Trauer auf dem Westenhellweg: Dortmunder verliert Angehörige bei Flugzeug-Abschuss im Iran

rnIran-USA-Konflikt

Ein Dortmunder hat auf dem Westenhellweg mit anderen Menschen um Familienangehörige getrauert, die im Flugzeug saßen, das im Iran abgeschossen wurde. Tiefe Trauer war zu spüren - und Wut.

Dortmund

, 15.01.2020, 18:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rund 60 Menschen haben auf dem Westenhellweg gemeinsam mit dem Dortmunder Hassan Ahmadi der 176 Opfer des von der iranischen Regierung abgeschossenen Flugzeugs gedacht. Der 19-Jährige verlor bei dem Unglück seine Schwägerin, seine Nichte und seinen Neffen.

„Ich war unter Schock. Ich kann es bis jetzt nicht akzptieren, dass sie nicht mehr da sind“, sagt der junge Mann, der 2015 nach Dortmund kam und eine Ausbildung bei Thyssen Krupp absolviert. „In mir sind Wut und Trauer. Wir wollten das öffentlich machen.“

Viele haben das Bedürfnis ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen

Das ist offenbar noch mehreren anderen ein Bedürfnis. Auf dem Westenhellweg kommen am Mittwochabend (15. Januar) rund 60 Personen zusammen. Einige von ihnen haben Tränen in den Augen.

Trauer auf dem Westenhellweg: Dortmunder verliert Angehörige bei Flugzeug-Abschuss im Iran

Hassan Ahmadi (19, links) stammt aus Afghanistan und macht in Dortmund eine Ausbildung. © Felix Guth

Unter einem Pavillon stehen, kaum vor Wind und Regen geschützt, Dutzende Kerzen neben Fotos von Salineh (30), ihrer Tochter Motahereh (8) und ihrem Sohn Muhsen (5). Bilder aus einem normalen, glücklichen Familienalltag. Der am 8. Januar am Himmel von Teheran jäh endet.

Sie saßen im Flugzeug, das am 8. Januar vom Flughafen in Teheran startete. Und kurz darauf von zwei Raketen der iranischen Revolutionsgarde getroffen wurde. Die im Iran geborene Frau, die vor Kurzem von Stuttgart nach Werl gezogen war, hatte mit ihren beiden Kinder ihre Eltern besucht und war auf dem Rückweg. Sie kamen wie 173 andere nie zuhause an.

Am Abend hat Hassan Ahmadi traurige Gewissheit

Hassan Ahmadi schildert, wie er den 8. Januar erlebt hat. „Ich war auf der Arbeit und hatte viele Anrufe von meinem Bruder und meiner Schwester. Als ich sie erreicht habe, war mein Bruder schon auf dem Weg zum Flughafen. Da war noch nicht klar, dass sie wirklich in dem Flugzeug saßen.“

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Am Abend des 8. Januar hat er die schreckliche Gewissheit. Dass die iranische Regierung den Vorfall einige Tage lang als Absturz aus technischer Ursache verkaufen will, macht es für Hassan Ahmadi noch schmerzhafter. „Jetzt sagen sie zwar, dass es ihr Fehler war und dass sie um die Toten trauern. Aber das bringt sie nicht zurück.“

Mehrere Dortmunder äußern ihre Wut über die Eskalation

Auf dem Westenhellweg gibt es verschiedene Wortbeiträge von Exil-Iranern, Deutschen und Afghanen. Man müsse sich gegen solche Verstöße gegen das Menschenrecht und Kriegstreiberei stellen, sagen mehrere Spontan-Redner.

Eine mehrfach geäußerte Botschaft: Das iranische Volk traue der eigenen Regierung nicht und wünsche sich ein friedliches Zusammenleben der vielen Kulturen im Land. „Die Drohungen gegen Israel oder die USA entsprechen nicht der iranischen Mentalität“, sagt eine Frau.

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