Teurer Streit über Westfalentower-Baustelle

Landgericht

Der direkte Nachbar des Westfalentowers an der B1 muss dem Eigentümer des Bürogebäudes 200.000 Euro Schadenersatz zahlen. Das ist das Ergebnis eines Prozesses, der Donnerstag am Landgericht stattfand.

DORTMUND

von Von Martin von Braunschweig

, 09.12.2010, 18:19 Uhr / Lesedauer: 1 min
Teurer Streit über Westfalentower-Baustelle

Der Westfalentower an der B1: Für eine Bauverzögerung muss nun der Nachbar zahlen.

Beim Ausheben der Baugrube für den Westfalentower hatten die Arbeiter damals eine unangenehme Entdeckung gemacht. Im Erdreich befanden sich noch so genannte Erdanker, die vom Nachbargrundstück herüber ragten und eigentlich längst hätten gekappt sein sollen. Tatsächlich konnten die Arbeiten damals erst rund zwei Monate nach dem Auffinden der Erdanker fortgesetzt werden. Doch konnte man den Nachbarn für diese Verzögerung tatsächlich mit mehr als einer halben Million Euro zur Kasse bitten? Diese Frage war nach Ansicht des Gerichts von Anfang an höchst strittig.

Die Credit Suisse machte unter anderem geltend, dass sich der Nachbar trotz mehrfacher Mahnung nicht um die Entfernung der Anker gekümmert habe. Schließlich habe man das Heft des Handelns selbst in die Hand genommen und den eigenen Bauunternehmer Freundlieb mit den Arbeiten beauftragt. Die Gegenseite wollte diese Vorwürfe jedoch nicht auf sich sitzen lassen und sprach ihrerseits von „wenig sorgfältigen Planungen“ für den Westfalentower. Hätte man alle Unterlagen im Vorfeld gesichtet, hätte man früher von den Ankern wissen können.

Außerdem, so der Nachbar, sei die in Rechnung gestellte Summe viel zu hoch. Natürlich koste eine zweimonatige Bauverzögerung viel Geld – aber sicher keine halbe Million, hieß es. In der Tat fand auch das Gericht die aufgelisteten Anwalts- und Gutachterhonorare „sehr problematisch“, wie es hieß. „Bei uns arbeiten Sachverständige zu deutlich niedrigeren Stundensätzen“, merkte die Vorsitzende Richterin süffisant an. Das Gericht brachte beide Seiten schließlich doch noch zusammen. Nach längerer Verhandlung willigte der Grundstücksnachbar ein, einen Betrag von 200.000 Euro an die Credit Suisse zu überweisen.

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