„Dortmund könnte das Zentrum einer vibrierenden Club-Kultur sein“

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Der Tresor.West ist Dortmunds neuer Elektro-Club. Betreiber ist der Techno-Pionier Dimitri Hegemann. Er findet, dass sich im Dortmunder Nachtleben radikal etwas ändern muss - und hat Ideen.

Dortmund

, 10.01.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ende Dezember hat der Tresor.West auf dem Phoenix-West-Gelände in Hörde eröffnet. Die ersten Veranstaltungen sind im Keller der Konzerthalle Warsteiner Music Hall gelaufen, international anerkannte DJs waren hier.

Fotos sind drinnen nicht erlaubt, Smartphones werden am Eingang abgeklebt. Dazu gibt‘s Bier aus einer katholischen Brauerei und Gewölbe-Atmosphäre statt Schicki-Micki.

„Dortmund könnte das Zentrum einer vibrierenden Club-Kultur sein“

Raue Eleganz: So sieht es in dem neuen Technoclub „Tresor.West“ in Dortmund aus. © Tresor.West

Techno-Club ist ein „Konzerthaus für elektronische Musik“

Club-Betreiber Dimitri Hegemann ist zufrieden mit dem Start. „Die Leute sind hungrig, hier gibt es viel Potenzial“, sagt er. Hegemann sieht den Club als „Konzerthaus für elektronische Musik“. Ziel sei, internationales Niveau zu erreichen: „Dafür brauchen wir die Zeit der Nacht.“

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Deshalb ärgern den 65-Jährigen viele „Hemmnisse“ im Umgang der Stadt Dortmund mit dem Wirtschaftszweig Nachtleben.

„Das Verständnis von Nachtkultur muss sich grundlegend ändern“, sagt Dimitri Hegemann. Viele Vorstellungen seien veraltet. Das betreffe etwa das Beharren auf der Einhaltung einer Sperrstunde um 6 Uhr.

Diskussion über die Sperrstunde flammt wieder auf

„Berlin konnte sich nur so entwickeln, weil es das seit 70 Jahren nicht mehr gibt.“ Es sei den Besuchern schlecht vermittelbar, dass sie in Clubs in Essen bis 8 Uhr feiern dürfen, in Dortmund aber früher die Lichter angehen. Das Partygeschehen in der Techno-Szene nimmt meist erst ab 1.30 Uhr Fahrt auf.

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Bisher vertritt die Stadt Dortmund die Auffassung, dass eine Aufhebung der Sperrstunde nicht mit der öffentlichen Sicherheit vereinbar ist. Das Hauptargument gegen offene Öffnungszeiten für Diskotheken und Clubs sind Straftaten oder Belästigungen, die von Menschen ausgehen, die vom Feiern kommen.

„Wir sind keine Großraumdisco“, sagt Hegemann. Das Bild von der unkontrollierten Meute, die aus dem Club kommt, sei vor allem für die Elektro-Szene falsch.

Die letzte stadtweite Diskussion zum Thema gab es um 2011 herum. Damals war die Sperrstunde von 5 auf 6 Uhr verlängert worden. Zuletzt hatte die Nachtkultur-Tagung „Musik und Maschine“ auf Phoenix-West die Frage im November 2019 wieder thematisiert.

Vergnügnungssteuer setze Techno-Club mit Table-Dance-Bar gleich

Ein weiteres Ärgernis aus Sicht von Hegemann: die Vergnügungssteuer, die auch Clubs und Konzertveranstalter zahlen müssen. „Damit werden wir mit Spielhöllen, Table-Dance-Bars oder Erotikmessen gleichgesetzt. Das möchte ich nicht.“

Dortmund brauche ein „Update“ beim Verständnis von „Night Time Economy“, also dem Teil der Wirtschaft, der nach 22 Uhr Umsatz macht. Dazu gehöre auch das Konzept eines „Nachtbürgermeisters“.

So steht Dortmund zum Konzept

Städte wie Berlin, Köln oder Mannheim haben einen festen, demokratisch gewählten Ansprechpartner für die Nachtwirtschaft. Die Wirtschaftsförderung Dortmund berichtet auf Nachfrage, dass es auch hier regelmäßig die Forderung nach einer zentralen Person gibt. Clubbetreiber, Gastronomen und Stadtverwaltung sitzen regelmäßig am „Runden Tisch Nightlife“ zusammen.

„Wir stehen diesem Thema positiv gegenüber“, sagt Robert Litschke, Sprecher der Wirtschaftsförderung. Tendenz: Im Verlaufe dieses Jahres könnte sich da etwas entwickeln. Auch das Thema Sperrstunde könnte in Zukunft neu diskutiert werden.

„Dortmund könnte das Zentrum einer vibrierenden Club-Kultur sein“

Dimitri Hegemann (2.v.l.) und die Tür des legendären Berliner Techno-Clubs Tresor, die mittlerweile ein Museumsstück ist. © dpa

In Berlin werden nach aktuellen Studien in der „Night Time Economy“ rund 1,5 Milliarden Euro umgesetzt. Für Dortmund gibt es eine solche Erhebung bisher nicht.

„Schutzraum gegen den Mainstream“

Aus Sicht von Dimitri Hegemann wird es Zeit, dass sich etwas tut. Der Club sei ein „Schutzraum gegen den Mainstream“. Und zugleich ein „Experimentierraum, von dem aus andere Ideen entstehen“. Für die Szene in NRW könne der Tresor.West ein Signal zum Aufbruch sein.

Dortmund könne dadurch zum Zentrum einer „vibrierenden Club-Landschaft“ werden: „Da muss die Stadt jetzt wach werden.“

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