Tierschützerin zeigt Hansemarkt-Händler an – obwohl sie ihn vorher hoch gelobt hat

rnVorwurf der Tierquälerei

Erst gab es auf Youtube viel Lob für den Händler und seine Tiergehege auf dem Hansemarkt, dann eine Anzeige beim Veterinäramt. Was sich geändert hat.

Dortmund

, 25.11.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist 15 Jahre her, da überschüttete Erika Scheffer, Vorsitzende des Dortmunder Tierschutzvereins, Ralf Schmidt mit Lobeshymnen. Öffentlich, in einem Youtube-Video für den damals noch existierenden Offenen Kanal. Es ging um die Tiere, die er auf dem Hansemarkt in der City präsentierte: Hühnervögel, Gänse, Schweine, Ziegen . . .

Erika Scheffer stand mit Ralf Schmidt vor den Maschendraht-Gehegen und schwärmte: „Ich kann als Vorsitzende sagen, das ist bestens hier so gehandhabt“ und „Kinder können auch kleine Küken mal erleben“. Niemand könne durch den Maschendraht ins Gehege greifen, und die Tiere kämen ja hinterher wieder auf Schmidts Hof zurück. „Man kann Ihnen nur gratulieren, wie toll Sie das alles arrangiert haben“, sagt Scheffer in dem Clip.

Zu enge Gehege, keine Betreuung

Doch jetzt gilt das nicht mehr. Erika Scheffer hat im Namen des Tierschutzvereins am 15. November Anzeige gegen Ralf Schmidt beim Veterinäramt der Stadt erstattet – wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz beim Hansemarkt und beim Hörder Erntemarkt.

Schmidt stelle die Nutztiere in viel zu engen Gehegen aus, habe keine Betreuung und Aufsicht bei den Tieren, so dass diese unnötigem Stress ausgesetzt seien. Sie fordert vom Veterinäramt, Schmidt die Erlaubnis zu entziehen, weiterhin Nutztiere auf diesen Märkten zu präsentieren.

Er habe eine Genehmigung, die Tiere auszustellen, sagt Ralf Schmidt auf Anfrage. Das Veterinäramt habe die Ausstellung auf dem Hansemarkt zweimal kontrolliert. Fehlende Rückzugsmöglichkeiten seien nicht beanstandet worden, die seien in den Ställen vorhanden.

Kritisiert worden sei das offene Futter wegen der Gefahr der Vogelgrippe und das Ausstellen von Schweinen wegen der Angst vor afrikanischer Schweinepest. Außerdem sei es um die fehlende Befestigung eines Zaunes gegangen. Aber sonst: alles gut.

Tiere aus ideellen Gründen ausgestellt

Die Stadt bestätigt die Kontrollen und den Eingang der Anzeige des Tierschutzvereins, will sich aber nicht weiter dazu äußern mit dem Hinweis auf ein schwebendes Verfahren.

Ralf Schmidt sagt, er stelle die Tiere nicht aus wirtschaftlichen, sondern „aus ideellen Gründen“ aus, um Kindern Nutztiere zu zeigen, wie man sie früher auf dem Bauernhof erlebt habe, und die sie heute kaum zu Gesicht bekämen.

Er sei überhaupt nur zum Hansemarkt gekommen, weil er selbst den früheren Veranstalter wegen seiner schlechten Tierhaltung kritisiert habe. „Der hatte fünf Hähne in einem Käfig, die sich bekriegt haben. Das ging gar nicht.“

Tierschützerin zeigt Hansemarkt-Händler an – obwohl sie ihn vorher hoch gelobt hat

Ralf Schmidt mit weißen Edelziegen, die er wie die anderen Nutztiere auf seinem Hof in Sölde hält. © Foto: Peter Bandermann

Manche Leute hätten ein „verdrehtes Verhältnis zu Nutztieren“, sagt Schmidt. Er erinnert sich an einen Vorfall beim Apfelmarkt in Aplerbeck. Dort hatte er Küken ausgestellt, „die sich bei schönem Wetter in der Sonne räkelten und ein Sonnenbad nahmen“. Weil sie regungslos lagen, hätten Besucher sie für tot erklärt.

„Ich habe keine Lust mehr“

„Ich habe keine Lust mehr“, sagt Schmidt nach der Anzeige, „das ist alles viel Arbeit für mich, die sich wirtschaftlich nicht rechnet, und setze mich der Kritik aus, was ich gar nicht bräuchte.“

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Warum die Tierhaltung von Ralf Schmidt für den Tierschutzverein damals in Ordnung war und heute nicht mehr – dazu sagt Erika Scheffer, sie habe auf Anzeigen von Marktbesuchern reagiert, die sich an sie gewandt hätten: „Da können wir nicht mehr stillhalten.“

Scheffer selbst hat die Gehege zuletzt übrigens gar nicht gesehen, doch sagt: „Die kleinen Schweinchen haben da nichts zu suchen. Die soll er auf seinem Hof lassen. Die gehören da nicht hin. Nicht bei dem Rummel.“

Erika Scheffer hat nicht nur gegen Ralf Schmidt Anzeige erstattet, sondern auch gegen Patrick Arens, Frank Schulz und Foad Boulakhrif als Veranstalter des Hansemarktes: wegen Beihilfe zur Tierquälerei.

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