Taxifahrer Turay Gök hat eine 79-Jährige davor bewahrt, Opfer eines Betrugs zu werden. © Lukas Wittland
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Taxifahrer rettet Fahrgast: „Ich habe ein gutes Herz, sagen meine Freunde“

Falsche Polizisten wollten eine 79-Jährige zu einem angeblichen Unfallort ihrer Tochter locken. Sie sollte 30.000 Euro mitbringen. Doch Taxifahrer Turay Gök verhinderte den Betrug.

Bei einer 79-Jährigen Dortmunderin klingelte am Dienstag (20.7.) das Telefon: Ihre Tochter habe einen schweren Unfall gehabt, zahle die Seniorin keine 30.000 Euro, werde die schwer verletzte Tochter ins Gefängnis gebracht, sagte die Person am anderen Ende der Leitung. Es waren Betrüger, die sich als Polizisten ausgeben.

Die 79-Jährige erkennt den Betrug nicht und ruft sich gegen 15 Uhr ein Taxi, das sie zum angeblichen Unfallort bringen soll. Sie hat Glück, dass Turay Gök der Fahrer dieses Taxis ist. Er habe sofort gemerkt, dass die Frau, die bei ihm ins Auto stieg, unter Schock stehe. Die Frau erzählt, wo sie hin möchte und warum.

Die 79-Jährige wollte zunächst nicht die Polizei rufen

Gök merkt sofort, dass es sich bei den Anrufern um Betrüger handeln muss und stoppt sein Taxi. „Ich habe die Frau beruhigt“, erzählt der 36-Jährige. „Aber die Frau wollte zunächst nicht, dass ich die Polizei rufe. Sie sagte, wir müssen unbedingt zur angeblichen Unfallstelle.“ Schließlich kann der Taxifahrer die aufgebrachte 79-Jährige überzeugen. Er ruft die Polizei.

Von der sei er für sein umsichtiges Verhalten schon vor Ort gelobt worden, sagt Gök. Zwei Tage nach dem Vorfall wiederholt Polizeisprecher Peter Bandermann dieses Lob noch einmal: „Der Taxifahrer hat super gut reagiert. Dadurch, dass er nach wenigen Metern gebremst hat, ist das Opfer gar nicht erst in die Nähe der Täter gekommen.“

Polizei ermittelt und warnt vor ähnlichen Maschen

Das sei das wichtigste gewesen, sagt Peter Bandermann. „Dadurch, dass das Geld nicht übergeben worden ist, bleiben der Frau auch die psychischen Folgen erspart. Oftmals realisieren Opfer den Betrug erst, wenn das Geld weg ist, und machen sich große Vorwürfe.“ Die Polizei ermittle nun weiter. Ein Ansatz für die Polizei sind die Telefongespräche zwischen der 79-Jährigen und den Betrügern.

Bandermann bezeichnet die Masche der Täter als „hinterlistig und durchtrieben“, weil sie die Opfer gezielt in psychische Extremsituationen bringen würden, um ihnen Geld abzunehmen.

Am Mittwoch gab es erneut einen ähnlichen Fall, in dem sich eine Betrügerin als Mitarbeiterin des Amtsgerichts Düsseldorf ausgab. Sie verlangte Geld und Schmuck als Kaution für die beiden Töchter der Frau, die in einen schweren Unfall verwickelt gewesen seien sollen.

„Ich passe auf andere auf“

Turay Gök ist sprachlos angesichts der Skrupellosigkeit solcher Betrüger. Die Vorstellung, dass die Seniorin so viel Geld hätte verlieren können, mache ihn traurig. „Die Frau hat mir erzählt, dass ihr Mann viel gearbeitet habe und sie das Geld gespart hätten.“

Er passe auf seine Mitmenschen auf, sagt Gök und ergänzt mit einem Lächeln: „Ich habe ein gutes Herz, sagen meine Freunde.“

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Als gebürtiger Dortmunder bin ich großer Fan der ehrlich-direkten Ruhrpott-Mentalität. Nach meinem journalistischen Start in der Dortmunder Stadtredaktion, schreibe ich mich gerade als Volontär durch die Redaktionen in der Region.
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Lukas Wittland