Michael Mantell, von der Stifts Apotheke in Hörde, ärgert sich über gefälschte Impfpässe. © Marius Paul (Archiv)
Corona-Schutzimpfung

Täglich Verdacht auf gefälschte Impfpässe in Dortmunder Apotheken

Jeden Tag versucht jemand in Dortmund, einen gefälschten Impfpass in der Apotheke vorzuzeigen. Die Apotheker, die die Echtheit der Impfpässe prüfen müssen, stoßen ihre Grenzen.

„So eine Situation möchte ich eigentlich nie mehr wieder erleben“, erzählt der Dortmunder Apotheker Michael Mantell. Zwei Männer seien mit gefälschten Impfpässen in seine Apotheke in Hörde gekommen, erzählt er, und hätten ihn anschließend sogar bedroht.

Mehrere Ungereimtheiten in Impfpässen

Die Ausstellung des digitalen Impfzertifikates sei „ein ganz entscheidender Schritt“, wie Mantell erklärt, denn sobald ein QR-Code ausgestellt wurde, sei dessen Fälschung nicht mehr nachzuweisen. Deswegen müssten Apotheker auch „sehr genau und penibel“ auf Ungereimtheiten achten, bevor sie den Code ausgeben könnten.

Bei den zwei Männern, die am Mittwoch (24.11) bei Mantell in die Apotheke kamen, entdeckte er diese Ungereimtheiten in den Impfpässen: „Die waren noch jungfräulich, bis auf die Covid-Impfungen war nichts vermerkt“, darüber hinaus unterschied sich auch der angebliche Stempel des Dortmunder Impfzentrums von der Vorlage, die Mantell kannte.

Nach einiger Recherche stellte der Apotheker zweifelsfrei fest, dass es sich bei den Impfausweisen um Fälschungen handelte und informierte die Polizei. Bis zum Eintreffen der Beamten musste Mantell aber noch einiges aushalten.

Tägliche Verdachtsfälle von gefälschten Impfpässen in Dortmund

Einer der Männer wurde aggressiv und begann, den Apotheker zu bedrohen: „Der sagte, ich werde noch von seinen Anwälten hören und erweckte den Eindruck, als würde er gleich zu mir hinter den Tresen kommen wollen.“

Ähnliche Erfahrungen müssen die Dortmunder Apotheker momentan beinahe jeden Tag machen – Peter Bandermann, Pressesprecher bei der Dortmunder Polizei, sagt: „Wir ermitteln, sobald wir einen Hinweis von einer Apotheke bekommen“, was momentan mindestens einmal pro Tag der Fall sei.

Nur einen Tag vor dem Zwischenfall in Mantells Apotheke stellten die Beamten im Zuge einer Hausdurchsuchung in Dortmund zahlreiche Impfpässe sicher.

Der Fälscher-Schwarzmarkt im Internet boomt

Bandermann erklärt, dass die Polizei natürlich auch wisse, dass im Internet – speziell in vielen Gruppen des Messengerdienstes Telegram – gefälschte Impfausweise gehandelt werden würden.

Durch neue Einschränkungen steige der Druck auf ungeimpfte Personen, sich ein Impfzertifikat zu besorgen. „Idealerweise lassen sich die Menschen dann impfen“ sagt Bandermann, allerdings steige auch das Potenzial für den Schwarzmarkt.

Der Apotheker Mantell sagt dazu: „Im Internet gibt es natürlich einen unglaublichen Schwarzmarkt.“ Das größte Problem besteht aus seiner Sicht aber in der Kontrolle, so gebe es keine offiziellen Standards, um die Korrektheit eines Impfausweises zu überprüfen.

Die Möglichkeiten der Kontrolle sind begrenzt

Gastronomen und Einzelhändler „haben null Chance, einen gefälschten Ausweis zu erkennen“ und auch die Apotheker hätten dazu nicht die Daten, die sie benötigten.

Die zwei Männer in seiner Apotheke konnte Mantell überführen, indem er einen Bekannten anrief, der im Impfzentrum gearbeitet hatte und der die Impfchargen-Nummer überprüfen konnte. Apotheker selbst, so erklärt Mantell, könnten dies nicht, was aber nötig sei, um zu gewährleisten, dass aus gefälschten Impfpässen nicht schlecht überprüfbare QR-Codes werden.

Am Ende des Jahres 2020 hatten die Behörden für die Verteilung kostenloser FFP2-Masken noch fälschungssichere Gutscheine von der Bundesdruckerei ausgegeben. „Da haben sie noch so ein Bohei um Fälschungen gemacht“, sagt Mantell, „und bei den Impfpässen? Gar nichts!“

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