In den nächsten Tagen werden deutlich weniger Menschen ins Dortmunder Impfzentrum kommen. Alle Impfungen mit dem Astrazeneca-Vakzin sind abgesagt. © Schaper
Corona-Schutzimpfung

Termine abgesagt: Impfstopp für Astrazeneca trifft tausende Dortmunder

Viele Dortmunder hat die Aussetzung der Corona-Impfungen mit dem Wirkstoff der Firma Astrazeneca völlig überraschend getroffen. Die Stadt Dortmund nannte dazu jetzt Zahlen.

Olaf Jürgens hatte sich auf die Auskunft der Hotline verlassen. Der IT-Fachmann, der viel in Altenheimen und Krankenhäusern arbeitet, hatte sich am späten Montagnachmittag erkundigt, was nach der Aussetzung der Impfungen mit Astrazeneca aus seinem zugesagten Impftermin wird. So lange der Termin nicht abgesagt sei, bekomme er wohl einen Alternativ-Impfstoff, wurde ihm mitgeteilt.

Bei dem Termin am Dienstagmorgen (16.3.) im Dortmunder Impfzentrum musste er die Hoffnung auf baldige Impfung aber schnell aufgeben. „Im Impfzentrum wurde mir gesagt, dass ich keine Impfung bekomme, da sie keinen anderen Impfstoff für mich haben“, berichtet Jürgens. „Es konnte auch keiner sagen, wie es weitergeht.“

Immerhin bekam Olaf Jürgens dann doch noch eine offizielle Terminabsage – am Dienstagnachmittag um 16.15 Uhr, siebeneinhalb Stunden nach seinem Termin. Per Sammel-Mail sollen alle Betroffenen über die Absage der Impftermine mit dem Impfstoff Astrazeneca informiert werden, hatte Dortmunds Gesundheitsdezernentin Birgit Zoerner am Mittag erklärt. Für Olaf Jürgens kam die Nachricht etwas zu spät.

Mehr als 2800 Impftermine

Viele andere wird sie aber rechtzeitig erreicht haben. Birgit Zoerner nannte am Dienstag Zahlen, wie viele Menschen von der Aussetzung der Astrazeneca-Impfungen betroffen sind: Bis Ende März waren über die neue Anmeldeplattform der Stadt 2805 Impfungen mit Astrazeneca vereinbart – in der Regel für Menschen aus Berufsgruppen, die zur Impf-Prioritätengruppe 2 gehören.

Dazu kommen Krankenhaus-Mitarbeiter und Polizisten, die über ihre Dienststellen Termine bekommen haben, und mehr als 6000 Beschäftigte aus Schulen und Kitas, die in zwei speziellen Impfzentren an den nächsten beiden Wochenenden geimpft werden sollten. Gut 3400 Lehrerinnen und Lehrer beziehungsweise Erzieherinnen und Erzieher waren schon am vergangenen Wochenende mit Astrazeneca geimpft worden.

Am Montag (15.3.), als am Nachmittag die Nachricht vom Aussetzen der Impfungen mit Astrazeneca eintraf, waren 576 von 946 geplanten Impfungen schon absolviert. 370 Menschen wurden ohne Impfung nach Hause geschickt, berichtete Birgit Zoerner.

Wie es für die Betroffenen, deren Termine nun erst einmal abgesagt sind, weitergeht, hängt vor allem von den Beratungen der europäischen Arzneimittelbehörde EMA ab. Sie will am Donnerstag über die Zweifel am Astrazeneca-Impfstoff beraten. Wenn sie ausgeräumt werden können, könnten die Impfungen mit Astrazeneca einige Tage später weitergehen.

Hoffen auf schnelle Entscheidung

„Wir hoffen, dass am Donnerstag eine Entscheidung fällt. Denn wir brauchen sehr schnell Klarheit, ob wir weiterimpfen können“, sagte Birgit Zoerner am Dienstag nach der Sitzung des Verwaltungsvorstands. „Wenn mit Astrazeneca nicht weitergeimpft werden dürfte, würde uns das sehr zurückwerfen.“ Unklar ist dann auch, wie es mit den noch nötigen Zweitimpfungen weitergeht.

Aber auch im Fall der Wiederzulassung des Astrazeneca-Impfstoffs ist die Frage, ob er noch eine hohe Akzeptanz findet. Das Vakzin ist schon seit längerer Zeit unter anderem wegen Impf-Nebenwirkungen in der Diskussion. Vor allem bei den Erzieherinnen und Erziehern scheint die Skepsis groß zu sein. So wollte sich zuletzt etwa ein Drittel der Mitarbeiter des städtischen Kita-Trägers Fabido nicht impfen lassen.

Nicht betroffen vom Impfstopp sind die über 80-Jährigen, die Impftermine über die Kassenärztliche Vereinigung (KVWL) bekommen haben. Sie werden mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer geimpft.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich