Tauroggen: Wie in einer Mühle an der Straße nach Königsberg Geschichte geschrieben wurde

Serie Straßennamen

Ein Spaziergang durch Lindenhorst versetzt einen nach Litauen, und zwar nach Taurage, auf Deutsch Tauroggen. Was war so wichtig, dass eine Straße hier nach dem 30.000-Einwohner-Ort heißt?

Lindenhorst

, 11.04.2019, 07:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Tauroggenstraße erinnert an die diplomatische Annäherung von Preußen und Russland, die die Periode der Befreiungskriege gegen Napoleon einläutete.

Die Tauroggenstraße erinnert an die diplomatische Annäherung von Preußen und Russland, die die Periode der Befreiungskriege gegen Napoleon einläutete. © Uwe Brodersen

Tauroggen liegt an der Verbindungsstraße zwischen Riga und Königsberg, dem heutigen Kaliningrad. In einer Mühle, drei Kilometer von Tauroggen entfernt, trafen sich am 30. Dezember 1812 der preußische Generalleutnant Johann David von Yorck und der russische Generalmajor Hans Karl von Diebitsch: Sie unterzeichneten die Konvention von Tauroggen, eine Art Waffenstillstand zwischen Preußen und dem Zarenreich. Das ist von erheblicher strategischer Bedeutung. Denn die Preußen waren offiziell mit Napoleon verbündet, sollten die Flanke der französischen Armee bei ihrem Vormarsch nach Russland decken. Die Franzosen waren nach ihrer Niederlage gegen die Russen mittlerweile auf dem Rückzug.

Patriotische Begeisterung in der Bevölkerung

Die Vereinbarung bereitete den Bündniswechsel Preußens vor. Schon knapp zwei Monate nach dem Abschluss der Konvention von Tauroggen kam es zu einem preußisch-russischen Bündnis und damit zum Abfall Preußens von dem erzwungenen Militärpakt mit Napoleon. Die deutsche Bevölkerung unterstützte den Kurswechsel mit patriotischer Begeisterung. Die Periode der Befreiungskriege begann. Das preußisch-russische Bündnis war erfolgreich. Gemeinsam mit weiteren Verbündeten wie Österreich und Schweden wurde Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 besiegt und Europa von der französischen Vorherrschaft befreit.

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