Trotz Corona-Krise: Reges Treiben in der Dortmunder Nordstadt

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Menschen stehen in Gruppen zusammen oder sitzen im Park, in den Imbissen läuft das Geschäft weitgehend normal weiter. Und einige Läden halten sich erst gar nicht an Vorschriften. Ein Rundgang.

Dortmund, Nordstadt

, 20.03.2020, 14:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

An der Ecke stehen junge Männer rauchend und plaudernd eng zusammen, Menschen mit Einkaufstüten in den Händen gehen an ihnen vorüber. Auf der Mallinckrodtstraße herrscht der ganz normale Verkehrswahnsinn: Autos bewegen sich dicht an dicht im Schritttempo voran. Dass die Stadt Dortmund vor überflüssigen sozialen Kontakten warnt und dazu klare Regeln verabschiedet hat - hier ist davon nur wenig zu spüren. Ein Spaziergang durch die Nordstadt in Zeiten des Coronavirus.

Männer trinken, quatschen, lachen

Zugegeben, im Park am Nordmarkt herrschte schon mal mehr Betrieb; aber dann war meist auch das Wetter besser. Dennoch sitzen jetzt, am Donnerstagnachmittag gegen 16 Uhr, mehrere Grüppchen hier dicht an dicht. Familien, junge Leute, Männer. Eine Gruppe Herren, die dem Alkohol offenbar nicht abgeneigt ist, hat es sich auf und vor einer Bank bequem gemacht. Es wird getrunken, gequatscht, gelacht. Wie immer. Von Angst keine Spur.

Der Discounter auf der anderen Straßenseite hat ganz legal geöffnet, schließlich gelten Verkaufsstätten von Lebensmitteln als unverzichtbare Einrichtungen. Dass auch der Handy-Laden im Foyer des Gebäudes seine Pforten geöffnet hat, mutet indes seltsam an. Wenngleich Handys für viele inzwischen ebenfalls unverzichtbar sind, braucht in diesen Tagen eigentlich niemand ein neues I-Phone. Unglaublich.

An der Mallinckrodtstraße ist von einer Corona-Krise nur wenig zu spüren: Da hier vor allem Imbisse, Lebensmittelgeschäfte und Kioske zu finden sind, haben fast alle Läden geöffnet.

An der Mallinckrodtstraße ist von einer Corona-Krise nur wenig zu spüren: Da hier vor allem Imbisse, Lebensmittelgeschäfte und Kioske zu finden sind, haben fast alle Läden geöffnet. © Michael Schuh

Weiter geht es die Mallinckrodt- in Richtung Bornstraße entlang. Zwar haben einige wenige Geschäfte geschlossen, doch die meisten Ladenlokale sind weiterhin geöffnet. Kaum verwunderlich, denn hier befinden sich - im Gegensatz zur City - kaum Läden, die laut aktueller Vorschriften schließen müssen. In all den Kiosken, Imbissbuden, Gemüseläden, Frisörsalons und Bäckereien läuft der Verkauf weitgehend normal weiter.

In einem Dönerimbiss tragen die Herren hinter der Theke alle einen Mundschutz, in anderen Snackbars ist von einer Ausnahmesituation kaum etwas zu spüren. Nur jene Restaurants, die auch Sitzmöglichkeiten anbieten, haben reagiert: Ab 15 Uhr dürfen die Gäste nicht mehr Platz nehmen, deshalb sind die Tische - oftmals mit Flatterband - vom Thekenbetrieb abgesperrt. Ein Imbiss weist mit einem Zettel im Schaufenster darauf hin, dass bis auf Weiteres nun auch ein Lieferservice angeboten werde. Das nennt man wohl: Aus der Not eine Tugend machen.

Neue Spezialität: Corona-Döner

Beim Betreten eines Restaurants erläutert ein Mitarbeiter den Kunden kurz die Notwendigkeit der Sperrung des eigentlichen Gastraumes und schließt seine Erklärung lachend mit der Wortschöpfung „Corona-Döner“ ab. Ansonsten läuft der Außer-Haus-Betrieb ganz normal weiter: Das Fleisch im Brötchen gibt‘s am Tresen auf die Hand.

Nicht nur das „Multimedia-Center“ selbst ist gut besucht - auch davor stehen viele Menschen eng beisammen.

Nicht nur das „Multimedia-Center“ selbst ist gut besucht - auch davor stehen viele Menschen eng beisammen. © Michael Schuh

Vor und in einem Laden, der neben Handys, Telefon-, Kopier- und Internetmöglichkeiten auch Snacks und - ironischerweise - „weltweit günstige Flüge“ anbietet, herrscht reger Betrieb. Die Besucher gehen rein und raus, verweilen, reden. In welche Sparte der unverzichtbaren Einrichtungen dieser Betrieb fällt, bleibt ungeklärt. Die Kunden scheint es ohnehin nicht zu interessieren.

Kundschaft im Reisebüro

Auf dem Bürgersteig vor einem Reisebüro steht ein Werbeschild, in dem beleuchteten Raum sitzt eine Frau am Schreibtisch und unterhält sich mit einem jungen Mann. Ob es um den nächsten Sommerurlaub geht, bleibt unklar, doch eines steht fest: Die städtische Vorgabe „Alle Verkaufsstellen des Einzelhandels sind zu schließen“ findet hier wenig Beachtung.

Dieser An-und-Verkauf-Laden ist geöffnet. Daran lässt ein leuchtendes Schild im Schaufenster keine Zweifel.

Dieser An-und-Verkauf-Laden ist geöffnet. Daran lässt ein leuchtendes Schild im Schaufenster keine Zweifel. © Michael Schuh

Das sieht in der Ordnungsamts-Filiale Ecke Mallinckrodtstraße/Bornstraße ganz anders aus. „Kein Publikumsverkehr“, erklärt ein Mitarbeiter noch vor der Tür. Auf die Frage, ob sich denn alle Bewohner und Besucher der Nordstadt an die aktuellen Regeln und Empfehlungen halten, möchte der Mann nicht antworten: „Machen Sie sich selbst ein Bild.“

In einer Seitenstraße ist das definitiv nicht der Fall. Ein An- und Verkauf hat die Ladentür weit geöffnet, auch hier stehen mehrere Männer vor dem Geschäft und plaudern. Ein leuchtendes LED-Werbeschild im Schaufenster verdeutlicht, wie es derzeit um die Öffnungszeiten bestellt ist: „Open.“

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