Ein Arzt untersucht ein Kind mit einem Stethoskop. Auffallend viele Kinder machen seit einigen Wochen Atemwegsinfekte durch, die eigentlich erst in den Wintermonaten zu erwarten sind. © Sebastian Gollnow/dpa
Coronavirus

Testpflicht für geimpfte Eltern beim Kinderarzt? Ärger um neues Gesetz

Große Aufregung herrschte zuletzt in Dortmunder Kinderarzt-Praxen. Die Info über eine Testpflicht für Begleitpersonen wirbelte den Alltag durcheinander. Jetzt rudert das Ministerium zurück.

Hinter den Kinderärztinnen und -ärzten in Dortmund liegen ungemein stressige Tage. Das am 18.11. beschlossene neue Infektionsschutzgesetz enthält eine Formulierung, die so interpretiert wurde, dass auch Begleitpersonen von Patienten unabhängig vom Impfstatus nur mit einem offiziellen Test die Praxis betreten dürfen.

„Schwachsinnig und unpraktikabel“, nannte Dr. Marco Guse, Kinderarzt aus Hörde und einer der beiden Sprecher seines Fachs in Dortmund die Regelung. Zahlreiche seiner Kolleginnen und Kollegen hatten vergleichbare Worte gefunden. Ein Ärzteverband hatte bereits die Schließung von Praxen als Drohkulisse in den Raum gestellt.

NRW-Ministerium liefert Aufklärung

Erst am Donnerstag (25.11.) folgte eine Klarstellung durch das NRW-Gesundheitsministerium auf Nachfrage der dpa.

Im Gesetzestext heißt es, dass „Arbeitgeber, Beschäftigte und Besucher“ nachweislich negativ sein müssen. Daraus ergebe sich aber keine Testpflicht für Begleitpersonen von Erkrankten.

Begleitpersonen wie Eltern, Erziehungsberechtigte oder auch Betreuer sind laut einer Ministeriumssprecherin Patienten gleichzusetzen. Patienten müssen nicht getestet sein, um Zutritt zu den Praxen zu erhalten. Allerdings gilt eine tägliche Testpflicht für das Personal in Arztpraxen und vergleichbaren Einrichtungen des Gesundheitswesens.

Die Arbeit ist bereits entstanden

Die Aufklärung durch das Ministerium beruhigt die Lage für die Kinderärzte wieder ein wenig. Den in den vergangenen Tagen entstandenen Ärger wiegt das aber kaum auf.

Marco Guse nennt ein Beispiel aus Dortmund. Eine Praxis habe den Gesetzestext wie vermeintlich vorgegeben wörtlich umgesetzt und von allen Eltern einen aktuellen Test aus einer Apotheke im gleichen Gebäude verlangt.

Am nächsten Tag habe dann der Apotheker selbst mit seinem Sohn zum Arzt gemusst, weil dieser hohes Fieber hatte. „Wie soll er da erst zu einer offiziellen Teststelle fahren und dann erst in die Praxis kommen?“, sagt Marco Guse.

Sein Fazit, kurz bevor die Klarstellung des Ministeriums veröffentlicht wurde: „Da hat jemand gesessen, der selbst keine Kinder hat und sich gedacht, ich mache jetzt mal etwas ganz Sicheres.“

Ärztin: „Wir arbeiten sowieso schon am Limit.“

Für Karin Gladisch, Kinderärztin mit einer Praxis in Eving, war die Aufregung über die Testpflicht ein weiterer Stein auf einem immer höher werdenden Turm an Aufgaben. „Wir arbeiten sowieso schon am Limit“, sagt die Medizinerin. Die Praxis sei stark frequentiert, weil viele Kinder gerade Infekte nachholen, die sich im Lockdown nicht hatten ausbreiten können.

Hinzu kommen das Impfen und sonstige Aufgaben einer Kinderarztpraxis. „Wenn wir dann auch noch Testungen von Eltern überprüfen müssten, wüsste ich nicht mehr, wann wir das machen sollten“, sagt Karin Gladisch.

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Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth

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