Tierschützer schreiben Brandbrief an OB Sierau wegen Messe "Jagd & Hund"

Kritik an Jagdmesse

Diverse Tierschutzorganisationen haben erneut einen Brandbrief an Oberbürgermeister Sierau geschrieben. Abermals im Fokus: Die Messe "Jagd&Hund". Das Schreiben enthält schwerwiegende Vorwürfe.

Dortmund

, 11.07.2020, 15:40 Uhr / Lesedauer: 2 min
Tierschutzorganisation haben erneut einen gemeinsamen Brief an OB Ullrich Sierau gerichtet.

Tierschutzorganisation haben erneut einen gemeinsamen Brief an OB Ullrich Sierau gerichtet. © Stephan Schuetze

"Es ist allerhöchste Zeit, das „Töten zum Spaß“ zu beenden und Verantwortung für den Erhalt der Artenvielfalt zu übernehmen!" So beginnt der letzte Absatz eines Brandbriefes diverser Tierschutzorganisationen, der sich an Oberbürgermeister Ullrich Sierau richtet und erneut Kritik an der Messe "Jagd und Hund" aufkeimen lässt.

Bereits Anfang des Jahres hatte ein Dutzend Tierschutzorganisationen gefordert, Werbung für Jagdreisen nach Afrika, Südamerika und Co. zu verbieten. Bisher ohne Erfolg, wie aus dem Schreiben vom 2. Juli hervorgeht, das sich auch an einzelne Fraktionen und die Messeleitung der Westfalenhallen richtet.

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Darin heißt es, dass der Hauptausschuss des Dortmunder Stadtrates Mitte Mai entschieden habe, einen Antrag der Fraktion Linke&Piraten auf Beendigung der Vermarktung von Trophäenreisen in den Westfalenhallen abzulehnen.

Laut Schreiben hätten die unterzeichnenden Organisationen, unter anderem Pro Wildlife, der Bundesverband Tierschutz und Peta Deutschland, eindringlich darum gebeten, "dieser tier- und artenschutzwidrigen Form der Jagd künftig keine Plattform mehr zu bieten."

Harsche Kritik an Begründung

Kritik hagelt es vor allem in Bezug auf die Begründung, die Norbert Schilff, Chef der SPD-Ratsfraktion, in einem Antwortschreiben geäußert hatte: Finanzielle Interessen der Stadt hätten zur Ablehnung des Antrags geführt. Die Tierschutzorganisationen werfen der Stadt in der Folge vor, sie unterstütze aus kommerziellem Eigeninteresse Tierleid und den Verlust von Biodiversität.

Dabei verdeutliche ein aktueller Beitrag des ZDF-Politikmagazins Frontal21, dass die Trophäenjagd heute aus guten Gründen umstrittener denn je sei, heißt es weiter. Darin seien Jäger zu sehen, die auf eine fliehende Elefantenherde samt Jungtieren schießen würden, oder "die der Anblick einer getroffenen Giraffe in Hochstimmung versetzt."

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In dem Beitrag würden auch die Jagdreiseangebote auf der Dortmunder Messe "Jagd & Hund" und die Rolle der Westfalenhallen GmbH kritisch beäugt – laut Tierschutzorganisationen zu Recht.

Dass die Messeleitung dem ZDF-Team kurzerhand die Drehgenehmigung aufgrund kritischer Nachfragen entzogen habe, bestätige, so die Tierschutzorganisationen, die Auffassung, „dass es sich bei den Angeboten zum Abschuss von Elefanten, Nashörnern und Löwen um fragwürdige Angebote handelt, die man offenbar nur einem ausgewählten, jagdinteressierten Publikum zeigen möchte."

Erheblicher Image-Schaden

Nach Meinung der Tierschutzorganisationen fügt das Festhalten an Jagdreiseangeboten auf bedrohte Arten der Stadt Dortmund einen erheblichen Image-Schaden zu. Nach deutschem Recht sei die Jagd, die allein auf den Erwerb einer Trophäe abzielt, nicht vereinbar mit Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes.

Zudem würden im Ausland Tötungsmethoden wie Pfeil und Bogen oder Armbrust eingesetzt, die in Deutschland nicht erlaubt seien. Auch ein Jagdschein sei bei den angebotenen Reisen in der Regel nicht erforderlich, heißt es.

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Im vergangenen Jahr seien 1,7 Millionen Tiere durch Trophäenjäger erschossen worden – Deutschland liege in der Rangliste der Trophäen-Importe auf Platz drei. „Als europäischer Hauptumschlagplatz für derartige Jagdreisen trägt die Dortmunder Messe und somit die Stadt Dortmund hier eine deutliche Mitverantwortung!", so die Tierschutzorganisationen.

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