Dieses Bild entstand im Jahr 2017 in der syrischen Stadt Rakka. © dpa
Anklage

Terror-Verdacht: Dortmunder soll IS-Hauptstadt in Syrien mit verwaltet haben

Ein Mann, der zuletzt in Dortmund gemeldet war, soll Teil einer Terrororganisation in Syrien gewesen sein. Ein Ermittler spricht über das Verhältnis des 36-Jährigen zum Islamischen Staat (IS).

Der 36-jährige in Dortmund gemeldete Mohammed S. ist als mutmaßliches Mitglied einer ausländischen terroristischen Vereinigung angeklagt worden. Die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf sieht den hinreichenden Tatverdacht gegeben, dass sich der Syrer spätestens im Februar 2013 der Gruppe „Katiba Nasser Salah al-Din“ angeschlossen habe.

Die Gruppe habe später zur Islamischen Einheits- und Befreiungsfront „Jabha al-Wahda wat-Tahrir al-lslamiya“ gehört und gegen den Machthaber Baschar al-Assad gekämpft. Der Verdächtige habe nicht zum Islamischen Staat (IS) gehört, sei aber ein Bündnis mit der Terrormiliz eingegangen, sagt Oberstaatsanwalt Holger Heming zum Vorwurf.

Konkret soll der Verdächtige „an militärischen Operationen und an Verhandlungsgesprächen über das Schicksal Gefangener teilgenommen“ haben, so Heming. Außerdem habe er sich auch an der Verwaltung der eingenommenen Stadt Rakka beteiligt. Die Ermittler gehen aktuell nicht davon aus, dass er selbst Menschen getötet hat.

Die Stadt Rakka war lange hart umkämpft und galt ab 2013 als Hauptstadt des IS. „Im Oktober 2017 wurde sie von einer US-geführten Koalition befreit“, heißt es von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International: „Vor Beginn des Syrien-Krieges 2011 hatte Rakka, gelegen am Fluss Euphrat, etwa eine Viertelmillion Einwohner. Heute sind es nur noch knapp über 100.000.“

Mehrere Verbindungen von Dortmund zum IS bekannt

In anderen Ermittlungsverfahren seien Hinweise bekannt geworden, die die Behörden auf den Mann aufmerksam gemacht haben, der Ende 2013 nach Deutschland kam, berichtet Heming. Der Dortmunder sitzt wegen Fluchtgefahr und der Schwere des ihm vorgeworfenen Delikts in Untersuchungshaft.

Mehrere Kontaktpunkte zwischen Dortmund und dem IS sind in den vergangenen Jahren bekannt geworden. Eine frühere Prostituierte vom Straßenstrich ist etwa Ende 2019 als Mitglied der Organisation zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Sie habe ein Kalaschnikow-Gewehr besessen und Kriegsverbrechen begangen, weil sie ohne Zustimmung der Besitzer Häuser bewohnte. Sie sei in Rakka gewesen, als der IS das Kalifat ausrief, hieß es.

Der mutmaßliche IS-Unterstützer Boban S. steht aktuell vor Gericht. Er soll den späteren Attentäter des Berliner Weihnachtsmarkt-Anschlags Anis Amri bei sich in Dortmund beherbergt haben. Der Dortmunder Christian L. ist im Jahr 2015 nach Syrien ausgereist, um sich dem IS anzuschließen. Zwei Jahre später soll er dort mit 29 Jahren gestorben sein.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
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