Trotz Wohnungsmangel: bekannter Altbau am Phoenix-See verfällt

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Trotz Wohnungsnotstand verfallen Häuser in Dortmund. Besonders traurig: Dieses Haus in Hörde war früher ein Zeichen für Wohlstand.

von Alexandra Wachelau, Michael Nickel

Hörde

, 19.12.2019, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Trotz fehlender Wohnungen in Dortmund verfallen Häuser. So geschehen in Dortmund-Brackel – und jetzt auch in Hörde am Phoenix-See.

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An der grundsanierten, neuen Hermannstraße fällt das Haus mit der Nummer 93 besonders negativ auf: Die Fenster sind verrammelt, die Klingelschilder abgerissen, die untere Hauswand wird von Graffiti bedeckt.

Dieses Haus in Hörde steht seit längerer Zeit leer.

Dieses Haus in Hörde steht seit längerer Zeit leer. © Jörg Bauerfeld

Direkt hinter dem Grundstück werden die modernen Bauten am Phoenix-See sichtbar: Parkhäuser, Firmen und Einfamilienhäuser. Während der Strukturwandel in Hörde fortschreitet, verfällt das Haus zunehmend. Dabei lässt die bröckelnde Fassade vermuten, dass das Gebäude einmal erhaben war. Ein Relikt aus alter Zeit?

„Erhaltenswerte Bausubstanz“ ohne Denkmalschutz

Laut Maximilian Löchter von der Stadt Dortmund steht das Gebäude nicht unter Denkmalschutz. Es sei zwar als eine „erhaltenswerte Bausubstanz“ eingegliedert, daraus würden sich allerdings keine denkmalschutzrechtlichen Verpflichtungen ergeben.

Willi Garth, Heimatforscher in Hörde, schätzt, dass die meisten der Gebäude an der Hermannstraße in den Anfängen des 20. Jahrhunderts, einige sogar im 19. Jahrhundert, gebaut wurden.

„Nach der Inbetriebnahme des Hörder Werkes um 1843 expandierte der Betrieb und benötigte immer mehr Arbeitskräfte. Das ist die Zeit, in der die meisten der attraktiven Hörder Miethäuser gebaut wurden“, sagt Garth.

Laut Heimatforscher Willi Garth aus Hörde war in den 1920er-Jahren ein Wirt in dem Haus an der Hermannstraße ansässig.

Laut Heimatforscher Willi Garth aus Hörde war in den 1920er-Jahren ein Wirt in dem Haus an der Hermannstraße ansässig. © Alexandra Wachelau

Mit „attraktiv“ ist die verzierte Fassade gemeint. Viele der Häuser wurden mit „Jugendstil- oder klassizistischen Schmuckelementen“ versehen, so Garth. Das ist an vielen Häusern der Hermannstraße zu erkennen – inklusive dem Haus Nummer 93. „Vereinsmitglied Heribert Wölk hat unter dem Titel ‚Hörder Fassaden‘ dazu mehrere Filme gedreht. Man glaubt oft, in einer anderen Stadt zu sein“, sagt Garth.

Laut Garth war in dem Haus lange Jahre eine Gaststätte. „In dem Adressbuch von 1922 ist unter Hermannstraße 93 noch der Eintrag ‚Stolze, Heinr. Wirt‘ zu finden“, sagt Garth.

Darum rüht sich nichts

Maximilian Löchter bestätigt, dass die meisten der gebauten Häuser „entlang der Hermannstraße, also am Hauptzugang zur Hermannshütte“ entstanden sind. Die Häuser seien somit „charakteristisch für den aufkommenden Wohlstand und die Veränderungen, die die Industrialisierung in das damals ländlich geprägte Hörde brachte“.

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„Das Gebäude/Grundstück ist nicht im Eigentum der Stadt Dortmund“, sagt Löchter. Die Zukunft des Hauses ist also ungewiss. Der Eigentürmer war für eine Stellungnahme bislang nicht zu erreichen.

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