Trinkertreff in Marten - „Wir werden seit Jahren belästigt, beschimpft und angepöbelt“

rnMartener-/Steinhammerstraße

Der Trinkertreff in Marten nervt die Anwohner weiterhin. Tatsächlich hatte sich die Situation zwischendurch entspannt - aber nur kurz. „Wir haben Angst“, sagt eine Anwohnerin.

Marten

, 29.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Trinkerszene in Marten, an der Hinterseite des Penny-Markts an der Steinhammer-/Ecke Martenerstraße, bleibt ein Dauerthema. Die Anwohner fühlen sich nicht nur gestört, sie haben auch große Angst. „Gerade eben erst wurde meine Mutter angespuckt. Man hat uns auch schon mit dem Tod gedroht“, erzählt eine Anwohnerin. Die Redaktion kennt ihren Namen - um die Bürgerin zu schützen, nennen wir den Namen aber nicht.

Anfang der Woche hatten Bezirksbürgermeister Heiko Brankamp (SPD) und Reiner Gallen vom Martener Forum im Gespräch mit dieser Redaktion noch angenommen, dass sich die Situation in dem Bereich etwas entspannt hat. Zumindest zahlenmäßig habe es sich gebessert, so Brankamp. Beide gingen davon aus, dass der kürzlich erfolgte Abbau der Sitzauflagen auf den beiden Mauern dafür gesorgt habe.

Polizeilicher Platzverweis hat die Situation kurzzeitig entspannt

Die Trinker hätten polizeiliche Platzverweise erhalten, nur deshalb sei es in den vergangenen Tagen etwas ruhiger gewesen, berichtet die Anwohnerin. Nun sei alles wieder so schlimm wie vorher: „Die Situation hat sich überhaupt nicht entspannt, die Trinkerszene sitzt schon seit vier Jahren an dieser Stelle. Solange werden wir schon belästigt, beschimpft und angepöbelt. Sie schreien uns an, wir sollen unsere Balkone verlassen. Die fühlen sich von uns belästigt, was ja wohl eine verkehrte Welt ist.“

Die Anwohnerin hatte vor rund zwei Monaten einen Brandbrief verfasst. Daraufhin hat die Bezirksvertretung einen Antrag zum Abbau der Sitzmöglichkeiten an die Verwaltung auf den Weg gebracht. Die ließ aber nur die Sitzauflagen aus Holz, nicht die Mauern entfernen. „Das reicht doch nicht, da kann man doch immer noch sitzen“, so die Anwohnerin.

An manchen Tagen seien es bis zu 30 alkoholisierte Leute, die sich dort von 10 bis 22 Uhr aufhielten. Die meisten Anwohner würden aus Angst schweigen.

Bezirksbürgermeister: „Abbau der Holzauflagen reicht nicht aus“

Bezirksbürgermeister Heiko Brankamp nimmt die Sorgen der Anwohner ernst. Der Abbau der Holzauflagen ist auch in seinen Augen nicht ausreichend. „Wir haben die Entfernung der kompletten Sitzmöglichkeiten beschlossen, dazu gehören auch die Mauern.“ Man habe das Tiefbauamt am Mittwoch entsprechend informiert. Er hoffe nun auf eine schnelle Umsetzung.

Allen Beteiligten ist klar, dass es für das Problem keine zufriedenstellende Lösung gibt - weil es sich letztlich nur um eine Verdrängung der Problemgruppe handelt, die sich dann anderswo treffen wird. „Im Steinhammerpark stören sie doch niemanden“, meint die Anwohnerin. Sie betont darüber hinaus, dass sich ihr Groll nicht gegen Obdachlose richtet: „Die sind doch lieb und tun uns nichts.“

Martener-/Steinhammerstraße

Vier Einsätze der Polizei

Aus Sicht der Polizei ist der Bereich Martener-/Steinhammerstraße kein Brennpunkt. In den vergangenen zwei Monaten gab es dort laut Polizeisprecher Sven Schönberg vier Einsätze, unter anderem auch wegen Belästigungen und Beleidigungen. In diesen Fällen habe die Polizei Platzverweise ausgesprochen. „Wiederkehrendes ortsfestes Ansammeln“ sei darüber hinaus eine Ordnungswidrigkeit, für die das Ordnungsamt zuständig sei.
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