Als Susanne Bohne in Hartz IV rutschte, verlor sie beinahe den Mut. „Hallo liebe Wolke“, rief sie in den Himmel und bekam eine Antwort. Heute lebt sie von Einnahmen aus ihren Kinderbüchern.

Dortmund

, 27.04.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sie solle sich zur Politesse umschulen lassen, haben sie gesagt. Langes Warten auf den grauen Fluren des Jobcenters wurde zum Alltag, der Glaube an sich selbst immer kleiner. „Man kommt sich wie der schmarotzende Sondermüll unserer Gesellschaft vor“, schreibt Susanne Bohne in einem Post bei Instagram.

Doch damit wollte sie sich nicht abfinden. Die studierte Germanistin und ausgebildete Mediengestalterin, die nach der Geburt ihrer Tochter arbeitslos geworden war, nahm ihren letzten Krümel Mut zusammen und beschloss den Schritt in die Selbstständigkeit. Eine Geschichte übers Wagen und Gewinnen.

Wenn sie sich einsam fühlt, spricht sie mit den Wolken

Susanne Bohne hat schon immer gerne geschrieben. „Das liegt mir einfach“, sagt sie. Als ihre Tochter Ende 2016 in die Kita kommt und sie wieder ein bisschen mehr Zeit für sich hat, fühlt sie sich oft einsam. Die Alleinerziehende fängt an, Zwiegespräche mit den Wolken zu führen. „Das klingt wahrscheinlich furchtbar schräg, aber es war so“, erzählt die 41-Jährige heute.

Die Dortmunderin schreibt ihre damals Gedanken auf, verfasst Briefe an die liebe Wolke und postet eines Tages einen längeren Text auf ihrer Facebook-Seite. „Ich habe so viel Zuspruch bekommen. Das hat mich wirklich überrascht“, sagt Susanne Bohne. Und es macht ihr Mut. Sie veröffentlicht weitere Posts. Mal geht es um sie als alleinerziehende Mutter, mal sind es kleine Anekdoten über ihr Töchterchen, das gerade in einer Trotzphase steckt.

„Viele andere Mütter konnten sich damit identifizieren. Sie haben meine Texte kommentiert und geteilt, und so entstand schnell ein reger Austausch. Das war toll“, erinnert sie sich. Gepusht vom Zuspruch startet Susanne Bohne einen Blog – unter dem Titel „Hallo liebe Wolke“. Sie schreibt weiterhin zu den Themen Mamasein, Erziehung und Familie, veröffentlicht aber auch kleine Lerngeschichten, die sie ursprünglich für ihre Tochter geschrieben hat.

Susanne Bohne (41) lebte von Hartz IV – Heute schreibt sie erfolgreich Kinderbücher

Ihre Geschichten illustriert die studierte Germanistin und ausgebildete Mediengestalterin selbst. Hier zeichnet sie Willi, den Marienkäfer. © Christin Mols

In ihrer ersten Geschichte lernen Kinder mit Wilma Wochenwurm die Wochentage kennen. Schnell folgen weitere selbst illustrierte Lerngeschichten, wie die der Spinne Pinzipunzi, die mit einem roten und einem blauen Bein spielerisch leicht die Uhr erklärt. „Ich habe mich in der Kita informiert, welche Themen dort wichtig sind, und mich daran orientiert“, sagt sie Autorin. Die Texte sowie Mal- und Bastelvorlagen stellt Susanne Bohne kostenlos zur Verfügung.

Dann kommen die ersten Mails: „Kann man das auch als Buch kaufen?“ Bis dahin hat Susanne Bohne keinen Pfennig Geld mit ihren Veröffentlichungen verdient. „Ich lebte von Hartz IV und hatte wenig Aussichten auf einen Job, der sich mit meinen Vorstellungen vereinbaren ließ. Ich wollte auch für mein Kind da sein können.“

Lerngeschichten mit Wilma Wochenwurm gehen in den Druck

Da beim Self-Publishing das unternehmerische Risiko für Susanne Bohne gering ist, wagt sie den Schritt über die Plattform „Books on Demand“. Im Sommer 2018 erscheint ihr erstes gedrucktes Buch: Lerngeschichten mit Wilma Wochenwurm. „Ich hätte nicht gedacht, dass das tatsächlich einer kauft. Aber es hat funktioniert“, freut sich Susanne Bohne. Noch heute ist sie von ihrem Erfolg überraschst.

Weitere Bücher werden gedruckt: Es erscheinen noch im selben Jahr unter anderem die Teile 2 und 3 von Wilma Wochenwurm – Nummer 4 folgt im Mai 2019. Seit Februar dieses Jahres gibt es auch das Buch „Stella ist still“ im Online- und im Buchhandel. Es enthält Geschichten über das Anderssein – mit der introvertierten Pinguindame Stella, dem rosafarbenen Koala Paul und dem Seepferdchen Karl, das bei Papa lebt.

Susanne Bohne (41) lebte von Hartz IV – Heute schreibt sie erfolgreich Kinderbücher

Diese gedruckten Bücher von Susanne Bohne sind bereits erschienen. © Christin Mols

Für jedes Buch – die Bücher kosten unter zehn Euro – bekommt Susanne Bohne weniger als einen Euro. Aber: Es lohnt sich dennoch. Ihre Bücher werden inzwischen deutschlandweit verkauft und auch, wenn sie davon bisher nicht reich geworden ist, „es reicht für mich und meine Tochter zum Glücklichsein“. Schon wenige Woche nach dem Erscheinen ihres ersten gedruckten Buches ist Schluss mit Hartz IV – und die alleinerziehende Mutter steht wieder auf eigenen Beinen.

Nichts sei besser, als nicht mehr zum Amt zu müssen. „Ich bin so glücklich und dankbar, dass ich das tun darf, was ich liebe. Schreiben ist meine Gabe, es ist das Einzige, was ich wirklich gut kann“, sagt die Mutter eines fünfjährigen Wirbelwinds, der ihr größter Kritiker ist und für den sie trotz Arbeit genug Zeit hat. Denn sie kann bei freier Zeiteinteilung von zu Hause aus arbeiten.

Positives Feedback in den sozialen Netzwerken

Für ihren Blog und ihre Bücher wirbt Susanne Bohne nicht nur auf Facebook, sondern auch bei Instagram und Pinterest. Als Influencerin sieht sie sich dennoch nicht. „Ich bin nicht so gerne Selbstdarstellerin. Das können andere besser.“ Es gehe ihr auch nicht darum, möglichst viele Follower zu gewinnen. „Ich freue mich einfach über die, die da sind, weil sie toll finden, was ich mache.“ Und letztlich sind die, die schon da sind, auch die, die die heutige Kinderbuchautorin so weit gebracht haben. Mit ihrem positiven Feedback.

Anderen Mamas gibt Susanne Bohne mit: „Vergesst euch nicht selbst. Glaubt an euch. Und hört nicht auf zu träumen.“

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