Tierhandel bei Ebay: Wie ein Dortmunder (48) seinen neuen Dobermann ans Tierheim verlor

rnHaustiere

Seit er Dobermänner in der Serie „Magnum“ sah, ist der Dortmunder Andreas Wighardt in Hunde dieser Rasse vernarrt. An seinem neuen Welpen hatte er nur kurz Freude – er wurde ihm weggenommen.

Dortmund

, 07.05.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Als die junge Dobermann-Hündin auf Andreas Wighardt zulief und an ihm hochsprang, da war es, erzählt er, „um mich geschehen“. Der 48-jährige Dortmunder stand mit dem jungen Mann, der den Welpen verkaufen wollte, und dessen Freundin auf einer Straße in Mönchengladbach. Wighardt hatte nur noch Augen für die Hündin, die ihm als „Nala“ vorgestellt wurde. Er, der einige Erfahrung mit Hunden hat, überzeugte sich noch davon, dass es Nala gut geht – kurz darauf fuhr er mit der Hündin nach Dortmund.

Als einziges Dokument hatte Wighardt die Kopie einer Seite aus dem EU-Heimtierausweis des Tieres erhalten, darin Eintragungen zu Impfungen und der Stempel eines Tierarztes. Einen Kaufvertrag oder eine Quittung für die von ihm gezahlten 700 Euro hatte der Dortmunder nicht bekommen. Er habe sich darauf verlassen, dass der Käufer der Eigentümer sei, sagt Wighardt – und er somit der neue Eigentümer. Das junge Paar, den Eindruck habe er gehabt, sei mit dem Hund „nicht klargekommen“. Er selbst sei glücklich gewesen, der Hündin ein neues Zuhause bieten zu können. Das sei für alle die beste Lösung. Habe er sich gedacht.

Seit Mitte April ist Nala hinter Gittern – im Tierheim

Dass die Hündin eine Woche in seiner Wohnung in Scharnhorst lebte, kann Wighardt inzwischen nur noch durch Fotos dokumentieren, die er auf dem Wohnzimmertisch ausbreitet: Nala auf dem Sofa, Nala im Wohnzimmer, Nala auf Wighardt liegend, eng an seinen Hals geschmiegt.

Tierhandel bei Ebay: Wie ein Dortmunder (48) seinen neuen Dobermann ans Tierheim verlor

Eine Woche lebte der weibliche Dobermann-Welpe Nala bei Andreas Wighardt. Dann wurde die Hündin ins Tierheim gebracht. © Andreas Wighardt

Mit hängenden Schultern auf dem Sofa sitzend, zeigt Wighardt auf ein weiteres Foto: Nala hinter Gittern. Die Hündin lebt seit dem 14. April im Tierheim – es gehe ihr gut, sagt dessen Leiter Peter Hobrecht auf Nachfrage.

Wegen Serie „Magnum“ ist Dortmunder vernarrt in Dobermänner

Dass Nala im Tierheim ist und Wighardt sagt: „Ich bin der Gearschte“ – das ist die Folge eines offenkundig unseriösen Tierhandels. Es hat aber auch damit zu tun, dass Wighardt beim Kauf nicht misstrauisch wurde. Alles begann damit, dass einer der beiden Dobermänner, die der 48-Jährige hielt, Anfang des Jahres starb. Der 10-jährige Twister musste eingeschläfert werden, seitdem trottet die 12-jährige Lia alleine durch Wighardts Wohnung.

Er erzählt, er habe zuerst „die Tierheime abgeklappert“, dann andere Börsen, letztlich suchte er im Internet bei Ebay Kleinanzeigen. Der Scharnhorster wollte unbedingt einen Dobermann-Welpen. Seit er vor zig Jahren in der Detektivserie „Magnum“ die Dobermänner Zeus und Apollo von Magnums Kompagnon sah, ist Wighardt in die Hunderasse vernarrt. Er kenne die Vorurteile gegenüber Dobermännern, die gefährlich und sogar „zum Killer“ werden können, sagt aber: „Sie sind sensibel und aus meiner Sicht die treuesten Familienhunde.“

Letztlich fand Wighardt den Dobermann-Welpen Nala bei Ebay Kleinanzeigen, privat angeboten durch den jungen Mann aus Mönchengladbach. Udo Kopernik, Pressesprecher des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH), holt tief Luft, als er von der Geschichte hört: „Bei Ebay Kleinanzeigen ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass man an einen unseriösen Hundehändler gerät.“ Er verweist auf Recherchen des Tierschutzverbands „Vier Pfoten“, der sich den Handel mit Hunden bei Ebay Kleinanzeigen angesehen hat – und das Portal ein „Paradies für kriminelle Welpenhändler“ nennt.

Bei Ebay Kleinanzeigen wehrt sich Pressesprecher Pierre Du Bois gegen die harsche Kritik: „Zahlen, wonach das Gros der über Ebay Kleinanzeigen angebotenen Tiere aus Qualzuchten oder von unseriösen Züchtern stammt, gehören ins Reich der Mythen.“ Bei schwerwiegenden Verstößen schließe man Nutzer von der Plattform aus. Man unterstütze zudem die Strafverfolgungsbehörden und tausche sich regelmäßig mit Tierschutzorganisationen aus.

