Tote Leah (4): Entscheidendes Gutachten steht kurz bevor

Vorwürfe gegen Klinikum

Der Rechtsstreit um den Tod der kleinen Leah (4) in der Klinderklinik des Klinikums Dortmund steht kurz vor der Entscheidung. In diesem Monat wird ein fünftes und letztes ärztliches Gutachten zu möglichen Behandlungsfehlern erwartet. Der Vater des 2012 gestorbenen Mädchens bezweifelt jetzt schon dessen Inhalt.

DORTMUND

von Von Ulrike Böhm-Heffels

, 05.11.2013, 00:23 Uhr / Lesedauer: 2 min
»Leah flutete jeden Raum mit Sonne«, sagt Vater Michael Wawziniak. Er verkraftet den Verlust der Tochter nicht.

»Leah flutete jeden Raum mit Sonne«, sagt Vater Michael Wawziniak. Er verkraftet den Verlust der Tochter nicht.

Vier ärztliche Gutachten sind inzwischen geschrieben worden. Ein fünftes, von der Staatsanwaltschaft Dortmund beauftragtes, sollte bis zum 25. Oktober vorliegen. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Dr. Barbara Vogelsang, spricht nun von einer „Fristverlängerung bis November“. Es komme häufig vor, dass Gutachter so lange bräuchten.Der trauernde Vater, dessen Ehe inzwischen in die Brüche gegangen ist, hat weder Verständnis für nicht eingehaltene Fristen, noch für den von der Staatsanwaltschaft beauftragten Gutachter der Universitätsklinik in Münster: „Das Klinikum Dortmund ist akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Münster. Wie kann man von dort ein neutrales Gutachten erwarten?“ Auch sein Rechtsanwalt sieht ein gewisses „Geschmäckle“, sagt aber, es sei Sache der Staatsanwaltschaft, welchen Gutachter sie beauftrage.

Nach dem Tod der Tochter wurde zuerst das pathologische Gutachten des Gerichtsmediziners vorgelegt. Ein zweites, neuropathologisches Gutachten erstellte Prof. Dr. Rainer M. Bohle von der Universitätsklinik Saarbrücken. Laut Rechtsanwalt Koch bescheinigte Bohle eine „hochgradige Pneumologie“, also eitrige Lungenentzündung als Todesursache. Unterdessen lag ein zweites Gutachten des Dortmunder Gerichtsmediziners vor. Nur: Hätten die Ärzte die eitrige Lungenentzündung sofort entdecken können mit anderen Untersuchungen als den von ihnen angewandten?

Rechtsanwalt Koch beauftragte einen renommierten Kinderarzt aus Berlin damit, diese Frage zu klären und leitete hierzu die vorliegenden Gutachten weiter. Der Facharzt für Kinderchirurgie sei, so Koch, zu einem recht eindeutigen Ergebnis gekommen, nach dem die Kinderklinik den Zustand Leahs bereits bei einem unmittelbar vorangegangenen Krankenhaus-Aufenthalt hätte erkennen müssen. Diese Einschätzung schickte Koch an die Staatsanwaltschaft und von dort wurde das Gutachten des privat beauftragten Sachverständigers nach Münster weitergeleitet. Noch ergebnisoffen.

Leahs Vater hält die Verzögerungen nicht mehr aus. Eineinhalb Jahre nach Leahs Tod sucht er verzweifelt nach einer Bestätigung seiner Schuldvermutung. Für seinen Rechtsanwalt eine nachvollziehbare Haltung: „Die meisten Gutachten dauern heute zwischen sechs und acht Monate. Das ist Mandanten nicht zu vermitteln. In einem anderen Fall warten wir 13 Monate nach einem Unfall immer noch. Da geht es um die wirtschaftliche Existenz des Betroffenen.“ Der Direktor der Kinderklinik, Prof. Dr. Dominik Schneider, hatte von Anfang an klar gestellt, dass er sich nicht zu dem Fall Leah äußern werde, da es sich um ein laufendes Verfahren handele.  

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