Traditionsreiches Familienunternehmen Orthopädietechnik Siebelhoff gibt es nicht mehr

rnGeschäft geschlossen

Orthopädietechnik Siebelhoff an der Kuckelke gibt es nicht mehr. Warum, ist nicht ganz klar. Ein Kollege vermutet den Renteneintritt des Inhabers, aber es gibt auch noch andere Gründe.

von Alexandra Wachelau

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, 25.06.2019, 14:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Geschäft „Orthopädietechnik Siebelhoff“ an der Kuckelke ist geschlossen. Damit verschwindet ein wohl mehr als 100 Jahre alter Familienbetrieb. Warum der Besitzer aufgehört hat, möchte er nicht verraten. „Rente“, vermutet sein Kollege. Und es gibt wohl noch einen Grund: die Tendenz zur Monopolbildung bei medizinischen Betrieben.

„Mein Großvater kannte schon einen Siebelhoff – durch seine eigene Gesellenprüfung 1942“, sagt Ulrich Koch, Besitzer des „Ulrich Koch Orthopädie-Schuhtechnik“. Koch kennt Werner Siebelhoff, den Besitzer von „Orthopädietechnik Siebelhoff“, nicht privat, vermutet jedoch, dass schlicht das erreichte Rentenalter der Grund für die Schließung war. Außerdem habe sich keine Betriebsübernahme angedeutet. Siebelhoff sei immer sehr engagiert in der Innung gewesen, war vereidigter Sachverständiger der Handwerkskammer und im Verband sehr aktiv.

Siebelhoffs Vater sei ebenfalls Orthopädietechniker gewesen. Koch schätzt, dass damit ein über 100 Jahre altes Familienunternehmen der Vergangenheit angehört.

Ein eher „exotischer“ Beruf – 13 Orthopädieschuhtechniker gibt es in Dortmund

Tobias Schmidt von der Handwerkskammer ordnet Orthopädietechniker aus Sicht des Ausbildungsmarktes als „eher exotischen Beruf“ ein. Aktuell gibt es in Dortmund 20 aktive Ausbildungsverhältnisse in dem Bereich. Insgesamt gibt es laut Schmidt aber nur 13 Orthopädieschuhtechniker in Dortmund.

Das liegt daran, dass sich in immer häufiger Ärztezentren bilden, an denen sich medizinische Betriebe und Ärzte an einem Ort sammeln. Diese sind größer und haben dementsprechend mehr Auszubildende. Die positiven Aspekte des Konzepts sind offensichtlich: kurze Wege für den Verbraucher, die damit verbundene Zeitersparnis sowie ein durch die verschiedenen Bereiche größeres Angebot in den Sanitätshäusern oder Apotheken.

Kleinere Betriebe, die sich abseits von diesen Monopolen aufhalten, könnten jedoch wirtschaftlich oft nicht mithalten.

„Das ist eine ganz einfache Marketingtheorie: Alles sammelt sich am ‚Point of Sale‘“, sagt Schmidt. Dort, wo sich schon viele Menschen aufhalten, wird auch viel gekauft. „Deswegen ist eine Apotheke am Supermarkt attraktiver“ nennt Schmidt als Beispiel.

Monopolbildung durch Ärztezentren

Der Ausbildungsberuf selbst sei aber nicht gefährdet. Im Gegenteil. „Es ist ein schöner Beruf!“, findet Schmidt. „Und vielseitig. Man kann sich in sehr vielen Bereichen spezialisieren, wenn man sich für das Handwerk interessiert.“

Ein Nachmieter für das Lokal an der Kuckelke wurde noch nicht gefunden. Werner Siebelhoff hat per Aushang an seinen Kollegen Ulrich Koch verwiesen.

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