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Mann kaufte Hund für 800 Euro – und verkaufte ihn für 700 weiter

Ob der junge Mann, von dem Wighardt Nala am 6. April kaufte, kriminell ist, dazu laufen derzeit Ermittlungen. Die Dortmunder Polizei hat den Fall an die Staatsanwaltschaft übergeben. Dort liegt er. Im Raum stehe „der Verdacht des Betruges“, sagt Polizeisprecherin Nina Vogt.

Denn der Mann hatte den Hund seinerseits am 5. April, also nur einen Tag zuvor, für 800 Euro bei einer privaten Züchterin aus Recklinghausen gekauft. Man verabredete eine Zahlung in zwei Raten: Die erste Rate hätte am 15. April eingehen sollen – doch da hatte der Mann den Hund eben längst für 700 Euro an Andreas Wighardt verkauft. So erzählt es außer Wighardt auch Dr. Wolfgang Wesener, der Recklinghäuser Anwalt der Züchterin. Der Weiterverkauf sei nicht abgestimmt gewesen, sagt Wesener „und fand aus Tierschutzgründen überhaupt nicht die Billigung meiner Mandantin.“ Sie hatte in den Kaufvertrag geschrieben, dass der Hund bis zur Zahlung beider Raten ihr Eigentum bleibe.

Da der Hund nun aber bereits in Wighardts Obhut war, stand die Züchterin Mitte April plötzlich bei ihm in Dortmund auf der Matte. Den Kontakt hatte die Frau von ihrem Tierarzt erhalten – ihn hatte Wighardt angerufen, weil Nala sich in einem schlechten Zustand befunden und Durchfall gehabt habe. Die Züchterin, sagt Wighardt, habe „mit zwei Begleitern eine Drohkulisse aufgebaut“, letztlich habe man die Polizei gerufen und im Garten auf die Beamten gewartet.

Die Hündin wurde beschlagnahmt und ins Tierheim gebracht

Polizeisprecherin Nina Vogt sagt zu dem Einsatz: „Weil sich vor Ort die Eigentumsverhältnisse nicht vernünftig klären ließen, mussten die Kollegen den Hund beschlagnahmen.“ In Absprache mit der Feuerwehr sei die Hündin ins Tierheim gebracht worden. Dort besuchte Wighardt sie – bis sie auf die Quarantäne-Station kam. „Nicht, weil sie ansteckend ist, sondern damit sie dort ihre Ruhe hat“, sagt Tierheim-Leiter Peter Hobrech. Junge Dobermänner seien sehr reizempfindlich, zum Beispiel bei andauerndem Bellen.

Tierhandel bei Ebay: Wie ein Dortmunder (48) seinen neuen Dobermann ans Tierheim verlor

Anfangs konnte Andreas Wighardt Nala noch im Tierheim besuchen. Bis sie für mehr Ruhe auf die Quarantänestation gebracht wurde. © Andreas Wighardt

Wighardt schluckt immer wieder, als er all das erzählt. Dass er 700 Euro hingelegt hat und nun ohne Hund dasteht, ist die eine Sache. Für ihn als Hartz-IV-Empfänger dauere es „verdammt lange“, so viel Geld zu sparen. Die andere Sache ist, wie es es Nala geht: „Das ist für mich das Schlimmste, dass der Hund jetzt im Tierheim steckt.“

So lange die Eigentumsverhältnisse nicht geklärt sind, bleibt der Dobermann-Welpe dort. Wann er wohin kommt, darum ringen nun Wighardts Anwalt Dennis Borrmann und Wolfgang Wesener, der Anwalt der Züchterin. Letztlich muss ein Richter entscheiden. Borrmann ist der Meinung, dass sein Mandant einen „gutgläubigen Erwerb“ getätigt hat, als er sich darauf verlassen habe, dass der Verkäufer der Eigentümer ist. Wesener wiederum, dessen Mandantin die Hündin übrigens Prada taufte, zweifelt an, dass es ein gutgläubiger Erwerb war. Dass ihm kein Kaufvertrag oder andere Dokumente vorlagen, hätte Wighardt nach Weseners Ansicht misstrauisch werden lassen und von dem Kauf abhalten müssen.

Tierschutzverein bietet kostenlose Beratung an

Zur Frage ob seine Mandantin, die Züchterin, Prada-Nala ihrerseits zunächst auch via Ebay Kleinanzeigen verkaufte, möchte Wesener indes nichts sagen.

Erika Scheffer, Vorsitzende des Tierschutzvereins Gross-Dortmund, schimpft, als sie von Prada-Nalas Geschichte erfährt. „Der Tierhandel auf Ebay Kleinanzeigen müsste verboten werden“, sagt sie. Sie rät jedem, im Zweifel unbedingt beim Tierschutzverein anzurufen: „Wir beraten gerne kostenlos und sind froh über jeden, der nicht unbedacht so ein Tier kauft.“ Denn Fälle, in denen Menschen über Ebay Kleinanzeigen Tiere auf unseriöse Weise verkauft bekommen, erlebe sie beim Tierschutzverein „mindestens drei Mal pro Woche“, sagt Scheffer.

Dass er nicht der Einzige ist, der offenbar übers Ohr gehauen wurde, hellt Andreas Wighardts Stimmung keinen Deut auf. „Mir geht‘s richtig schlecht“, sagt er - und über Ebay werde er nie wieder etwas kaufen.

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