Gelangweilter Bulle, gefährdete Affen: Der Dortmunder Zoo und Corona

rnSchutzmaßnahmen

Die Zoo-Beschäftigten arbeiten momentan nach einem „Kohortenplan“. Manche Tiere genießen die Ruhe, anderen fehlt die Abwechslung. Giraffenbulle Zikomo vermisst das Besuchertreiben.

Dortmund

, 31.03.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nicht nur in den Einkaufsstraßen, sondern auch im Dortmunder Zoo zeigt sich aufgrund der Corona-Krise ein ungewohntes Bild: Seit der Schließung Mitte März ist dort Ruhe eingekehrt; anstelle der Besucher sind ausschließlich Tierpfleger, Handwerker, Gärtner und Mitarbeiter der Futterküche in der Parklandschaft unterwegs. Und auch sonst hat sich einiges geändert - für Tiere wie Menschen.

Schutz für Menschenaffen

Da davon auszugehen sei, dass sich auch Menschenaffen mit dem Coronavirus infizieren können, fordert die Tierrechtsorganisation PETA den Zoo und die Stadt Dortmund auf, der Sicherheit der Menschenaffen höchste Priorität einzuräumen und auch hinter den Kulissen strenge Hygienemaßnahmen durchzusetzen.

Dieser Aufforderung hätte es laut Zoo-Direktor Dr. Frank Brandstätter allerdings nicht bedurft: „Der Zoo Dortmund und auch alle anderen Zoos schützen selbstverständlich ihre Tiere, auch ohne dass eine Organisation wie PETA sie extra darauf hinweisen muss.“ So sei das Regenwaldhaus zum Schutz der Orang-Utans bereits für Besucher tabu gewesen, noch bevor der Zoo komplett schließen musste.

Doch das ist keineswegs die einzige Vorsichtsmaßnahme. Die Tierpflege gehe natürlich weiter, folge zu Corona-Zeiten allerdings einem – so Brandstätter – „Kohortenplan“. So seien nun jeweils zwei Gruppen an Pflegerinnen und Pflegern unterwegs, die sich nicht treffen. Zudem habe man alle Mitarbeiter angewiesen, den Kontakt untereinander zu minimieren.

„Damit das funktioniert und sich die Beschäftigten zu Dienstbeginn und -ende nicht in zu großen Gruppen in den Sozialräumen wie Duschen und Umkleide treffen, liegen Dienstbeginn und -ende jeweils 15 Minuten auseinander“, erläutert Brandstätter die neuen Regeln.

Tiere werden gefordert

Außerdem werde das normale Beschäftigungsprogramm ausgeweitet: „Dabei geht es in der Regel darum, dass sich die Tiere ihr Futter erarbeiten müssen, es also in ihrem Gehege suchen oder irgendwo heraus pulen müssen.“ Auch die Zoobewohner merkten, dass keine Besucher kommen: „Manche Tiere genießen die Ruhe, anderen fehlt die Abwechslung.“

Zikomo beobachtet die Mitarbeiter

Das bestätigt Zoolotse Marcel Stawinoga auf dem Facebook-Account des Dortmunder Zoos. So beobachte der junge Giraffenbulle Zikomo normalerweise sehr gern das rege Besuchertreiben an der Imbissbude vor seinem Gehege und auf den Wegen rundherum. Doch da herrscht nun weitgehend Stille.

Momentan muss sich Zikomo also mit den eingeschränkten Aktivitäten in seiner Nähe begnügen. Er folge laut Stawinoga nun mit seinen Blicken jedem Gärtner, Handwerker oder Tierpfleger: „Dies ist ein typisches Verhalten für eine Giraffe. Denn Giraffen sind sehr wachsam und beobachten stets ihre Umgebung.“

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Anders reagiere Zweifinger-Faultier Hexe auf die ungewohnte Ruhe im Tamandua-Haus, mache es sich dort jetzt auf einem der Äste im Besucherbereich gemütlich und nehme ein ausgiebiges Sonnenbad. Bei zu viel Aktivitäten in dem Gebäude ziehe sich das Faultier sonst in den geschlossenen Innenbereich zurück, um dort beispielsweise unter einer der Wärmelampen zu schlafen.

Nichts für Langschläfer

Neben den fehlenden Gästen bedeute übrigens auch der gerade vollzogene Wechsel zur Sommerzeit eine Umstellung für die Zoobewohner, erläutert Stawinoga. Während die nacht- oder dämmerungsaktiven Tiere morgens nicht mit so frühem menschlichen Besuch gerechnet hätten, seien die meisten tagaktiven Tiere aufgrund ihres zuletzt gewohnten Rhythmus der festen Überzeugung gewesen, noch eine Stunde länger schlafen zu können.

Für Letztgenannte kennt der Zoolotse ein Paradebeispiel: „Sechsbinden-Gürteltier Kasimir war nach Ankunft der Tierpfleger noch im Tiefschlaf.“

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