Tankstellenpächter kämpft um seine Existenz

Ausbau der B1

Während Autofahrer der Ausbau der B1 zwischen der B 236 und dem Kreuz Unna freuen wird, sehen Anwohner Rot. Sie treten auf die Bremse und wollen den im Sommer vorgesehenen Baubeginn noch verhindern. Vor allem ein Tankstellenpächter fürchtet den B1-Ausbau.

DORTMUND

, 14.01.2017, 06:02 Uhr / Lesedauer: 2 min
Uwe Pier, Pächter der Westfalen-Tankstelle an der B 1, sagt: „Kommt der Ausbau, kann ich zumachen“.

Uwe Pier, Pächter der Westfalen-Tankstelle an der B 1, sagt: „Kommt der Ausbau, kann ich zumachen“.

Es war im Mai 2003, als die damalige Bundestagsabgeordnete Ulla Burchardt auf der Schnettkerbrücke einen kühnen Ausblick gab auf die anstehenden Bauprojekte der B1. Damals ging es neben den beiden Tunnelprojekten auch um die Erweiterung der A40 von der Anschlussstelle B236 bis zum Autobahnkreuz Unna. Die rund 9,5 Kilometer lange Strecke sollte auf sechs Fahrspuren (drei je Richtung) erweitert werden. Jetzt, fast 14 Jahre später, sind die Ausbaupläne endlich fertig. „Wir würden gern in diesem Jahr starten, möglichst vor dem dritten Quartal“, sagt Karl-Heinz Aukschun, Abteilungsleiter bei der Deges (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH). Als Projektmangementgesellschaft übernimmt sie die bisherigen Planungen von Straßen.NRW und koordiniert die Bauausführung.

14 Brücken machen viel Arbeit

Der Ausbau der A40 erfordert, dass zehn von insgesamt 14 Brücken entlang der Strecke erneuert, ersetzt oder verbreitert werden müssen. Die Vorbereitungen laufen: Ingenieure sind dabei, die Tragfähigkeit der Bauwerke zu prüfen. Über den eigentlichen Startschuss sagen die Arbeiten allerdings noch nichts aus: Jetzt sind drei Anlieger vor das Münsteraner Oberverwaltungsgericht gezogen und klagen gegen den Beschluss zur Planfeststellung. Die ist nach langem Hin und Her im Juli 2016 abgeschlossen worden.

Hohe Lärmschutzwände

Nun gibt es drei Kläger. Zu denen gehört die Entwicklungsgesellschaft Stadtkrone Ost. Sie möchte verhindern, dass Autofahrer von stellenweise bis zu 12 Meter Meter hohen Lärmschutzwänden flankiert werden, hinter den das Neubaugebiet verschwindet - wir berichteten. „Bei einer Einigung mit Straßen.NRW ziehen wir die Klage sofort zurück“, betont Ludger Schürholz, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft. Noch im November 2016 habe man Straßen.NRW einen Vertragsentwurf zukommen lassen, sagt Schürholz. „Eine Reaktion haben wir bislang nicht.“ Schürholz ist zuversichtlich, Investoren zu finden, die neue Gewerbe- und Büroimmobilien in vorderster Reihe zur B1 bauen, die den Schall dämpfen und die Wand überflüssig machen.

Die Zeit spielt der Entwicklungsgesellschaft bei der Investorensuche in die Hände. Nach Angaben von Aukschun (Deges) wird der Ausbau der A40 in drei Abschnitte eingeteilt. Dabei startet das Bauprojekt nicht etwa in Höhe Stadtkrone Ost, sondern im mittleren Teil. „Also genau bei uns“, sagt Uwe Pier und schüttelt den Kopf. Genau das hat der 48-Jährige befürchtet. Seit rund 20 Jahren betreibt er die „Westfalen-Tankstelle“ in Fahrtrichtung Dortmund. Nun sieht er sich als Verlierer des Autobahnausbaus.

Die A40 als Lebensader

„Wenn das so kommt wie geplant, kann ich den Betrieb zumachen.“ Die A40 ist die Lebensader der Tankstelle. Ausgerechnet von ihr wäre er dann abgeschnitten, sagt Pier. Deshalb habe der Eigentümer des Grundstücks, ein Privatmann aus Holzwickede, Klage eingereicht. „Ich selber kann das nicht, ich bin nur Pächter“, sagt Pier. Nach dem Umbau sei die Tankstelle von der Autobahn aus nicht mehr erreichbar. Stattdessen solle lediglich eine Zufahrt im rückwärtigen Bereich gebaut werden, von der Emschertalstraße. „Das ist absurd“, schimpft Pier, der massive Umsatzeinbußen fürchtet. Elf Mitarbeiter beschäftigt die Tankstelle. Was aus ihnen werde? Pier: „Ich weiß es nicht, das kann ich nicht sagen.“ Wie zu erfahren war, steht der Betreiber der Shell-Tankstelle an der Ausfahrt zur Marsbruchstraße vor dem gleichen Dilemma: Auch die Tankstelle soll künftig von der A40 abgebunden und nur noch über die Marsbruchstraße anzufahren sein. Ob auch dieser Grundstückseigentümer Klage eingereicht hat, ist offen. Trotz Anfrage mochte sich dazu niemand äußern. Der Ausbau der A40 schlägt mit rund 100 Millionen Euro zu Buche. Die Bauzeit soll fünf bis sechs Jahre dauern.

Entscheidung wohl nicht in 2017

Wann über die Verfahren entschieden wird, konnte man beim Münsteraner Oberverwaltungsgericht nicht sagen. „Für das laufende Jahr haben wir die Verfahren nicht terminiert“, sagt Dr. Ulrich Lau, Pressedezernent und Vorsitzender Richter, auf Anfrage.

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