500 Anfragen: Tätowierer verzichten nach Lockdown auf freie Tage

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Und dann ging alles ganz schnell: Seit Mittwoch dürfen Tattoo-Studios in NRW wieder öffnen. Ein Tätowierer aus Dortmund sagt: „Wir sind für das Wohlbefinden genauso wichtig wie der Friseur.“

Brackel

, 21.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als wir am Dienstagvormittag (19.5.) zum Gespräch zusammensaßen, war die Stimmung noch am Boden. „Warum dürfen Geschäfte wie Friseure oder Nagelstudios, die mit uns schließen mussten, schon wieder öffnen und wir nicht?“, sagte Patrick Kwiatkowski, Geschäftsführer des Tattoo-Studios „Skinbusters“ in Brackel an diesem Tag. „Wir können die Bestimmungen, die anderen Branchen auferlegt wurden, auch erfüllen.“

Und plötzlich ging dann alles ganz schnell. Circa acht Stunden später sorgte ein Tweet der Staatskanzlei NRW für Erleichterung in Brackel – und wohl auch bei allen anderen Tätowierern in Nordrhein-Westfalen. Als letztes Bundesland dürfen ab Mittwoch (20.5.) auch hier die Tattoo-Studios wieder öffnen.

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„Wir freuen uns, aber das hat uns völlig überrascht“, sagt Bianca Tenspolde, die das Studio mit ihrem Lebensgefährten Patrick Kwiatkowski gegründet hat, am Tag nach der Entscheidung. Sie hatte am Dienstag noch damit gerechnet, dass sie nicht vor Juni wieder öffnen dürften.

Warum Tattoo-Studios so plötzlich wieder öffnen dürfen, erklärt sich Tenspolde damit, dass den Entscheidungsträgern „ein Licht aufgegangen“ sei. „Durch den Aufschrei von Tätowieren, Kunden, aber auch anderen Menschen mussten sie sich mit unserer Branche auseinandersetzen“, sagt die Geschäftsführerin. „Wir haben das Gefühl, Gehör gefunden zu haben.“

Bianca Tenspolde zeigt eine der extra für Tätowierer angepassten Schutzmasken aus Plastik und die bereits geltenden Hygienerichtlinien für Tattoostudios.

Bianca Tenspolde zeigt eine der extra für Tätowierer angepassten Schutzmasken aus Plastik und die bereits geltenden Hygienerichtlinien für Tattoo-Studios. © Tobias Larisch

Dadurch sei laut Tenspolde, die auch das Studio „Ruhrfux“ in Körne leitet, ihre Bedeutung für die Gesellschaft bewusst geworden. Shopmanager Andreas Trinczek ergänzt: „Viele Kunden verarbeiten durch ihre Tattoos emotionale Erlebnisse. Wir sind für das Wohlbefinden genauso wichtig wie ein Friseurbesuch.“

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Tenspolde hofft, dass „der Stein ins Rollen gekommen ist“ und wünscht sich, dass Tätowierer bald als Ausbildungsberuf anerkannt wird. Kurzfristig haben die Mitarbeiter von „Skinbusters“ aber andere Prioritäten.

Fast 500 Kundenanfragen

Umgebaut werden müsse das Studio für die Wiedereröffnung nicht, da in der ehemaligen Zahnarztpraxis eine räumliche Trennung der „Künstlerräume“ sowieso vorhanden sei. Auch das geforderte Hygienekonzept gebe es in der Branche bereits seit sieben Jahren. „Seit der Nachricht, dass wir wieder öffnen dürfen, gibt es noch mehr Terminanfragen“, sagt Tenspolde.

Einer der abgetrennten „Künstlerräume“ im „Skinbusters“, in denen ab Freitag (22.5.) wieder tätowiert wird.

Einer der abgetrennten „Künstlerräume“ im „Skinbusters“, in denen ab Freitag (22.5.) wieder tätowiert wird. © Tobias Larisch

Damit ab Freitag (22.5.), wenn das Tattoo-Studio in Brackel wieder öffnet, die knapp 500 Personen umfassende Warteliste möglichst schnell abgearbeitet werden kann, würden die Tätowierer auf freie Tage verzichten. „Als erstes werden die Termine von März, als wir schließen mussten, nachgeholt“, sagt die Mitbegründerin.

Besprechungstermine werden nur online geführt. Neben den in Betrieben geltenden Corona-Schutzmaßnahmen und Hygieneregeln dürfen der sensible Gesichts- und Brustbereich vorerst nicht tätowiert werden.

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