Todesfälle nach Hundekauf im Internet: „Ebay Kleinanzeigen ist das schlimmste Thema“

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Der Tod eines Welpen nach drei Tagen ist nur ein trauriges Beispiel für den Tier-Verkauf über Ebay. Der Dortmunder Tierschutzverein warnt - und gibt Tipps, um unseriöse Händler zu entlarven.

Dortmund

, 07.08.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn beim Tierschutzverein in der Berswordthalle Montagmorgens das Telefon klingelt, schwant Mitarbeiterin Karola Gaidies nichts Gutes. Man habe am Samstag einen Hundewelpen gekauft über . . . „Ebay Kleinanzeigen“, vervollständigt Karola Gaidies den Satz und könnte die Geschichte selbst weitererzählen. Der Hund habe dann angefangen zu kränkeln. Nun gehe es ihm sehr schlecht. Er fresse nicht und stehe nicht auf. Und ob der Tierschutzverein die Tierarztkosten übernehmen könne; denn man habe das Geld selbst nicht mehr, nachdem der Welpe schon 500 Euro gekostet habe.

Karola Gaidies kennt solche Fälle zuhauf: „Für uns ist Ebay Kleinanzeigen das schlimmste Thema, was Hundezüchtung angeht. Die Leute kaufen die Welpen oft bei Übergaben auf Autobahn-Raststätten aus dem Kofferraum heraus.“ Sie frage dann, ob das Tier einen Impfausweis habe. In der Regel Fehlanzeige. Gaidies: „Die Welpen kommen oft mit Krankheiten, die tödlich enden.“

„Aber der war doch so süß“

„Aber der war doch so süß“ – auch diesen Satz hat Karola Gaidies schon oft gehört, wenn sie den unbedarften Anrufern die Leviten gelesen hat. Tierschutzverein und der Verband für das deutsche Hundewesen (VdH) warnen immer wieder unisono vor solchen Geschäften über Ebay Kleinanzeigen.

Erst jüngst hat eine Dortmunder Familie ihren über Ebay vermittelten Golden-Retriever-Welpen nach nur drei Tagen wieder verloren. Wie sich herausstellte, hatte das Tier eine Magen-Darm-Infektion und eine viel zu hohe Dosis von Medikamenten und Flohmitteln im Körper. Der Welpe starb trotz Rettungsversuchen. Der Verkäufer selbst hatte ihn einen Tag nach Kontaktaufnahme der Familie vorbeigebracht. Sie wusste so gut wie nichts über die Zuchtstätte und das Muttertier.

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Tierschutzbund: Online-Handel mit lebenden Tieren verbieten

Vor wenigen Tagen hat der Vorsitzende des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, erneut an die örtlichen Tierschutz-Vereine appelliert, Ebay Kleinanzeigen nicht für Tierschutzvermittlungen zu nutzen: „Auf Internetseiten wie Ebay Kleinanzeigen werden Tiere auch zum Verkauf angeboten, teilweise von illegalen Züchtern und Welpenhändlern.“ Man habe Firmenvertretern von Ebay die Grundsatzkritik mehrfach erläutert, „offenbar jedoch ohne Erfolg“. Der Deutsche Tierschutzbund fordert das vollständige Verbot des Handels mit lebenden Tieren über Internetplattformen und hat dazu eine Gesetzesinitiative angeregt.

Online-Anzeigen wolle er „nicht generell verteufeln“, sagt dagegen Jörg Bartscherer, Geschäftsführer und Justiziar beim Verband für das deutsche Hundewesen, sofern sich Züchter und Verkäufer dort registrieren müssten. In Österreich zum Beispiel gebe es strenge Regeln für den Verkauf von Tieren.

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Ein Indiz ist der Preis

Wie kann ein Interessent feststellen, ob er es mit einem seriösen Züchter zu tun hat? Man sollte sich auf jeden Fall die Zuchtstätte und das Muttertier ansehen, um zu erkennen, unter welchen Umständen der Welpe gezüchtet wurde, rät Bartscherer. Biete ein Züchter gleich mehrere Rassen an, sei Vorsicht geboten. „Auch ein Verkauf auf dem Parkplatz würde mich stutzig machen.“

Weiteres Indiz sei der Preis, so Bartscherer. Lege man die Kosten für die ersten Aufzucht-Wochen, die Impfungen und den implantierten Chip zugrunde, bleibe bei 500 Euro nicht viel übrig für einen seriösen Züchter.

Doch nicht immer sei der Preis ausschlaggebender Hinweis, betont der VdH-Geschäftsführer. Bei der Französischen Bulldogge zum Beispiel, die in Deutschland wegen der hohen Zuchtauflagen kaum angeboten werde, verlangten auch unseriöse Züchter inzwischen deutlich mehr als 500 Euro. Bartscherer: „Da muss die schnelle Verfügbarkeit, ohne Vorgespräch, misstrauisch machen.“

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