende Fahrzeuge und sogar rasende Drängler.

Jan Schabacker vom Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD) geht nicht davon aus, dass der Anhänger bei der Dortmunder Polizei signifikant mehr Tempo-Verstöße feststellen werde. Die Polizei kann die Technik dagegen in Baustellen oder gefährlichen Kurven einsetzen - und damit an Orten, die wegen der Unfallgefahr für Polizisten zu gefährlich sind. Die Radarwagen der Polizei sind mit Personal besetzt. Der Anhänger kommt ohne Personal aus.

300 Modelle seit 2015 in Frankreich im Einsatz

Der Wiesbadener Hersteller "Vitronic" hat den "Enforcement Trailer" (Hersteller-Name) mit einem Partnerunternehmen in Frankreich entwickelt und dort seit 2015 bereits über 300 Exemplare verkauft. In Deutschland sind laut Unternehmenssprecher Sebastian Ramb inzwischen über 40 mobile Laser-Scanner im Einsatz.

Das Physikalisch-Technische Bundesamt in Braunschweig hat die Anlage abgenommen. Bedeutend sei wegen hoher Unfallzahlen auch der Absatzmarkt im mittleren Osten: Die Polizei in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi Arabien setze auf die moderne Messmethoden. Der Verkauf der Technik macht bei Vitronic 50 Prozent der Gesamtumsatzes (125 Mio. Euro im Jahr) aus.

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Nach Dortmund stattet die NRW-Polizei noch im Jahr 2017 die Polizeibehörden in Köln und Düsseldorf aus. In Köln ist der Anhänger getestet worden. 2018 sollen weitere mobile Anlagen in Betrieb gehen. Offizielle Angaben über die Kosten gibt es nicht.

Zu geringer Abstand und zu hohes Tempo

Der Leitende Polizeidirektor Ralf Ziegler sagte als Chef der Direktion Verkehr im Dortmunder Polizeipräsidium, dass zu geringer Abstand und zu hohes Tempo auf den Autobahnen die häufigsten Unfallursachen seien. Er kündigt deutlich mehr Kontrollen an: "Wir müssen das Tempo-Niveau wieder senken", sagte er über das Ziel. 30 von 100 Unfällen führt die Polizei auf Ablenkung unter anderem durch Smartphones und andere technische Geräte (Navi, Bordcomputer) zurück.

Einsetzen werde die Polizei die Laserscanner nicht nur auf stark befahrenen Strecken, betont LZPD-Sprecher Jan Schabacker. Der Anhänger könne auch auf schwächer genutzten Strecken postiert werden, auf denen - zum Beispiel nachts - eine hohe Unfallgefahr bestehe. Ohne im Messbetrieb Personal zu beanspruchen. Der LZPD-Sprecher: "Schlimme Unfälle gibt es nicht nur auf stark befahrenen Straßen."

1. Jahreshälfte: 247 Getötete im Straßenverkehr

Auf Nordrhein-Westfalens Straßen sind in der ersten Jahreshälfte 2017 laut Innenministerium 274 Verkehrsteilnehmer getötet worden, 6 weniger als im gleichen Zeitraum 2016. Schwer verletzt wurden 7518 Personen, Innerhalb geschlossener Ortschaften starben 101 Menschen, außerhalb 121 und auf Autobahnen 37. Auf Autobahnen gefährlich sind auch die Stau-Enden mit schlimmen Auffahrunfällen.

Anruf bei Diebstahls-Versuch

Laser und Kamera des Anhängers blicken durch einen Schlitz in der Front der Karosserie. Die Rückseite erinnert optisch an einen Eisberg. Eher ein Zufall. Zwar haben auch Produktdesigner am Aussehen mitgewirkt, doch die abgeflachten Oberflächen sollen laut Hersteller ein Besteigen oder Überklettern erschweren. Geschützt ist das teure Innenleben auch mit schusssicherem Material. Sensoren können Diebstahls-Versuche und Vandalismus erkennen und automatisch die Polizei verständigen.

2016 ist in NRW auch die Zahl der Handy-Verstöße um 11 Prozent auf 164.000 Fälle gestiegen. In der ersten Jahreshälfte 2017 wurden 94.896 Verstöße festgestellt. Die Polizei steht auf Brücken und fotografiert die Fahrer, während diese das Smartphone in der Hand halten. Die Polizei Dortmund nimmt am 21. September 2017 am Projekt "Edward" teil (= European Day Without A Road Death). 2016 wurden bei dieser Aktion 1607 Tempo-Sünder erwischt.

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