Tina Teubner löst Paar-Probleme am besten mit Musik

rnFestival Ruhrhochdeutsch im Spiegelzelt

Kabarettistin präsentierte mit Pianist Ben Süverkrüp ihr Programm im Spiegelzelt.

Dortmund

, 25.06.2019, 00:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Von Julia Gaß

Was macht das bloß mit einem komödiantisch veranlagten Menschen, wenn er in Witzenhausen geboren wird und aufwächst. Tina Teubner ist Kabarettistin geworden, aber erst Musik studiert. Und die Lieder und Musiknummern der Wahl-Kölnerin sind auch das Stärkste im Programm „Wenn Du mich verlässt, komm ich mit“. Am Montag präsentierte die 53-Jährige das mit Pianist Ben Süverkrüp beim Festival Ruhrhochdeutsch im Spiegelzelt.

Zwischen Brecht und Zarah Leander

Irgendwo zwischen Bert-Brecht-Liedern und Zarah-Leander-Chansons bewegen sich die Lieder von Tina Teubner. Kluge und schmissig vorgetragene Songs waren das. Und auch die Nummern mit bewusst erbärmlich jammernder Geige (dass Tina Teubner doch wirklich Geige spielen kann, zeigte sie ganz am Schluss des Programms) und begleitet von einer singenden Säge waren Stützen des Abends.

In den Texten präsentierte sich die Kabarettistin meist zu melancholisch und melodramatisch. Oder sie präsentierte sich bewusst arrogant und abgehoben. Beides wirkte zu aufgesetzt.

Und auch, wenn die Komödiantin darauf hinwies, dass jetzt „Inklusionstheater“ mit „betreutem Lachen“ folge, war das nicht so richtig lustig. Diesen Texten fehlte einfach der Pep und Tempo. Beides hatten die Nummern, in denen die Kölnerin die Kindheit (und auch die Mutterschaft) von Baby Emil aufarbeitete; das war deutlich lustiger als das Betroffenheitskabarett, das zwar ironisch gemeint sein sollte, aber nicht ganz so wirkte.

Pianist mit Baby-Burnout

Bei ihrem langjährigen Klavierpartner Ben Süverkrüp, Sohn der inzwischen 85-jährigen Kabarett-Legende Dieter Süverkrüp, hatte Tina Teubner zuvor schon „Baby-Burnout“ diagnostiziert. Aufs musikalische Gemüt ist das dem Pianisten nicht geschlagen: Kurz vor Schluss des Zweieinhalb-Stunden-Programms legte er, quasi wie eine Kadenz, eine glänzende Solo-Einlage mit Improvisationen hin. Da begeisterte auch der Arrangeur Ben Süverkrüp.

Das Publikum im wieder fast voll besetzten Zelt hat der Abend trotzdem viel Spaß gemacht. Und immerhin hat Tina Teubner auch den Deutschen Kabarettpreis und den Deutschen Kleinkunstpreis bekommen. Vielseitig ist die gebürtige Hessin aus dem Rheinland auch: Nach dem Musiktherapie- und Musikstudium, diversen Soloprogrammen, CDs und Büchern, führt sie auch Regie im Düsseldorfer Kom(m)ödchen.

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