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Tierschützer: Nicht nur im Streichelzoo werden Tiere attackiert

rnZoo Dortmund

Die Rücksichtslosigkeit, mit der manche Besucher mit den Tieren im Streichelzoo umgehen, erstaunt die Dortmunder Tierschutzorganisationen nicht. Sie haben ähnliche Erfahrungen gemacht.

Dortmund

, 04.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Die Nachricht, dass im Dortmunder Zoo in den vergangenen Jahren Tiere durch rücksichtlose Besucher zu Tode gekommen sind, erstaunt weder die Spitzen des Dortmunder Tierschutzvereins noch der Tierschutzorganisation Arche90.

„Das wundert mich nicht. Leider“, sagt Arche90-Sprecherin Gaby Bayer: „Wir erleben es bei unserer täglichen Arbeit, dass die Empathie gegenüber Tieren abnimmt. So beobachten wir Eltern, die mit ihren Kindern durch die Fußgängerzone gehen und lachen, wenn der Nachwuchs nach den Tauben tritt.“

Tierquälereien am Phoenixsee

Tierquälereien gebe es auch immer wieder am Phoenixsee, so Bayer: „Eltern finden es lustig, wenn Kinder nach den Enten mit Steinen werfen. Wir haben schon das eine oder andere Tier mit einer Platzwunde am Kopf behandeln lassen müssen.“ Sie habe „vollstes Verständnis“ für den Zoo, sagt Bayer, wenn der darüber nachdenke, den Streichelzoo zu schließen. Die Tierschützerin: „Die bauen im Zoo etwas auf, geben den Besuchern die Gelegenheit, etwas zu erfahren und zu lernen, und dann legen manche solch ein Verhalten an den Tag.“

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Die Vorsitzende des Dortmunder Tierschutzvereins, Erika Scheffer, kann dem nur beipflichten. „Wenn Tiere verletzt und Zoomitarbeiter angepöbelt werden, würde ich auch sagen, man sollte den Streichelzoo lieber dicht machen.“ Weil Kleinkinder nicht gegen Futter fordernde Ziegen ankämen, komme gleich „die ganze Sippe mit ins Gehege“. Man habe schon die Meerschweinchen wieder herausgenommen, weil diese zu heftig im Arm gequetscht worden seien. Heute wohnen die Meerschweinchen in eigenen Häuschen, die der Förderverein Kinder und Zoo Dortmund hat anfertigen lassen.

Kinder jagen Enten, während Eltern juchen

Scheffer: „Kinder jagen auch hinter den Laufenten her, während die Eltern dabeistehen, juchen und quieken.“ Auch dem Tierschutzverein sei seit Jahren aufgefallen, dass die Rücksichtslosigkeit gegenüber den Tieren im Streichelzoo und Quälereien, „die wir selbst beobachtet haben“, zugenommen hätten.

Es sei ausreichend, wenn Kinder die Ziegen von außen durch die dicken Querbalken oder über sie hinweg die Ziegen streicheln könnten, sagt Scheffer. „Ansonsten können Eltern mit ihren Kindern auf einen Bauernhof fahren. Dort können die Tiere weglaufen.“

Linke & Piraten im Rat sind gegen Schließung des Streichelzoos

Für die Ratsfraktion Linke & Piraten dagegen darf die Schließung des Streichelzoos keine Option sein. Thomas Zweier, Mitglied im Sport- und Freizeitausschuss: „Dass sich unter den vielen Besuchern immer auch Eltern, Jugendliche und Kinder befinden, denen das Tierwohl gleichgültig ist, lässt sich wahrscheinlich nicht ändern. Die Alternative zu einer angedachten Schließung des Streichelzoos kann aber nur ein Appell an die Zivilcourage der übrigen Besucher sein.“

Tierquälern müsse unmissverständlich die rote Karte gezeigt werden, fordert Zweier. Er bringt die Möglichkeit ins Spiel, mit dem Eintrittskartenverkauf eine Beschwerde-Telefonnummer anzugeben, über die aufmerksame Zoo-Gäste Tierquälereien unverzüglich melden könnten. Ein Hausverbot und eine Anzeige durch den Zoo müssten folgen.

Stadt: Keine Todesfälle im Streichelzoo

In einer Stellungnahme von Donnerstag schreibt die Stadt, im Streichelzoo sei es bislang nicht zu Todesfällen gekommen. Doch in den vergangenen Jahren sei es zum Tod mehrerer Tiere im Zoo gekommen. Diese Redaktion hatte mit Zoodirektor Dr. Frank Brandstätter über die Todesfälle im Zusammenhang mit dem Streichelzoo gesprochen. Offensichtlich ist es dadurch zu einem Missverständnis gekommen. Unbestritten bleiben aber die Todesfälle im Zoo. Deshalb betrachtet der Zoo mit Sorge, so heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme der Stadt, den „zunehmend unethischen Umgang einzelner Personen mit Tieren.“

Es wurde nach den letzten Todesfällen wie dem Tod von Seelöwin Holly ein Wachdienst zum Schutz der Tiere und des Geländes eingesetzt. Daher habe es keine Übergriffe in neuerer Zeit mehr gegeben.

„Auch im Streichelzoo ist in Einzelfällen festzustellen, dass Ziegen getreten oder geschlagen werden“, schreibt die Stadt. Am Mittwoch hatte Zoodirektor Brandstätter erklärt, dass man mit dem Gedanken spiele, den Streichelzoo zu schließen. Konkrete Pläne gebe es aber nicht. „Das Streichelgehege wird beaufsichtigt und übergriffige Personen werden unverzüglich des Geländes verwiesen“, teilte die Stadt am Donnerstag mit.

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