Thor Steinar eröffnet erneut Geschäft in Dortmund

Modemarke

Farb-Anschläge, Demos, Zwangs-Schließung - nach Widerstand musste Thor Steinar 2019 seinen Laden in Dortmund schließen. Jetzt versucht es das auch bei Neonazis beliebte Modelabel erneut.

Dortmund

, 27.07.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
In Dortmund hat erneut ein Thor-Steinar-Laden geöffnet. Die Schaufenster des Geschäfts waren am Eröffnungstag bis auf den Eingang mit Thor-Steinar-Werbebanden verklebt.

In Dortmund hat erneut ein Thor-Steinar-Laden geöffnet. Die Schaufenster des Geschäfts waren am Eröffnungstag bis auf den Eingang mit Thor-Steinar-Werbebanden verklebt. © Thomas Thiel

Seit Montag (27.7.) gibt es eine neue Filiale von Thor Steinar in Dortmund, einer auch bei Neonazis beliebten Bekleidungsmarke. Nachdem das Unternehmen vor knapp einem Jahr mit einem Geschäft am Brüderweg gescheitert ist, ist es bereits der zweite Versuch, in Dortmund Fuß zu fassen.

Das neue Geschäft befindet sich am Alten Burgwall - mitten in der Dortmunder Innenstadt. Vor dem Geschäft stehen am Montag zwei Männer. Beide wollen, von uns angesprochen, anonym bleiben. Fotos vom Laden, das stellen beide gleich zu Beginn klar, seien nicht erlaubt.

Betreiber sorgt sich nicht wegen möglicher Protestaktionen

Einer der beiden gibt sich als Betreiber zu erkennen. Er behauptet, bereits den ersten Thor-Steinar-Laden betrieben zu haben. Sorgen vor Protestaktionen von Aktivisten macht er sich keine, wie der Mann sagt: „Die sollen nur herkommen.“

Mit Rechten habe der Laden nichts zu tun. „Ich kann gar kein Nazi sein“, sagt der Besitzer. Er sei Türke, so seine Begründung. Auf weitere Nachfragen antworten die Männer mit unterschwelligen Drohungen.

Am Nachmittag gab es einen weiteren Vorfall am Alten Burgwall: Als eine Frau den Laden fotografierte, stellte ein Mann sie zur Rede und hielt sie am Arm fest, wie die Polizei bestätigte. Zufällig vor Ort anwesende Polizisten klärten die Situation, heißt es weiter. Ob der Mann allerdings Mitarbeiter des Geschäfts sei, wollte die Polizei nicht bestätigen.

Demo gegen Thor-Steinar-Laden

Vor nicht einmal einem Jahr hatte Thor Steinar unter dem Namen Tønsberg eine Dortmunder Filiale eröffnet - damals wie heute die einzige im Westen Deutschlands.

Damals hatte es in Dortmund anhaltenden Protest gegen den Betrieb des Geschäfts gegeben. Unterstützung hatte es damals aus gleich mehreren Städten gegeben, bis zu 400 Menschen gingen auf die Straße.

Auch dieser Tage ist mit Widerstand zu rechnen: Das Bündnis Blockado kündigt für Donnerstag (30.7.) eine Kundgebung an, wie die Polizei bestätigte.

Erster Gegenwind gegen die Eröffnung

Der Protest im vergangenen Jahr war nicht nur friedlich: Es gab mehrfach Farb-Anschläge auf die Fassade des Geschäfts. Unbekannte zündeten Böller und versprühten eine übel riechende Flüssigkeit im Geschäft. Zudem stellten selbsternannte „militante Antifaschisten“ ein Video der Tat ins Internet.

Das Aus für den Laden 2019 kam von Amts wegen: Die Stadt schloss damals das Geschäft wegen Brandschutzmängeln.

Stadt Dortmund will verhindern, dass Thor Steinar Fuß fasst

Die Verwaltung machte nun auf Anfrage unserer Redaktion klar, Thor Steinar nicht dulden zu wollen: „Dortmund ist weltoffen und vielfältig und hat sich nicht zuletzt deshalb bereits im vergangenen Jahr erfolgreich gegen die Bekleidungsfirma und die von ihr propagierte menschenfeindliche Ideologie positioniert. Obgleich die Handlungsoptionen der Stadtverwaltung im konkreten Fall begrenzt sind, werden wir alles in unseren Kräften stehende tun, um zu verhindern, dass Thor Steinar in Dortmund Fuß fasst.“

Auch nach der Schließung gab es 2019 noch weiteren Protest gegen das Geschäft. Mit einer „Kleiderspende für Nazis“ und einem Gedicht starteten die Aktivisten eine Aktion.

Der Vermieter der ersten Immobilie hatte 2019 angegeben, nicht zu wissen, wen er sich ins Haus holte. Nach einem Bericht des Nordstadtbloggers soll der aktuelle Immobilienbesitzer angeblich ähnlich argumentieren. Dies ließ sich bis Redaktionsschluss dieses Textes nicht verifizieren.

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